Predigten und Weihnachtsbotschaften der Leitenden Geistlichen

Zusammengestellt wurden Zusammenfassungen der Weihnachtspredigten und Weihnachtsbotschaften des Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Wolfgang Huber, des stellvertretenden Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Christoph Kähler, weiterer Ratsmitglieder und Leitender Geistlicher in der EKD, soweit sie bei der Pressestelle der EKD eingegangen sind.

Bischof Wolfgang Huber
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Nicht beim Nein des Widerspruchs bleiben

„Wir bleiben nicht stehen beim Nein des Widerspruchs. Wir sagen ja zum Leben, das uns in diesem Kind neu entgegentritt.“ Weihnachten sei die Botschaft, die zeige, dass ein neuer Anfang gelinge, erläutert der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Wolfgang Huber, in den Christvespern am Heiligabend im Berliner Dom und in der Marienkirche (Berlin). An der Krippe in Bethlehem finden die „von Katastrophen heimgesuchten, die von Gewalt Geängstigten, die vom sozialen Abstieg Bedrohten“ ihren Ort. Gott zeige sein wahres Gesicht in diesem Kind.

Huber erinnert in seiner Predigt an die Nachrichten des zu Ende gehenden Jahres: Der Tsunami-Katastrophe zum Jahresende 2004 sei die Woge der Solidarität gefolgt. Allen Terroranschlägen und Gewalttaten in London, im Nahen Osten oder im Irak „im Namen der Würde, des Lebens und der Freiheit, die jeder menschlichen Person im gleichen Maß zukommen“, zu widersprechen. Alle Menschen, „von deren Arbeitsplätzen es gerade in diesen Tagen wieder heißt, sie stünden einer Steigerung der Rendite im Wege“, gelte die Hoffnung, „dass Menschen, die zur Solidarität bei großen Katastrophen bereit sind, solche Solidarität auch bei den kleineren Katastrophen aufbringen.“ Der Ratsvorsitzende forderte alle Menschen in wirtschaftlicher Verantwortung auf, ihr Handeln nicht nur von der Treue zu dem ihnen anvertrauten Kapital, sondern auch zu den ihnen anvertrauten Menschen bestimmen zu lassen.

Wolfgang Huber nahm den Gedanken des Propheten Jesaja auf, der 700 Jahre vor der Geburt in Bethlehem ankündigte, dass das Volk, das im Finstern wandelt, ein großes Licht sehen werde: Zu diesem Volk „gehören wir auf die eine oder die andere Weise alle. Zu ihm gehören die Glücklichen genauso wie die Verzagten, die Erfolgreichen genauso wie die Gedemütigten, die Gesunden wie die Geplagten.“ Im Kreis derer, die an der Krippe ihren Platz haben, der Engel und der Hirten, der Bekannten und der Unbekannten könnten alle einstimmen in das Ja zum Leben, denn es sei auch wahr: „Menschen erfahren Hilfe und werden gerettet; Entführte werden wieder frei; ein neuer Anfang gelingt.“ So gehe das Licht der Weihnacht auf und deshalb entzündeten die Menschen an Weihnachten Lichter: „Wir werden bereit für diese geheimnisvollste Zeit des Jahres. Wir erleben, was wir einander wünschen: gesegnete Weihnachten.“

 
Landesbischof Christoph Kähler
Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen
Stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

„Unter uns - Hirten werden Engel“

„Die Weihnachtsgeschichte erzählt von Engeln. Wie haben wir uns diese Engel vorzustellen? Wie Kinder, klein und pausbäckig? Als Knaben mit langen Haaren? Junge Frauen vielleicht? Für alles bieten uns Kunst und Kitsch Beispiele in Mengen. In diesem Jahr habe ich in der Weihnachtsgeschichte ganz unscheinbare Engel entdeckt: Die Hirten. Sie sind draußen auf dem Feld – so erzählt es das Lukasevangelium – als ein Engel kommt und den Weg zum Stall von Bethlehem weist. „Fürchtet euch nicht!“, sagt der Engel. Und tatsächlich fassen sie sich ein Herz und gehen, das Kind in der Krippe anzuschauen. Schon auf dem Heimweg werden sie selbst zu Engeln, zu Boten. Sie erzählen, dass sie Gott in einem Mensch gesehen haben.

„Du bist ein Engel, Dich schickt der Himmel“, so sagen wir, wenn uns jemand geholfen hat. Dabei wird man nicht zum Engel geboren. Die Aufgabe, Engel zu sein, ist jedem zuzutrauen – auch Landarbeitern und Schäfern. Die Weihnachtsgeschichte stellt die Hirten auf die Bühne des Weltgeschehens. So im Licht stehen sie sonst nicht. Aber die Letzten sollen die Ersten sein. Dieses Bibelwort kennen wir alle. Wo Gott zur Welt kommt, bleibt nichts, wie es war: Der Friedenskönig wird in einem Stall geboren, nicht in einem Palast. Und: Hirten werden zu Engeln. Das ist es, was an der Weihnachtsgeschichte kein Ende hat. Bis heute bewegt diese Botschaft die Welt von unten nach oben.

Engel tragen Arbeitskleidung, keine weißen Gewänder. Es gibt Menschen, die haben den ganzen Tag in einem Büro gesessen und setzen sich abends an das Bett eines Sterbenden. Die Hand, die tagsüber einen Kuli gehalten hat, hält dann ein ganzes Leben an der Hand. Es gäbe keine Hospize in Deutschland, gäbe es nicht diese Engel. Sie helfen den Herzen auf zu einem letzten Flügelschlag. Es gibt Menschen, die schleppen die ganze Woche eine Werkzeugkiste von Baustelle zu Baustelle. Und am Wochenende trainieren sie mit ihrem Hund, Vermisste zu finden. Wenn sie gerufen, angerufen werden, stehen sie auf und gehen an die Arbeit. Zur Engelarbeit. Es gibt Menschen, die abends, wenn die Kinder im Bett liegen, Briefe an Regie­rende schreiben: „Hört auf zu foltern und zu töten. Vor Gott ist jeder würdig zu leben.“ Es sind Engel, die Guantanamo nicht hinnehmen wollen, die syrischen Folterkeller nicht und nicht die im Irak. Es gibt Menschen, die gehen einer Arbeit nach, manche haben auch gar keine, und am Nachmittag stehen sie in einem Weltladen und reichen fair gehandelten Kaffee über die Theke. So reicht es den Kaffeebauern in Brasilien oder Tansania hoffentlich zum Leben. Ohne diese Engel hätte in Deutschland kein einziger Weltladen aufgemacht.

Es gibt Menschen, die mit Menschen arbeiten und nicht nur ihren Job machen. Dann lächeln Engel und in den Gesichtern steht geschrieben: Fürchte dich nicht! Es gibt viele solche Menschen. Gott sei Dank! - Ich wünsche Ihnen allen ein Weihnachten, das lange anhält und sie hin und wieder die verborgenen Flügelschläge der Botschafter Gottes spüren lässt.“


Landesbischof Johannes Friedrich
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Die Frohe Botschaft verkünden

„Hat Weihnachten irgendeine Auswirkung auf unser Leben?“ fragt der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich in seiner Predigt in St. Matthäus in München am 1. Weihnachtstag. „Und hat die Geburt Jesu etwas zu tun mit unserer Verantwortung für diese Welt?“ Eindeutig ja, so der Landesbischof, denn im Bibeltext 1. Joh. 3, 1-6, werden die Menschen verbindlich angesprochen, sich als Gottes Kinder zu verstehen. Das bedeute, sich miteinander auszusöhnen, Mauern niederzureißen, wie sie zwischen arm und reich, zwischen Menschen, oft leider auch im wörtlichen Sinne wie etwa im heutigen Bethlehem, bestünden. „Wo ist die Bruderliebe, wenn in unserem reichen Deutschland Kinder zum Armutsrisiko werden können?“ mahnt der Landesbischof. Die Kollekte des Gottesdienstes sei deshalb auch für evangelische Schulen bestimmt, denn Bildung und Ausbildung erhöhten die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen. Bruderliebe bedeute aber auch, ehrlich miteinander umzugehen und nicht zum Beispiel hinter dem Rücken eines Betroffenen zu agieren. Der Predigttext mache hier Mut, denn durch die Feier der Geburt des Gottessohnes  würden die Menschen daran erinnert, „dass wir eines Tages bei ihm sein werden als Gleiche unter Gleichen“. Und die Weihnachtspredigt endet mit der fröhlichen Gewissheit: „Darum: Seht schon heute, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat!“


Präses Nikolaus Schneider
Evangelische Kirche im Rheinland
Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Frieden und Gerechtigkeit statt Folter, Ausbeutung und antiisraelische Hetztiraden

Weihnachten feiert die Christenheit, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Das Kind in der Krippe, so Präses Nikolaus Schneider, sei „der Lichtpunkt Gottes in der Finsternis von Depression, Verzweiflung und Resignation“*. In der frohen Botschaft, dass Gott den Menschen nahe gekommen ist und ihnen nahe bleibt, liege auch die Kraft für Neuanfänge, Frieden und Gerechtigkeit, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Deutlich wendet sich der oberste Repräsentant der mit knapp drei Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland gegen Folter, Ausbeutung und die antiisraelischen Hetztiraden des iranischen Präsidenten. In Anlehnung an einen Text des kürzlich verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch formuliert Schneider in seiner Predigt:

„Stellen wir doch endlich die Meinungen ein, dass Gewalt nur durch Gewalt zu besiegen sei! Beschämen und begrenzen wir kriegslüsterne Politiker, die zudem noch Unsummen von Geld für Rüstung und Krieg ausgeben. Vor allem - verweigern wir ihnen die Wahl!

