Gerhard Ulrich als neuer Leitender Bischof der VELKD offiziell eingeführt

„Die Zukunft der Kirche wird ökumenisch sein“

04. November 2011

Logo der EKD Magdeburg – Im Rahmen der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig/Kiel) als neuer Leitender Bischof der VELKD eingeführt worden. Die Einführung im heutigen Abendgottesdienst in der Kirche St. Gertraud in Magdeburg/Salbke nahm Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel) vor. Bei der Einführungshandlung assistierten der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib A. Younan aus Israel, Bischof Alex G. Malasusa aus Tansania sowie Landesbischof i. R. Dr. Johannes Friedrich (München), der zugleich von seinem Amt als Leitender Bischof der VELKD entpflichtet wurde. Die Amtszeit des Leitenden Bischofs beträgt drei Jahre, eine Wiederwahl ist möglich.

Ulrich betonte in seiner Predigt die „befreiende Wahrheit der reformatorischen Lehre für alle Christenmenschen“. Ulrich weiter: „Reformation ist ein doppelter Ruf nach vorwärts: Nämlich Kirche auf dem Weg hinein in die Heilige Schrift – und Kirche auf dem Weg hinein in die Welt.“ Für beide Bewegungen gehörten Glaube und Verantwortung zusammen. Der Glaube, der sich auf Christus berufe, sei „keine Privatsache, sondern eine öffentliche Angelegenheit“. Der Glaube lasse „sich nicht einsperren zur Pflege des frommen Ich“. Vielmehr habe er den Nächsten im Blick, auch wenn er in anderen Kontinenten lebe.

„Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich ist nicht gottgewolltes Schicksalsgefüge, sondern von Menschen entfachter Irrsinn. Das Recht der Starken gegen die Schwachen ist nicht der Weg des göttlichen Heils, sondern menschlicher Irrweg“, führte Ulrich aus. Es könne den Christen daher nicht gleichgültig sein, „was mit Schwestern und Brüdern auf der Welt geschieht. Was wir hier tun oder lassen, hat Folgen auf der anderen Seite der Welt.“ Die Vereinigte Kirche wisse dies insbesondere aus ihren Beziehungen zu lutherischen Kirchen weltweit. „Die Kirche der Zukunft wird eine ökumenische Kirche sein – oder sie wird gar nicht Kirche sein.“

In seiner Einführungspredigt sprach Friedrich Weber die Verheißung des Reiches Gottes an. „Auf dieses Reich hin wollen wir leben, auf dieses Reich hin wollen wir arbeiten. Und genau von dieser Perspektive her ist auch das Bischofsamt in unserer Kirche zu verstehen.“ Die Kirche habe sich der Sinnsuche der Menschen zu stellen. „Sie ist auch eine Frage, die ihren Ort in der Arbeit eines Bischofs hat.“ Schließlich hätten die Menschen, die sich der Sinnfrage stellten, ein Plus an Verheißung. „Ein Plus, wo doch alle nur vom Minus reden“, so Weber weiter.

Im Weiteren zitierte Weber aus einer Erklärung des Lutherischen Weltbundes (LWB) zum Bischofsamt. Danach zeichne sich das bischöfliche Amt „nicht durch Herrschaft über andere, sondern durch den Dienst aus, der sich derer, die am Rand der Gesellschaft stehen, klar bewusst ist.“ Weber bekräftigte: „Mehr ist nicht zu sagen, Gott segne Deinen Dienst“.

Gerhard Ulrich wuchs in Hamburg-Rahlstedt auf. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er zunächst Germanistik, Theaterwissenschaften und Schauspielkunst bis er 1974 zum Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Hamburg wechselte. Nach Pfarrstellen in Barsbüttel und Hamburg-Wellingsbüttel war er als Mentor in der Vikariatsausbildung tätig. 1991 wurde er Direktor des Prediger- und Studienseminars in Preetz, fünf Jahre später Propst des Kirchenkreises Angeln. Seit 2008 ist Ulrich Bischof für den Sprengel Schleswig und Holstein der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (NEK) und seit 2009 Vorsitzender der Kirchenleitung der NEK und Vorsitzender der gemeinsamen Kirchenleitung der drei Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern, die sich 2013 zur Nordkirche zusammenschließen werden. Für die Aufgaben im Sprengel Schleswig und Holstein vertritt ihn derzeit Pastor Gothart Magaard als Bischofsbevollmächtigter. Ulrich ist verheiratet und Vater von vier Söhnen.

Magdeburg/Hannover, 04. November 2011

Eberhard Blanke
Pressesprecher der VELKD