Christen im Nahen und Mittleren Osten unterstützen

LWB-Präsident Younan hielt Rede vor Generalsynode der VELKD

04. November 2010

Logo der EKD Die „bleibende Notwendigkeit des christlich-jüdischen Dialogs insbesondere in Deutschland“ hat der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Dr. Munib Younan, betont. Dieser Dialog sei „nötig“, nicht nur aufgrund der Geschichte Deutschlands, sondern auch angesichts der gemeinsamen Aufgaben in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts. Die jüdische, muslimische und christliche Gemeinschaft seien als die drei monotheistischen Religionen „in besonderer Weise miteinander verbunden“, sagte Younan in seinem Grußwort vor der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Christen, Juden und Muslime seien Verbündete im Glauben an den einen Gott und in der Liebe zu ihm, die ihren Ausdruck finde in der Liebe zum Nächsten als Ebenbild Gottes. „Uns verbindet das Streben nach den gemeinsamen Werten der Achtung der Menschenrechte, der Förderung der Religionsfreiheit, des Schutzes der Minderheitenrechte, der Überwindung der Armut, der Bewahrung der Schöpfung und vor allem der Schaffung von Gerechtigkeit und Frieden im Nahen und Mittleren Osten. Gemeinsam werden wir unsere Welt in eine Oase der Multikulturalität verwandeln.“ Als palästinensischer Christ, dessen Leben Tag für Tag von Begegnungen mit jüdischen und muslimischen Mitmenschen geprägt sei, könne er nur voll und ganz diesem jüdisch-christlichen Dialog – sowohl auf lokaler wie internationaler Ebene – wie gleichzeitig auch dem muslimisch-christlichen Dialog verpflichtet sein.

In seiner Rede rief Younan zur Unterstützung der Christinnen und Christen im Nahen und Mittleren Osten auf. Die fortdauernde Emigration der christlichen Bevölkerung aus dieser Region, insbesondere jüngerer und gebildeter Bevölkerungsteile, bedrohe die Existenz des Christentums in der Region. Die Gründe lägen in der Last der Besatzung, dem Mangel an Wohnraum und Arbeitsplätzen sowie dem Extremismus auf allen Seiten. Krieg, Konflikt, wirtschaftlicher und politischer Druck wirkten zusammen und drängten die Menschen dazu, die Region zu verlassen, so der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL). Christliche Entscheidungsträger sowie alle Menschen guten Willens müssten Einfluss nehmen auf die politisch Verantwortlichen, damit sie sich für eine Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts und ein Ende der fortdauernden Gewalt und Instabilität im Irak einsetzen. Ein gemeinsames Datum für das Oster- wie auch das Weihnachtsfest sei eine seelsorgerliche Notwendigkeit, insbesondere angesichts der großen Zahl von Ehen zwischen Angehörigen unterschiedlicher christlicher Kirchen und aufgrund des machtvollen Zeugnisses christlicher Einheit in der Region, das damit einhergehe. „Die christliche Bevölkerung im Nahen Osten muss deutlich machen, dass sie darum weiß, dass ihr Schicksal auch das Schicksal ihrer muslimischen und jüdischen Mitmenschen ist, indem sie nämlich nicht nur die christlichen Rechte verteidigt, sondern sich einsetzt für das Gemeinwohl“, hob Younan hervor. „Es ist notwendig, die christlichen Schulen im Nahen und Mittleren Osten zu unterstützen, denn sie vermitteln nicht nur christlichen Kindern Bildung und die Instrumente, die sie für das Überleben in der Region brauchen, sondern sie sind auch der Ort, an dem die Kirche vorrangig unter Beweis stellt, dass sie bereit, willens und in der Lage ist, sich gemeinsam mit der muslimischen Bevölkerung für das Wohl der Gesellschaft einzusetzen, und der Ort, wo christliche und muslimische Kinder lernen, Seite an Seite zu leben und zu arbeiten.“ Die lutherischen Schulen in Palästina leisteten Bildungsarbeit für die gesamte Gesellschaft. In ihnen lernten christliche Kinder unterschiedlicher Konfession und fünfzig Prozent muslimische Kinder das gemeinsame Leben und Arbeiten. Die arabisch-christliche Bildungsarbeit habe im Nahen Osten ein Fundament gelegt, auf dem eine moderne Zivilgesellschaft mit ihren Kernwerten wie Menschenrechten und Frauenrechten, demokratischem Denken und Redefreiheit aufbauen könne.

„Ernste Sorge“ bereite ihm, „dass der Extremismus inzwischen in viele Bereiche der Gesellschaft vordringt und die Kontrolle übernimmt“. Solange im Nahen Osten Unrecht herrsche, werde es schwierig sein, dem Vormarsch eines solchen Extremismus etwas entgegenzusetzen. Solange Israelis und Palästinenser in Furcht, Unsicherheit und Unrecht lebten, werde es am Fortschritt zu Friedensvereinbarungen hin fehlen. „Aus meiner Sicht kann Extremismus nicht anders als mit den Waffen der Bildung und des interreligiösen Dialogs bekämpft werden“, so der LWB-Präsident.

Hannover, 04. November 2010

Udo Hahn
Pressesprecher