Stellen wir doch die menschenverachtende Meinung ein, dass Folterungen zu unserer Sicherheit nötig und für unsere Sicherheit zu rechtfertigen seien! Weigern wir uns, den Rückfall in die Barbarei der Folter zu akzeptieren. Der Abgott Sicherheit rechtfertigt nicht jedes Mittel, auch die Zusammenarbeit mit Folterern ist barbarisch.

Stellen wir doch die menschenzerstörende Meinung ein, dass Arbeitsplätze zu vernichten sind, um den schon vorhandenen Gewinn noch zu steigern! Unternehmen brauchen Gewinne, keine Frage – aber Wohlstand für alle ist ebenso notwendig.

Stellen wir doch die Meinung ein, die Hetztiraden des iranischen Ministerpräsidenten müssten lediglich verbal zurückgewiesen werden. Gerade auf deutschem Boden die Nationalmannschaft des Iran, der Israel die Vernichtung androht, bei der Fußballweltmeisterschaft zu empfangen, scheint mir unerträglich zu sein. (...)

Lasst uns mit Zuversicht, Geduld und Freundlichkeit nach Frieden, nach Recht und Gerechtigkeit suchen, Neuanfänge wagen und Lichtpunkte in die Finsternis setzen!“


Landesbischof Ulrich Fischer
Evangelische Landeskirche in Baden
Vorsitzender der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK)

Gott bekommt einen Namen

„Gott, der Unnennbare, der Unverfügbare, der unserem Zugriff Entzogene – er bekommt an Weihnachten einen Namen: Jesus“, so der badische Landsbischof, Ulrich Fischer, in seiner Weihnachtspredigt am ersten Feiertag in der Karlsruher Stadtkirche. Gott werde mit dem Geschehen von Weihnachten identifizierbar und auch verletzlich, so Fischer.

Der Landesbischof deutete in seiner Weihnachtspredigt Abschnitte aus der Weihnachtskantate von Johann Sebastian Bach, in der Bach der Namensgebung Jesu einen breiten Platz einräumt. „Es geht bei dieser Namensnennung um uns, um unser zeitliches und ewiges Heil, um Gottes weihnachtliches Ja zu uns“, so der Bischof. Im Namen „Jesus“ gebe Gott Antwort auf die menschlichen Fragen.

Bischof Fischer: „Die Menschwerdung Gottes in Jesus ist die Antwort auf unser menschliches Rufen. Wir wissen, dass wir die Wahrheit unseres Lebens nicht in uns selbst finden, wir müssen hören auf das Echo Gottes. Jesus ist Gottes Ja zu uns, durch das aller Schrecken vertrieben wird, auch die Furcht vor dem Sterben. Jesus ist das letzte Ja auf die Fragen unseres Lebens. Wir selbst können uns dieses letzte Ja nicht selbst sagen.“
Der Name „Jesus“ sei ein Name von besonderer Bedeutung. Er bedeutet wörtlich „Gott schafft Heil“. „Der Name Jesus ist also ein Rettername, ein Name, in dem alles Heil der Welt beschlossen ist. Der Name sagt etwas aus über seinen Träger und seine Sendung.“ Daher sei auch der Name eines Menschen von hoher Bedeutung, betonte der Bischof. „Die Erinnerung an einen Namen macht die erinnerte Person bedeutsam. Deshalb ist es auch so wichtig, an Grabstätten die Namen der Verstorbenen sichtbar zu machen. Mit der Erinnerung an ihre Namen bleiben die Menschen aufbewahrt in der Erinnerung der Nachgeborenen. In unserem Namen drückt sich unser Ich aus, dieses einmalige Ich, ausgestattet mit einer unverlierbaren Würde.“


Bischof Hans-Jürgen Abromeit
Pommersche Evangelische Kirche

Verzagtheit und Pessimismus helfen nicht weiter

„Mit Gottvertrauen wächst auch die Zuversicht“, heißt es in der Weihnachtsbotschaft des Bischofs der Pommerschen Evangelischen Kirche, Hans-Jürgen Abromeit. Auch angesichts der für viele nicht einfachen wirtschaftlichen Lage, ruft er die Menschen in Vorpommern auf, sich nicht entmutigen zu lassen: „Der Glaube an Jesus Christus gibt uns keine einfache Antwort auf die damit verbundenen Fragen. Er hilft nicht aus der wirtschaftlichen Misere. Aber wir können Trost, Mut und Hoffnung finden. Er kann uns vor dem Verzweifeln bewahren ... Uns ist diese Region anvertraut. Hier leben viele wunderbare und qualifizierte Menschen, die mitgestalten und ihre Arbeitskraft einsetzen wollen. Das ist nicht leicht. Viele glauben nicht mehr an ihre Chance dabei. Aber Verzagtheit und Pessimismus helfen nicht weiter. Wer dies im Licht der Weihnacht sieht, der kann verborgene Kräfte entdecken. Das Kind in der Krippe erzählt davon, dass Gott in den Schwachen mächtig ist.

