Schindehütte: „Akt größter Grausamkeit“

EKD-Auslandsbischof zur Geiselnahme in irakischer Kirche

01. November 2010

Logo der EKD Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, hat die gestrige Geiselnahme einer Kirche in der irakischen Hauptstadt Bagdad als einen Akt größter Grausamkeit nachdrücklich verurteilt. „Es ist beschämend, in welcher Weise Terroristen Gründe konstruieren, um ihre Gewalttaten religiös zu rechtfertigen. Eine Geiselnahme in einem Gottesdienst zeigt, dass die Attentäter vor Gott ohne jeden Respekt sind. Der Koran spricht auch von der Achtung gegenüber dem Christentum. Es handelt sich bei diesem Anschlag um einen massiven Missbrauch des Islam.“, sagte Schindehütte heute in Hannover.

Am Sonntagabend hatten mehrere Bewaffnete einen Gottesdienst in der syrisch-katholischen Sajjidat-al-Nadscha-Kirche gestürmt und die Gemeinde mit ihren Priestern als Geisel genommen. Laut Meldungen vom Montag waren bei der Befreiungsaktion der irakischen Sicherheitskräfte mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen, rund 70 wurden verwundet. Zu der Geiselnahme bekannte sich eine irakische Mitgliedsorganisation des islamistischen al-Qaida-Netzwerks.

Die Geiselnehmer hatten neben der Freilassung von Mitkämpfern in Ägypten und im Irak auch die Freilassung von muslimischen Mädchen gefordert, die angeblich in Klöstern der koptischen Kirche gefangen gehalten würden, um sie zu christlichen Nonnen zu machen. Schindehütte bezeichnete diese Argumentation als „vollkommen haltlos“. Er wies den al-Qaida-Vorwurf zurück, die Christen würden einen Kampf gegen den Islam führen. Schindehütte betonte, dass alle Religionen zur Gewaltlosigkeit und zum Frieden aufgerufen seien: „Ich hoffe, dass auch Muslime solche Gewalt klar und unmissverständlich verurteilen.“

Hannover, 01. November 2010

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick