Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen

EKD begeht den Sonntag Reminiszere (in diesem Jahr: 28. Februar) als "Tag der bedrängten und verfolgten Christen"

27. Januar 2010

Logo der EKD Zum ersten Mal gibt es für den gesamten Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einen Aufruf zur Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen. Dieser Aufruf ist ein weiteres Indiz für die wachsende Sensibilität angesichts des Leides, das Menschen durch die Verweigerung der Religionsfreiheit oder durch regelrechte Religionsverfolgung zugefügt wird. Vereinzelt gab es schon in der Vergangenheit Initiativkreise und evangelische Landeskirchen (wie die württembergische), die einen Tag der verfolgten Christen eingerichtet haben. Die EKD-weite Ausdehnung verdankt sich einem Beschluss, den die Synode der EKD auf ihrer Tagung im November 2008 gefasst hat und den Kirchenkonferenz und Rat tatkräftig unterstützt haben.

Die Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, beschreibt die Notwendigkeit eines "Tages der bedrängten und verfolgten Christen" so: „Das Menschenrecht der Religionsfreiheit nimmt für unsere Kirchen einen besonderen Stellenwert ein. Es wird immer wieder eingeschränkt und bestritten. Vor allem Angehörige religiöser Minderheiten leiden auch in unserer Zeit unter massiver Bedrängnis. In Deutschland ist uns das oft nicht bewusst. Aber wer Christinnen und Christen in Indien besucht oder in Indonesien, wer Berichte hört von der Lage in Pakistan oder dem Irak, dem wird deutlich, wie hoch das Gut der Freiheit in unserem eigenen Land ist. Der Apostel Paulus hat uns dazu angehalten, Gutes zu tun ‘allermeist an des Glaubens Genossen‘. Das geschieht, indem wir uns für verfolgte Christinnen und Christen einsetzen in Wort, Tat und vor allem Fürbitte. Dabei verlieren wir die Religionsfreiheit der Angehörigen anderer Religionen nicht aus dem Blick.“

Der "Tag der bedrängten und verfolgten Christen" soll Kirchenjahr für Kirchenjahr zum selben Zeitpunkt stattfinden, nämlich am zweiten Sonntag der Passionszeit, der den Namen Reminiszere trägt und im Jahr 2010 auf den 28. Februar fällt. Es ist vorgesehen, jeweils am Anfang des Jahres Materialien zur Vorbereitung und Durchführung des Tages zu veröffentlichen: Vorschläge zur Gestaltung eines Gottesdienstes, Bausteine für Fürbitten, Informationen zu einem Länderschwerpunkt u. a. Die Materialien werden ins Internet gestellt und sind so besonders leicht zugänglich.

Länderschwerpunkt im laufenden Jahr 2010 ist der Irak. Das Christentum ist seit seinen frühen Anfängen im Irak präsent. Schätzungen zufolge hat sich dort in den letzten Jahren die Zahl von 1,2 Millionen Menschen christlichen Bekenntnisses halbiert. Zusammen mit anderen religiösen Minderheiten sind sie durch die Umtriebe islamistischer Terroristen, durch politische Machtkämpfe und kriminelle Akte in der Ausübung ihres Menschenrechts auf Religionsfreiheit behindert und mittlerweile in ihrer Existenz bedroht. In weiten Teilen des Landes werden sie aus ihren Häusern vertrieben, ihre Kirchen und kirchliche Einrichtungen durch Extremisten und Kriminelle zerstört. Im Ergebnis führt die Flucht von Zehntausenden Christen nach Syrien und Jordanien zu einer existenzbedrohenden Dezimierung der Mitgliederzahlen der Kirchen im Irak.

Für diesen „Tag der bedrängten und verfolgten Christen“, der zukünftig jedes Jahr am Sonntag Reminiszere stattfinden soll, hat die EKD eine Materialhilfe zur Gestaltung der Fürbitte mit Hintergrundinformationen zum Irak erstellt.

Hannover, 27. Januar 2010

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick