Ratsbericht: „Ich singe dir mit Herz und Mund“

Wolfgang Huber vor der 11. Synode der EKD in Ulm

25. Oktober 2009

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat zum letzten Mal in seiner Amtszeit den mündlichen Ratsbericht vor der Synode der EKD eingebracht. Am heutigen Sonntag in Ulm der stellte Huber seinen Bericht unter die Überschrift einer Liedzeile von Paul Gerhardt: „Ich singe dir mit Herz und Mund“ und bilanzierte die vielfältigen Initiativen und Themen des Rates der EKD in den vergangenen sechs Jahren, seit seinem Amtsantritt im Jahre 2003.

Der Ratsvorsitzende hob besonders den Reformprozess hervor, der die evangelische Kirche seit Veröffentlichung des Impulspapiers „Kirche der Freiheit“ durch den Rat der EKD im Jahre 2006 beschäftigt und zog Bilanz: „Die grundlegenden Impulse unseres Reformprozesses haben sich in den letzten Jahren bewährt. Seine Zielsetzungen geben vielen Menschen in unseren Kirchen eine hilfreiche Orientierung. Sie bestätigen die Zielsetzung geistlicher Profilierung statt undeutlicher Aktivität. Sie nehmen die Einladung zur Schwerpunktsetzung statt dem Streben nach Vollständigkeit dankbar auf. Es entwickelt sich der Mut zu beweglicheren Formen statt dem Klammern an vorgegebenen Strukturen. Wir erleben eine verstärkte Außenorientierung statt einer aufs eigene Milieu begrenzten Selbstgenügsamkeit.“

Zum Fortgang des Reformprozesses in der Zukunft sagte Huber: „Was jetzt inhaltlich angestoßen wurde und organisatorisch in Gang gesetzt ist, braucht nun Reifezeit und muss sich bewähren. Wenn der Reformprozess dabei eine Tonlage gewinnt, die dem Gotteslob entspricht, wenn er seinen Platz unter der Überschrift „Ich singe dir mit Herz und Mund“ einnimmt, dann werden der Aufbruch unserer Kirche und die Erneuerung ihres Lebens den Menschen zu Herzen gehen und sie innerlich gewinnen.“

Zum Thema Kirchenbau führte Huber aus, dass die Zahl der genutzten Kirchengebäude in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren entgegen vielfacher Meinungen um mehrere hundert zugenommen habe. Besonders sei dies im Osten Deutschlands der Fall, insgesamt liege die Zahl der durch Baumaßnahmen wieder instandgesetzten Kirchen seit 1990 bei ungefähr 2000 Gebäuden. Schon in diesem „höchst handgreiflichen Sinn“ lasse sich belegen: „Wir sind nicht Kirche im Abbruch, wir sind Kirche im Aufbruch. Zu ihm gehört der Aufbau, der im Bereich der kirchlichen Gebäude möglich war, als entscheidendes Element hinzu. In kaum einem Bereich zeigen sich die positiven Auswirkungen der friedlichen Revolution vor zwanzig Jahren so deutlich wie an den Kirchengebäuden.

Zu den ökumenischen Beziehungen betonte der Ratsvorsitzende: „Evangelische und katholische Kirche stehen in wichtigen theologischen Grundfragen Seite an Seite. Wer nur das Trennende zwischen den beiden großen Konfessionen öffentlich herausstreicht und die Unterschiede zu Konflikten stilisiert, übersieht die fundamentale Tatsache, dass wir gemeinsam auf das eine Wort Gottes hören und es den Menschen zum Heil verkündigen.“

Im Blick auf das Gedenken an die friedliche Revolution in Ostdeutschland vor zwanzig Jahren sagte Huber: „In großer Dankbarkeit feiern wir das Geschenk von Freiheit und Einheit; wir wissen uns denen verbunden, die damals den Geist der Veränderung und die Absage an die Gewalt aus den Kirchen auf die Straßen und Plätze trugen. Allerdings, so Huber weiter, gebe es noch viel zu tun: „Auch zwanzig Jahre nach dem Geschenk einer Einheit in Freiheit, erfüllt das Zusammenwachsen von Ost und West noch nicht die Erwartungen, die die Menschen seinerzeit beflügelten. Auch zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer sind noch immer nahezu zwei Drittel der Ostdeutschen davon überzeugt, dass die Unterschiede zwischen Ost und West größer sind als die Gemeinsamkeiten.“

Schließlich erbat Wolfgang Huber Segen für die Arbeit des nächsten Rates der EKD, der am kommenden Dienstag in Ulm gewählt wird: „Wir erbitten Gottes Segen für die, die in einer nächsten Amtszeit für die Geschicke unserer Kirche eine besondere Verantwortung tragen werden. Gerne geben wir das Begonnene in die Hände derer weiter, denen Sie in den nächsten Tagen die Verantwortung übertragen werden.“

Ulm, 25. Oktober 2009

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

Der Ratsbericht (mündlich und schriftlich) im Wortlaut