Den Menschen eine reformatorische Entdeckung ermöglichen

Johannes Friedrich hält seinen letzten Bericht als Leitender Bischof der VELKD

03. November 2011

Logo der EKD „Das Ziel des Reformationsjubiläums 2017“ müsse es sein, „den Menschen eine reformatorische Entdeckung“ zu ermöglichen. Dafür sprach sich der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof i. R. Dr. Johannes Friedrich (München), in seinem Bericht vor der Generalsynode in Magdeburg aus. Da sich die Reformation „der entschlossenen Rückkehr zum Evangelium“ verdanke, seien für 2017 zwei Richtungen maßgeblich. Es gehe darum, sich selbst „neuerlich zu vergewissern und die Einsichten der Reformation für uns neu zu vertiefen und einer größeren Öffentlichkeit zu präsentierten“. Seit Luther seien Christen mit der „unverwechselbaren Wucht konfrontiert, die sich aus der Gottesbeziehung ergeben kann.“ Der Mensch könne sich von Gott nur ergreifen lassen. Für das Jubiläum gelte daher: „Wenn Reformation stattfindet, weiß man noch nicht, was dabei herauskommt.“

Im Rückblick auf seine Zeit als Catholica-Beauftragter sowie als Leitender Bischof der VELKD wies Friedrich auf die Bedeutung weltweiter ökumenischer Beziehungen hin. „Andere Menschen verstehen den christlichen Glauben deutlich anders als wir. Und auch mit ihnen sollen wir zur Gemeinschaft finden.“ Besonders dankbar sei er dafür, dass die VELKD über den Lutherischen Weltbund (LWB) in das Gespräch der Konfessionsfamilie einbezogen sei. Für das ökumenische Miteinander der evangelischen und katholischen Kirche sei das „gewachsene Vertrauen beständiger, verlässlicher, selbstverständlicher und belastungsfähiger geworden“, so Friedrich. Er widerspreche damit der Auffassung, dass ökumenisch keine großen Fortschritte erzielt worden seien. Vielmehr sei mittlerweile die 3. Bilaterale Arbeitsgruppe (BILAG) zwischen der VELKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eingerichtet worden. Für das engere Zusammenwirken der VELKD und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wie es sich in den zurückliegenden Jahren entwickelt habe, sehe er viele Chancen.

Für den theologischen Ertrag der VELKD, der sich in den Agenden und Publikationen widerspiegele, zeigte sich Friedrich sehr dankbar. Er verwies dazu insbesondere auf den 2010 in 8. Auflage erschienenen Erwachsenenkatechismus sowie auf das ebenfalls in 8. Auflage publizierte Handbuch „Was jeder vom Islam wissen muss“. Er könne sich zudem vorstellen, „vielleicht spätestens bis 2017 einen jugendgemäßen modernen Katechismus zu erarbeiten.“

In Bezug auf die Ordinationsagende sagte Friedrich, dass es mit der Neuausgabe nun gelingen könne, unter anderem der gestiegenen Bedeutung der Arbeit von Prädikanten gerecht zu werden. Die Ausweitung der Berufungsagende geschehe im Sinne des VELKD-Textes „Ordnungsgemäß berufen“, in dem einerseits die Einheit der kirchlichen Berufung gewahrt bleibe, andererseits die besonderen Aufträge zwischen Ordinierten und Nicht-Ordinierten unterschieden blieben. 

Im Blick auf die im Zusammenhang der Bekennenden Kirche 1934 entstandene „Barmer Theologische Erklärung“ sagte Friedrich, dass sie sich als „sachgemäße Aktualisierung der reformatorischen Bekenntnistexte verstehen“ lasse. Er danke dem Theologischen Ausschuss  für die Erarbeitung einer Empfehlung zur lutherischen Interpretation der Barmer Erklärung. Der Mehrwert der Rezeption liege darin, vom Evangelium her Orientierung zu finden, wo man „mit dem fremden Anspruch quasireligiöser Weltanschauungen konfrontiert“ werde.

Einen längeren Abschnitt widmete der Leitende Bischof aktuellen gesellschaftlichen Problemen wie etwa der fortdauernden Finanzkrise. „Das System Geld ist von Menschen geschaffen. Aber das System Geld hat sich aufgebläht, hat sich von den von ihm bezeichneten realen Werten gelöst, hat ein Eigenleben, eine Eigendynamik gewonnen.“ So seien beinahe alle Staaten der nördlichen Halbkugel hoch verschuldet. „Wir wollten noch besser leben, als wir es erwirtschaften konnten. Wir meinen, wir hätten einen Anspruch auf ein Leben in Wohlstand. Das ist aber nicht der Fall.“ Es sei daher geboten, die Grenzen der Machbarkeit anzuerkennen.

Zugleich würdigte Friedrich „in gebotener Zurückhaltung“ die diakonischen Hilfen des Lutherischen Weltbundes (LWB) für Flüchtlinge in Ostafrika, an denen sich auch die VELKD finanziell beteilige. „Insbesondere im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia, in dem derzeit rund 450.000 Menschen leben, bietet die lutherische Weltgemeinschaft konkrete Überlebenshilfe an, die sich an Menschen eigener und anderer Religionen wendet.“ Er sehe darin einen vielfach wenig beachteten internationalen und interreligiösen Beitrag der lutherischen Kirchen.

Der Bericht Friedrichs war der letzte in seiner Funktion als Leitender Bischof der VELKD, die er seit 2005 inne hatte. Er beschloss seinen Rückblick und Ausblick mit den Worten: „Ich danke Gott für alle Gemeinschaft, Bewahrung allen Reichtums. Wir gehen im Vertrauen auf Gott und in Zuversicht in eine Zukunft, die unter Gottes Segen steht.“

Magdeburg/Hannover, 3. November 2011
Dr. Eberhard Blanke
Pressesprecher der VELKD