Abromeit weist auch auf die Situation in Israel und Palästina hin. „Bei einem Besuch in Bethlehem im letztem Monat habe ich es selbst gesehen: Das Leben der Menschen in den so entstehenden Enklaven und Gettos ist schwer. So liegt die Arbeitslosigkeit in Bethlehem bei über 70 Prozent ... Es wird nicht einfach sein, unter solchen Bedingungen Weihnachten zu feiern.“

Der Bischof erinnert in seiner Weihnachtsbotschaft aber auch den Frieden in den Familien. „Zwischenmenschlich ist es ähnlich wie in der großen Politik. Ohne Frieden in den Familien, zwischen den Paaren und Generationen gibt es kein zufriedenes Leben.
Weihnachten erinnert uns an diesen Frieden. Die Weihnachtsbotschaft will unsere Welt dahin verändern. Und sie gilt allen. Sie richtet sich nicht nur an glaubende Menschen. Diese Botschaft ist nicht nur für christliche Ohren bestimmt. „Frieden auf Erden“ erscheint wie der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns alle einigen könnten. Aber täuschen wir uns nicht, es ist eine große Aufgabe, dem Frieden in der Welt, aber auch im Herz jedes Einzelnen näher zu kommen.


Kirchenpräsident Helge Klassohn
Evangelische Landeskirche Anhalts

„Der Glaube steht gegen die Einsamkeit“

In seinem Weihnachtswort hat der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts Helge Klassohn auf die Bedeutung des christlichen Glaubens angesichts zunehmender Vereinsamung in unserer Gesellschaft hingewiesen. „Dieser Glaube“, sagt Klassohn, „steht gegen die Not der Einsamkeit und stiftet Begegnung und Gemeinschaft. Gott lässt keinen einsam sein – weder Nacht noch Tag.“

Die Vereinsamung und Verlassenheit vieler Menschen, so der Kirchenpräsident, trete in den Weihnachtstagen in besonderem Maße hervor. Ursache dessen seien etwa die abnehmende Bindungskraft der Kirchen, die Anonymität in den Städten und das Konkurrenzdenken im marktwirtschaftlichen System. Die Unfähigkeit, dauerhafte und tragfähige Beziehungen beispielsweise in Ehe und Partnerschaft einzugehen, scheine zuzunehmen. „Und wenn Hunger, Armut und Obdachlosigkeit eine wachsende Herausforderung in unserer Gesellschaft darstellen, so gibt es eben auch die ‚soziale Obdachlosigkeit’ von Menschen“, betont der Kirchenpräsident.

Viele Weihnachtserzählungen, sagt Klassohn, handelten jedoch gerade von überwundener Einsamkeit und neuer Gemeinschaft im Namen Jesu Christi. „Auch die alten Weihnachtslieder geben davon Zeugnis, wenn sie vom ‚einsam wachenden, hochheiligen Paar’ mit dem hilflosen Kind in der Krippe erzählen. Und zu sozial ausgegrenzten Hirten kommen die Gottesboten mit der frohen Botschaft: ‚Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.’ Diese wunderbare Geschichte von der Christusgeburt stärkt die Bereitschaft, menschlich und barmherzig zu sein, in unseren Herzen.“

Kirchenpräsident Helge Klassohn hebt hervor: „Möge es in unseren Christvespern, in den Weihnachtsfestgottesdiensten und auch am Silvesterabend deutlich werden, dass Gott uns in Jesus Christus gnädig und menschlich begegnet. Im Gebet, in der Feier des Gottesdienstes und der heiligen Sakramente können wir ihm nahe sein und zur Begegnung mit unseren Mitmenschen gestärkt und ermutigt werden.“


Bischof Axel Noack
Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

„Es lohnt sich, wieder aufzustehen, trotz mancher Rückschläge“

In seinem diesjährigen Weihnachtswort erinnert der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack, an die soziale Dimension der Geburt Jesu. „Wir hören die Weihnachtsbotschaft nur dann recht, wenn sie eine ‚Kultur der Bejahung’ fördert und freisetzt“, sagt Axel Noack. „Solche ‚Kultur’ äußert sich in der Freude am Leben, in der Hinwendung zu denen, denen das Leben schwer fällt, und in dem Protest gegen alles, was das Leben gering achtet, bedroht oder behindert. In den Menschen um uns her, in unseren ‚Nächsten’, wird Gott geehrt oder auch gekränkt und beleidigt.“

Außerdem verweist der Magdeburger Bischof im Weihnachtswort 2005 darauf, dass nach christlichem Verständnis die Erde trotz der Kriege, Hunger- oder Naturkatastrophen keine gottverlassene Gegend sei. Mit Blick auf den „Herrnhuter Stern“, einem Lichtkörper, der derzeit in vielen Kirchen und Haushalten an den „Stern von Bethlehem“ erinnert, sagt Axel Noack: „Es ist der Morgenstern schon am Himmel zu sehen. Er macht die Erde noch nicht hell, aber er gibt schon deutliche Orientierung. Der Tag kommt, es lohnt sich also, wieder aufzustehen mit neuem Mut und mit neuer Zuversicht – trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen.“


