Britta Konz erhält Hanna-Jursch-Preis

Preisverleihung mit Landesbischof Kähler in Jena

13. Dezember 2005

Mit einem Festakt in der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Dienstag, 13. Dezember, zum dritten Mal den Hanna-Jursch-Preis verliehen. Die Oldenburger Theologin Britta Konz erhielt den mit 5000 Euro dotierten Preis für ihre Dissertation über die jüdische Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim. Die Jury habe aus einer großen Anzahl bemerkenswert guter Arbeiten auswählen können, so der stellvertretende Vorsitzende des Rates der EKD und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, Christoph Kähler, in seiner Festrede. Britta Konz, deren Dissertation einstimmig für den Preis ausgewählt wurde, lege eindrucksvoll die Situation bürgerlicher Frauen im 19. Jahrhundert dar und wie sie sich aus der ihnen auferlegten gesellschaftlichen Enge zu befreien suchten. Ihre Arbeit zeige eine Facette unterschiedlicher Qualitäten, würdigte die Vorsitzende der Jury, die Paderborner Theologie-Professorin Helga Kuhlmann. Sie biete ein herausragendes, überzeugendes und stimmiges Gesamtbild der jüdischen Pionierin der Frauensozialarbeit.

Die Preisträgerin erklärte in ihrer Dankesrede, die Auszeichnung durch den Hanna-Jursch-Preis der EKD sei für sie ein Zeichen dafür, dass „feministische Theologie kein zu vernachlässigendes Randgebiet der Forschung, sondern integraler Bestandteil der Theologie insgesamt ist, diese bereichert und weiterführt.“ Zudem sei die Würdigung ihrer Arbeit ein Hinweis auf die unverminderte Bedeutung des jüdisch-christlichen Dialoges. Sie hoffe, dass ihrer Arbeit noch viele weitere Untersuchungen über jüdische und christliche Frauen folgen mögen.

„Man soll nur die Bücher schreiben, an deren Nichtvorhandensein man leidet“, zitierte Britta Konz in ihrer Dankesrede die russische Dichterin Marina Zwetajewa. Sie habe es als Mangel empfunden, dass die konfessionell-religiöse Frauenbewegung in der Forschung nur am Rande behandelt und meist als konservativ klassifiziert worden sei. Religion und Religiosität seien als „ein zu vernachlässigendes Phänomen“ behandelt worden, obwohl man bei der damaligen Frauenbewegung „an allen Orten und in allen Richtungen“ auf die Verwendung religiöser Symbole stoße. Wie gingen die Frauen damit um, dass die ungerechte Geschlechterordnung mit Bibelstellen legitimiert wurde, habe sie sich gefragt.

Die noch immer virulente These der Modernetheorie, dass Religion tendenziell antimodern sei, widerlege die Arbeit von Britta Konz grundlegend, betonte Helga Kuhlmann in ihrer Laudatio. Verschiedene Frauen der jüdischen Frauenbewegung verstanden sich als modern, ohne ihre Religionsbindung aufgeben zu können oder zu wollen. „Dies äußerte sich darin, dass sie die Quellen ihrer Tradition auf das befreiende Potential der Gleichstellung von Frauen untersuchten und diese Entdeckungen dann im Rahmen jüdisch-theologischen Denkens interpretierten.“

Insgesamt dokumentiere die Arbeit, dass ohne theologische Perspektiven eine Biographie oftmals unvollständig bleibe und sozialpolitisches Engagement nur unzureichend erschlossen werden könne, so Helga Kuhlmann. Zugleich zeige sie, dass die Fokussierung auf Themen der Geschlechterdifferenz keine Abkoppelung von allgemeinen theologischen und historischen Fragen bedeute. Durch den „genauen Blick auf die spezifischen Lebensbedingungen von Frauen“ könne ein angemesseneres Verständnis komplexer historischer Zusammenhänge gewonnen werden.

Der thüringische Landesbischof Christoph Kähler, der für den Rat der EKD den Preis überreichte, berichtete von einer ganz persönlichen Verbundenheit mit der Auszeichnung. So finde sich in seinem Studienbuch der Universität Jena auch eine Unterschrift der Kirchenhistorikerin Hanna Jursch, die damit den „ordnungsgemäßen Besuch ihrer Veranstaltungen“ beglaubigt habe. Indem der Preis nun zum zweiten Mal in Jena verliehen werde, „etablieren wir die Übung, regelmäßig an den Wirkungsort der ersten Theologieprofessorin Deutschlands und Namengeberin des Preises zurückzukommen.“

Der mit 5000 Euro dotierte Hanna-Jursch-Preis wird alle zwei Jahre vom Rat der EKD zur Förderung herausragender wissenschaftlich-theologischer Arbeiten aus der Perspektive von Frauen vergeben. Die Arbeit von Britta Konz ist im Oktober unter dem Titel "Bertha Pappenheim. Ein Leben für jüdische Tradition und weibliche Emanzipation" im Campus Verlag erschienen.

Hannover, 13. Dezember 2005

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Hinweis: Zur Verleihung des diesjährigen Hanna-Jursch-Preises ist eine epd-Dokumentation erschienen, die auch die Festrede von Landesbischof Christoph Kähler, die Laudation von Professorin Helga Kuhlmann und die Dankesrede von Britta Konz enthält. Sie ist zum Preis von 4,10 Euro zzgl. Versandkosten zu beziehen unter Tel.: 069-58098 189 oder Fax: 069-58098226; E-Mail: vertrieb@epd.de

Weitere Informationen zum "Hanna-Jursch-Preis" der EKD

Festrede anlässlich der Verleihung des Hanna-Jursch-Preises in Jena

Laudatio der Jury-Vorsitzenden zur Vergabe des Hanna-Jursch-Preises

Danksagung der Preisträgerin des Hanna-Jursch-Preises



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