Präses Alfred Buß
Evangelische Kirche von Westfalen

Die Zeit hält inne – aus einem Beitrag für die Ruhr-Nachrichten (Dortmund)

Der Präses der westfälischen Kirche, Alfred Buß, schreibt unter anderem in einem Beitrag für die Weihnachtsausgabe der Zeitung „Ruhr-Nachrichten“, die in Dortmund erscheint:

„Alles hat seine Zeit. Ein fester Rhythmus gehört zum Leben. Es tut gut, mit festen Zeiten zu leben. Sie schenken Ruhe zum Aufatmen. Sie geben der Seele Raum zum Innehalten und Entspannen. Aber der eigentlich zur Stille einladende Advent ist doch voller Trubel. Das ist wohl eine Erfahrung, gegen die kaum anzukommen ist. In den Geschäften geht ohne Weihnachtsartikel ab Anfang Oktober nichts mehr. Unser Gefühl sagt: es passt nicht. Weihnachten ist noch nicht an der Zeit. Zunächst braucht noch der graue November Raum in uns. Wir brauchen noch Zeit für Tote und Trauernde. Ein fester Rhythmus hilft uns, im Takt zu bleiben. Alles hat seine Zeit. Advent ist im Dezember. Dann kommt der 1. Advent. Doch die Zeit beginnt uns wegzulaufen. Obwohl wir doch gern mehr Zeit hätten, geraten wir in Hektik. Das Fest ereilt uns. Schon ist es da.

Euch ist heute der Heiland geboren. Nicht gestern, nicht morgen, heute!
Heute. Für kurze Zeit lässt die Welt ein anderes Zeitmaß gelten: die Weihnachtszeit. Sie zieht in die Häuser, ins öffentliche Leben, in die Politik und lässt sogar die Börse stille stehen.
Die Zeit hält inne, weil Ewigkeit die Zeit berührt. Zeit ist erfüllt. Gott wird Kind. Alle Zeit steht in Gottes Händen. Wir werden heilsam unterbrochen.

Mit der innehaltenden Zeit empfinden wir zu Weihnachten schärfer als sonst den Widerspruch von Licht und Todesschatten. Ausgrenzung, Krieg, Folter, Gewalt oder Ausbeutung werden noch hässlicher in diesem Licht. Im Licht der Weihnacht wird klar: Ein bisschen foltern geht nicht. Auch nicht in fernen Ländern. Erst recht nicht im Namen der Freiheit. Weihnachten strahlt Fülle aus von Licht, Klarheit, Frieden, Leben.

Zu Weihnachten scheint auf, was den Hirten widerfuhr. Plötzlich war ihr Leben umfangen von göttlichem Licht. Und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie. Es kann schrecklich sein, wenn plötzlich alles klar wird. Auch die Widersprüche und dunklen Seiten des Lebens hell ausgeleuchtet: Und sie fürchteten sich sehr. Wie viele spüren gerade zu Weihnachten schmerzlich den Riss in sich selber! Mehr Menschen als sonst suchen an diesen Tagen verzweifelt die Nacht, um der Finsternis zu entkommen und legen Hand an sich selbst.

Die Hirten erstarrten nicht in der Furcht. Sie nahmen die Engelsbotschaft vom Kind in der Krippe mit Freuden an: Euch ist heute der Heiland geboren. Nicht gestern. Nicht morgen. Heute! Sie gingen los. Und wurden überwältigt von Licht und Leben. Der Stall nicht verriegelt; die Tür zum Leben aufgetan, aufgeschlossen die Zukunft aus Gott. Gott wird Kind. Das ist geschehen, damit wir nie mehr aus dem Leben vertrieben werden. Alle Zeit steht in Gottes Händen: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht endlos sein.“


Kirchenpräsident Peter Steinacker
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

„Am Weihnachtsfest werden wir von Gott beschenkt“

Der Kirchenpräsident von Hessen-Nassau, Peter Steinacker, hat in dem Ort Schwarz im Kreis Alsfeld die Christvesper am Heiligen Abend gehalten und dabei im Krippenspiel mitgespielt. Erstmals hat damit ein Kirchenpräsident in der EKHN bei einem Krippenspiel mitgewirkt. Das Stück, dass in der Gemeinde entwickelt worden ist, schlug eine Verbindung von der besonders schwierigen sozialen Lage in den ländlichen Regionen zu den Ereignissen der biblischen Weihnachtsgeschichte in Bethlehem.

Steinacker wies in seiner Predigt darauf hin, dass viele Menschen derzeit unter einem hohen Duck stünden. Die Arbeitslosigkeit bedrücke nicht nur die direkt Betroffenen und ihre Familien sondern auch die, die für ihren Arbeitsplatz einen immer höheren Einsatz bringen müssten. In der Adventszeit und an Weihnachtsfest werde besonders schmerzlich deutlich, wie sehr sie damit auch den Familien fehlten. Steinacker wandte sich gegen den zusätzlichen Druck der Advents- und Weihnachtszeit. Dagegen betonte er: „Nach christlicher Tradition werden wir von Gott am Weihnachtsfest beschenkt. Nur deshalb schenken wir etwas, weil wir die Gabe Gottes nicht für uns behalten wollen. Gott schenkt uns seine Nähe und Solidarität, indem er seinen Sohn Jesus Christus Mensch werden ließ.“

Am Weihnachtsfest gebe es vieles, was ablenke. Steinacker zeigte sich aber zuversichtlich, dass in Zukunft immer mehr Menschen offen sind für die geistliche Tiefendimension des Weihnachtsfestes, für die Botschaft der Engel: Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren. Wörtlich sagte Steinacker dazu: „Das Wesentliche setzt sich durch.“


Landesbischof Frank Otfried July
Evangelische Landeskirche in Württemberg

"Niemand unter uns ist gottverlassen"

Nicht allein und verlassen, sondern mit dem Geleit Gottes gehen die Menschen ins neue Jahr, so Landesbischof Frank Otfried July in seiner Neujahrsbotschaft. „Gottes Dasein und seine Begleitung sind die Überschrift des Jahres und jedes einzelnen Tages“, so July. Dies gelte unabhängig von den Ereignissen im persönlichen Leben wie in der Welt. „Niemand unter uns und auch nicht unser blauer Planet Erde ist gottverlassen“, sagte der Landesbischof. Er forderte dazu auf, gerade im neuen Jahr Herz und Sinne dafür zu öffnen.

Wer nicht in der Angststarre verharre, sondern Gott vertraue, lasse sich in Bewegung bringen. July weiter: „Unser Land braucht Menschen, die sich auf den Weg zum Nächsten machen.“

Landesbischof Jochen Bohl
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“

„An diesem Festtag des Friedens wollen und werden wir nicht diejenigen vergessen, die in unserer Mitte von Dunkelheit umgeben sind“, hat der sächsische Landesbischof, Jochen Bohl, in seiner Predigt am Heiligabend in der Dresdner Frauenkirche ausgeführt. Gott erwarte, dass Christen sich den Schwachen zuwenden, da er selbst in äußerster Schwäche in die Welt gekommen sei.

Jochen Bohl führte in seiner Predigt beim ersten Weihnachtsfest in der wieder aufgebauten Dresdner Frauenkirche aus, wo das Dunkel heutzutage die Welt beherrsche (wörtliche Passage): „Wir erschrecken vor den Untaten eines blutigen Terrorismus und dem Wahn, der ihn treibt. Wir haben in unserem Land allzu viele von einer guten Entwicklung der Gesellschaft ausgeschlossen; nach zahllosen Enttäuschungen sind sie ohne Zuversicht, eine Arbeit zu finden. An diesen Weihnachtstagen fürchten sich Tausende vor dem drohenden Verlust ihres Arbeitsplatzes, und hören zugleich von großen Gewinnen, zu denen auch sie mit ihrer Arbeitskraft beigetragen haben. Das Ziel jeden Wirtschaftens ist aber nicht die maßlose Steigerung des Einkommens weniger, sondern dass alle Menschen ihren Lebensunterhalt erarbeiten können und mit ihren Kräften, Gaben und Fähigkeiten etwas beitragen können für eine Zukunft in Gerechtigkeit. Wir machen es den Jungen viel zu schwer, ihren Platz zu finden im Leben der Gesellschaft und drängen die Älteren unsinnig früh an den Rand. Wir gehen in die Irre, wenn wir meinen, es könne eine gute Zukunft geben ohne Kinder.“

Dagegen werde an Weihnachten deutlich, was Gott mit seiner Welt wolle (wörtliche Passage): „Die Weihnachtsbotschaft ist ein strahlendes, helles Licht in dieser Welt. Sie leuchtet klar, und jeder Mensch versteht sie: Fürchtet euch nicht, Friede sei mit Euch, das ist die Botschaft der Engel in Bethlehem. Zu dem Frieden, den Gott schenken will, sind wir  berufen; und wir werden zu Friedensboten, wo wir einander mit seinen Augen ansehen. Dann werden wir uns als Schwestern und Brüder erkennen, die sich zum Leben helfen und einander die Lasten des Lebens tragen. An diesem Festtag des Friedens wollen und werden wir nicht diejenigen vergessen, die in unserer Mitte von Dunkelheit umgeben sind. Gott will, dass wir uns den Schwachen zuwenden; er selbst ist ja in äußerster Schwäche in die Welt gekommen. Gott will, dass wir uns gegen den Hass in der Welt stellen und einander die Hand zur Versöhnung reichen. Der Tag der Geburt des Gotteskindes mahnt alle Völker, nicht auf die Stärke der Waffen oder der Machtmittel zu setzen, sondern zu vertrauen auf die Kraft, die der Bereitschaft zur Versöhnung innewohnt. An diesem Ort mit seiner Geschichte von Finsternis und strahlendem Licht hören wir die Weihnachtsbotschaft. Sie ruft zum Frieden, zur Versöhnung. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Versammelt in der Frauenkirche, wissen wir, was gemeint ist. Dankbar sehen wir auf die Geburt Jesu Christi, und erkennen den Willen Gottes für uns: es soll Friede sein; und wir Friedensboten!“


Bischöfin Maria Jepsen
Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche

Teufelskreis wird durchbrochen

An Weihnachten werde der Teufelskreis von Schuld und Not durchbrochen, hat die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen in ihrer Predigt in der Christvesper an Heiligabend in der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg festgestellt. Es gebe mit der Geburt Christi einen Neuanfang für alle, auch für die, die verzweifelt und elend sind. Advent und Weihnachten lehrten die Menschen aufs Neue, dass Gott den Menschen zugute Mensch geworden sei.

Die Bischöfin wörtlich: „Gott ist nicht der ferne Weltenlenker, der distanziert auf die Menschenkinder guckt. Gott durchbricht die Metaphysik und macht sich seiner Welt und jedem Menschen hier bei uns und in der Ferne zugetan - in diesem Kind. In ihm hat er sich eingemischt in den Weltenlauf, ist auf die Erde gekommen, mit uns unterwegs, um mit seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit uns zu gewinnen für das Leben, für die Chancen und Möglichkeiten, die es auf dieser Erde gibt, geben soll, für jedes neugeborene Kind, für jeden schwachen und ausgegrenzten Menschen, für die Alten und Sterbenden sowie die Starken und Mächtigen, für die auf der Flucht und im Gefängnis.“


Bischof Martin Hein
Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

„Weihnachten soll das Fest aller Kinder sein“

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, hat zu größeren Anstrengungen für Kinder und Familien aufgerufen. Im Gottesdienst am Heiligen Abend in der Kasseler Martinskirche (18 Uhr) sagte Hein: Die Weihnachtsgeschichte belege, dass es kleine Kinder zu allen Zeiten schwer gehabt hätten – zur Zeit Jesu wie in unseren Tagen. Die notdürftigen Umstände der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem signalisierten: „In dieser Welt war für das Christuskind kein Platz vorgesehen. Wir würden uns schämen, sollten wir hierzulande von derartigen Umständen einer Geburt lesen. Wir würden zu recht von sozialer Kälte sprechen, die nicht erst dann spürbar wird, wenn die Vernachlässigung von Kindern kriminelle Ausmaße annimmt, öffentlich wird und allgemeine Betroffenheit auslöst“, sagte Hein.

Das Wohl von Kindern und Familien - Privatsache und Aufgabe der Gesellschaft
Der Bischof beklagte, es sei noch immer nicht angemessen im Bewusstein, dass der Gesellschaft als ganzer eine Verantwortung für das Wohl von Kindern und Familien zukomme. Zwar werde öffentlich immer wieder das Lob der Familie gesungen und geklagt, es gebe zu wenig Kinder. Auch könne man nicht sagen, dass es Familien in Deutschland generell schlecht ginge. Es werde gleichwohl zu wenig getan, Familien das Leben zu erleichtern. Umfragen hätten gezeigt, das fast alle junge Erwachsene sich eine Familie und Kinder wünschten. Dies bleibe jedoch oft ein Wunsch. Rahmenbedingungen erschwerten das Ja zum Kind: Lange Ausbildungszeiten, Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und am Arbeitsplatz, die es unmöglich machten, sich eine Auszeit zu nehmen, um sich Kindern zuzuwenden. Gewiss seien Familie und Kinder Privatsache, jedoch auch eine öffentliche Aufgabe: „Man kann sich manchmal fragen, ob Kinder in unserer Gesellschaft wirklich erwünscht sind – wohl nur dann, wenn sie vorgeblichen oder realen wirtschaftlichen Erfordernissen oder individueller Lebensplanung nicht im Wege stehen“, sagte Hein.

Der Bischof erinnerte daran, dass Jesus selbst der Kirche aufgetragen habe, sich Kindern und Familien zuzuwenden. Deshalb engagiere sich die Kirche hier in besonderer Weise. Der Bischof verwies dabei auf die kirchlichen Angebote wie Kindertagesstätten, Kindergottesdienst, Schulen in kirchlicher Trägerschaft, mittelbar im Religionsunterricht, durch Kinder- und Jugendarbeit, Familienfreizeiten und Erholungseinrichtungen für Familien. „Die Kirche will Kinder und Familien fördern – und tut es“, betonte der Bischof.

Die Weihnachtsgeschichte sei für Familien und Kinder eine Hoffnungsbotschaft: „Der Heiland kommt als Kind zur Welt. Gott wird Mensch, mehr noch: Er wird Kind. Gott geht ganz in die Begrenztheit unserer Welt auf, er nimmt die Hilflosigkeit eines Kindes.“ So zeige Gott, wie ernst er es mit seiner Liebe zum Menschen meint. „Weihnachten ist das Fest des göttlichen Kindes. Deshalb soll es auch das Fest aller Kinder sein.“ Kinder hätten einen großen Verbündeten: das Christuskind. Ihnen wie allen Menschen gelte Gottes Wohlgefallen. „Das ist das Zentrum der Weihnachtsbotschaft“, erklärte Hein.


Kirchenpräsident Eberhard Cherdron
Evangelische Kirche der Pfalz

Glaube und Politik leben von Vertrauen

Die zentrale Rolle des gegenseitigen Vertrauens für Politik und Glaube hat Eberhard Cherdron, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, in seiner Predigt am 1. Weihnachtstag betont. "Vertrauen ist ein Geschenk. Niemand kann es einfordern oder vorschreiben", sagte Cherdron in der Gedächtniskirche in Speyer.

"Ohne Vertrauen ist kein Rechtsstaat zu machen", hob Cherdron hervor. Im Blick auf die neue Große Koalition sei zu bedenken, dass "auch die Parteipolitiker der beiden Koalitionsparteien sich ganz neu auf Vertrauen einlassen" müssten. "Ohne solches Vertrauen auch in den politischen Gegner gibt es kein politisches Zusammenspiel."

Die Großen Koalition stehe vor der Aufgabe, das verloren gegangene Vertrauen der Bürger in die Politik wieder zu erlangen.  "Der demokratische Staat lebt auch davon, dass seine Bürger das politische Geschehen sorgfältig beobachten und prüfen, welche Politik das Wohl des Landes und seiner Bewohner am ehesten fördert.  Als Bürger sind wir  dazu aufgerufen, niemals blind zu vertrauen. Politiker müssen sich immer wieder neu Vertrauen verdienen, in dem sie sich als kompetent, mutig und ehrlich erweisen."

In der Politik gründe das Vertrauen auf Erfahrung  und Fakten, im christlichen Glauben auf der Liebe Gottes. "In der Menschwerdung Jesu Christi ist Gott bedingungslos eine "Koalition" mit uns Menschen eingegangen. Er hat sich uns gleichgestellt. Sein Vertrauen zu uns wartet nur darauf, dass wir auch ihm vertrauen mit aller Kraft unseres Herzens und unserer Gedanken", sagte Cherdron. "Niemals wird Gottes Vertrauen dadurch erschöpft, dass wir es in Anspruch nehmen."
 
Menschen, die auf Gott vertrauen, könnten immer wieder einen Neuanfang wagen. Das gelte für das Zusammenleben in einem Staat wie für das private Zusammenleben. "Weihnachten stellt uns mit der Heiligen Familie ein Bild des Vertrauens vor. Dabei geht es nicht um ein gemütliches oder idealistisches Familienbild. Das Vertrauen aus Gott heraus kennt auch all die Anfechtungen, in denen Menschen stehen. Gerade darum ist es gut, auf Gott zu schauen, der bedingungslos an uns Menschen festhält. Unser Vertrauen in ihn findet Halt in seinem Vertrauen zu uns."


Landesbischof Frank Otfried July
Evangelische Landeskirche in Württemberg

Weihnachten schärft den Blick für Missstände

Weihnachten schärfe den Blick für Notlagen, für die anderer Menschen und für Notlagen, die einen möglicherweise selbst betreffen, sagt Landesbischof Frank Otfried July in seiner Weihnachtspredigt am 25. Dezember in Stuttgart. Er erinnert an soziale Missstände: dass junge Menschen keinen Ausbildungsplatz bekämen, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich in unserem Land immer größer würden. Frank Otfried July verurteilt die „antisemitische Hetztiraden“ des iranischen Präsidenten. Statt Frieden auf Erden zu wünschen, spiele dieser mit dem „Feuer gewaltsamer Auseinandersetzung“ und strafe die weihnachtliche Ankunft des Gottessohnes damit Lügen.


Schriftführer Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz
Bremische Evangelische Kirche

Kind Gottes sein

Die Weihnachtsgeschichte erzähle nicht nur die Geburtsgeschichte, sondern auch „unsere eigene Geburtsgeschichte“, hat der Schriftführer der bremischen Kirche, Louis-Ferdinand von Zobeltitz in seiner Predigt am 1. Weihnachtsfeiertag in der Kirche St. Stephani in Bremen erläutert: „Wir werden als Kinder Gottes geboren.“ Dies sei die „wichtigste und zentralste Aussage“, die über einen Menschen zu machen sei.

Die Aussage, Gottes Kinder zu sein, könne Menschen verändern: „Wir sind mit allen Menschen in die Gotteskindschaft berufen, wir sind es wirklich, obwohl es oftmals den Anschein hat, als wären Menschen vergessen, verraten, abgeschrieben. Unsere Gotteskindschaft, ein Leben in Würde und Liebe, geachtet und respektiert, ist noch nicht vollkommen offenbar.“ Doch dass alle Gottes Kinder sind, verlange, nach Formen des menschlichen Miteinanders zu suchen, in der alle Menschen ihre Gotteskindschaft leben und feiern können.

Hannover, 23. Dezember 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter