Silvester- und Neujahrsbotschaften

30. Dezember 2005

Bischof Wolfgang Huber
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Glaube als Zukunftskraft

Die Zukunft meistere nur, wer einen anderen als Meister über sein Leben anerkenne, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Wolfgang Huber, angesichts der Unsicherheiten beim Jahreswechsel. Für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sei es deshalb wichtig, „dass der Glaube wieder als Zukunftskraft wahrgenommen werde,“ sagte er in seiner Predigt am Neujahrsmorgen in der Kirche St. Marien in Berlin. Wirklichen Halt im Leben sei „nicht aus der Statistik der durchschnittlichen Lebenserwartung oder des üblichen Monatseinkommens, nicht aus der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes oder dem Prickeln des jährlichen Erlebnisurlaubs“ zu gewinnen, weiß der Ratsvorsitzende und verwies auf die Zusage in der Jahreslosung: „Gott spricht: Ich lasse nicht fallen und verlasse dich nicht.“

Diese Zusage stamme aus der „Gründungsgeschichte des Volkes Israel“, weiß Wolfgang Huber. Nach dem Mose, der die Israeliten nach der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten 40 Jahre durch die Wüste geführt hatte, gestorben war, übertrug Gott Josua die Führung des Volkes. Er sollte die Israeliten „über den Jordan“ ins gelobte Land führen. Die aus dieser Geschichte entstandene Redensart „über den Jordan gehen“ signalisiere, dass es kein Zurück mehr gebe. Doch es sei anders als in der Bedeutung der Redensart „nicht der Schritt vom Intakten zu Kaputten, vom Heil zum Unheil, vom Leben zum Tod. Es ist genau umgekehrt: Es ist der Schritt vom Warten zur Erfüllung, von der Wüste ins gelobte Land, vom Zweifel in die Gewissheit“.

Auch beim Wechsel ins neue Jahr gebe es kein Zurück, doch ob es der Anbruch einer neuen Epoche werde, bleibt nach Einschätzung von Huber offen: „Schon aus Selbstschutz stimmen viele in einer solchen Lage ihre Hoffnungen und Erwartungen herab: Nur keine falschen Versprechungen. Aber es kann auch sein, dass wir auf diese Weise die Schwelle gar nicht bemerken, die Chancen des Neuen ungenutzt verstreichen lassen. Wir versuchen, uns über den Jordan hinüberzumogeln und bleiben innerlich vor ihm stehen. Wir verweigern uns dem Neuen. Wir überhören Gottes Verheißung. Wir übersehen seine Treue.“ Dabei verbürge sich Gott für die Zukunft, in dem er auf Mose verweise: „Christen vertrauen darauf, dass sie durch Jesus Christus an Gottes Treue und seiner Verheißung Anteil haben. Im Jordan wurde Jesus getauft; so hat Gottes Verheißung in ihm auch einen Jordan überschritten. Deshalb erschallt die Botschaft von Gottes Treue und Verheißung nun bis an die Enden der Erde.“

Huber weist in seiner Neujahrspredigt darauf hin, dass die Anteilnahme an dieser Verheißung, Christen „umso enger an das Existenzrecht des Staates Israel, der sich in unserer Zeit auf diesem historischen Boden wieder gebildet hat“. Christen könnten es nicht zulassen, wenn das Existenzrecht Israels bestritten werde, und müssten für Frieden und Gerechtigkeit auch in der Region des Nahen Ostens eintreten: „Nicht auf einer der beiden Seiten, sondern zwischen ihnen ist der Raum, in dem das Werk der Versöhnung gelingen muss. Es ist entscheidend, dass Menschen in diesem wie in anderen Konflikten die Schwelle ihrer Angst überwinden und aufstehen, um die nächsten Schritte zu tun.“


Landesbischof Christoph Kähler
Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen
Stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

„Fußball-WM unterstreicht Nachbarschaft der Nationen.
– Aber auch Nachbarschaft im Kleinen pflegen“

„2006 werden wir beweisen müssen, dass wir gute Nachbarn und Gastgeber sein können“, so Christoph Kähler, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, anlässlich des Jahreswechsels. Das gelte für die Nachbarschaft im Großen, wie die Begegnung der Nationen zur Fußball-Weltmeisterschaft, wie für die Nachbarschaft im Kleinen. „Eine Fairplay-WM kann zeigen, dass die Nationen heute mehr denn je Nachbarn sind und zu einer Weltfamilie gehören.“ Deutschland sei als Gastgeberland gefragt, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Sportler wie Fans sich willkommen fühlen und sich freundschaftlich begegnen.

„Wenn Nationen es schaffen, zusammenzurücken, kann uns das auch helfen, den Wert der Nachbarschaft im Kleinen zu erkennen. Eine gute Nachbarschaft zu denen, die links und rechts neben mir wohnen, bedeutet Lebensqualität“, so Kähler. Da viele Familien geografisch auseinanderrücken, würden Nachbarschaften wieder wichtig. Die Konsumgesellschaft vermittle den Eindruck, als sei der Alltag über die richtigen Kaufentscheidungen organisierbar. Das aber sei ein Irrtum. „Kein Mensch kann für sich allein leben.“

Es mache aber keinen Sinn, die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft zu beklagen. Eine gute Nachbarschaft könne nicht nur einspringen, wenn einmal Hilfe nötig ist. „Aufmerksam sein, wer im Nachbarhaus wohnt, einmal fragen, wie es geht, der freundliche Gruß oder der Schwatz über den Gartenzaun – das zeigt, dass wir nicht allein sind. Wir sollten das Motto der Fußball-WM ‚Die Welt zu Gast bei Freunden’ ergänzen um das private Motto ‚Die Nachbarn zu Gast bei mir’“, ermutigt Kähler. Die Kirchen hätten gute Erfahrungen damit gemacht, als weltweite Christenheit zusammen zu stehen und gleichzeitig vor Ort in den Gemeinden Freud und Leid miteinander zu teilen.

Die Fußball-WM könne ein Anfang sein, Kontakt zu Nachbarn aufzunehmen. Die Fußballspiele gemeinsam anzusehen, sei ein größeres Erlebnis als allein vor dem Fernseher zu sitzen. So habe die Evangelische Kirche in Deutschland die Rechte an einer nichtkommerziellen Übertragung der WM-Spiele erworben. Viele evangelische Gemeinden in Thüringen würden in kirchliche Räume einladen, um die Übertragungen gemeinsam anzusehen.


Präses Nikolaus Schneider
Evangelische Kirche im Rheinland
Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

„2006 zu einem Jahr der Nächstenliebe machen!“

„,Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.‘ Dieses Wort aus dem Buch Josua steht als biblische Losung über dem Jahr 2006. Das war Gottes guter Vorsatz gegenüber Josua, der das Volk Israel ins gelobte Land geführt hat. Und es ist noch heute Gottes Zusage an uns. Dass Gott uns in den Höhen und Tiefen unseres Lebens nicht alleine lässt, erfahren wir Menschen oft ganz praktisch in der Zuwendung, Nähe und Unterstützung durch Mitmenschen.

Weil das so ist, wäre es doch ein guter Vorsatz für uns Christinnen und Christen, diese Gottesnähe im neuen Jahr andere Menschen durch uns auch wirklich spüren zu lassen. Machen wir doch das Jahr 2006 zu unserem persönlichen Jahr der Nächstenliebe! Es gibt genügend Menschen, für die es lebensnotwendig ist, dass wir selbst die Zusage Gottes Wirklichkeit werden lassen. Ich denke da unter anderem an die obdachlosen Erdbebenopfer in Pakistan. Unsere Spenden, zum Beispiel an die Diakonie Katastrophenhilfe oder die Kindernothilfe, tragen dazu bei, die Männer, Frauen und Kinder in den Bergen Kaschmirs vor dem drohenden Kältetod in diesem Winter zu bewahren. Und jeder und jede von uns weiß ganz sicher auch im eigenen Umfeld um Menschen, die unsere Nächstenliebe – ganz praktisch oder auch im fürbittenden Gebet – brauchen.

Ich wünsche uns Tatkraft, Mut und Gottes reichen Segen für einen solchen guten Vorsatz für das Jahr 2006.“


Landesbischof Ulrich Fischer
Evangelische Landeskirche in Baden
Vorsitzender der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK)

Mehr Freiheit wagen

Die Kirche habe die Aufgabe, für die Freiheit des Menschen einzutreten, so der badische Landesbischof Ulrich Fischer zum Jahreswechsel. Im kommenden Jahr feiert die Evangelische Landeskirche in Baden 450 Jahre Reformation in Baden. Damit erinnere sich die Kirche an ihre Wurzeln, die Botschaft von der Freiheit eines Christenmenschen.

„Durch die Verkündigung der Botschaft von der Freiheit eines Christenmenschen soll die Kirche Politik und gesellschaftliches Engagement möglich machen“, umschreibt der badische Bischof eine Aufgabe für das neue Jahr. Die Kirche dürfe nicht selbst Politik machen, aber sie müsse durch ihre Botschaft einen Beitrag dazu leisten, „die Voraussetzungen, auf denen der Rechtsstaat gegründet ist, zu klären und weiter zu entwickeln“, so Fischer. 
Konkrete Fragen der Politik, wie etwa die Ausgestaltung der Hartz IV-Gesetze oder zu erwartende Steuermaßnahmen seien keine Sache des Glaubens. Doch die Kirche müsse dazu verhelfen, die Grundlagen solcher Entscheidungen im Hören auf Gottes Wort zu reflektieren.

Bischof Fischer: „Die Situation unseres Landes ist bedrängend. Dass soziale und moralische, wirtschaftliche und ökologische Zeitbomben ticken, wissen wir alle. Entschlossenes Handeln ist in der gegenwärtigen Situation gefragt. Zugleich ein Handeln, das sich nicht abkoppelt von den Fragen, vor die uns das Hören auf Gottes Wort stellt. Wenn wir dies in aller Freiheit von Christenmenschen tun, nehmen wir Verantwortung für unser Land wahr. ‚Mehr Freiheit wagen’ ist daher ein guter Wunsch für das neue Jahr.


Präses Alfred Buß
Evangelische Kirche von Westfalen

Wer getragen wird, kann sich fallen lassen

„Weil ich nicht fallen gelassen werde, kann ich mich fallen lassen“ – dieser scheinbare Widerspruch sei eine Grunderkenntnis des christlichen Glaubens. Darauf hat der westfälische Präses Alfred Buß zum Jahreswechsel hingewiesen.

Gott befreie zu „ungesichertem Vertrauen“, so der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen: „Gott handelt zuerst an mir, damit ich mit ihm, für ihn und durch ihn handeln kann.“ Ängste, eingefleischte Handlungsmuster und eingefahrene Gleise könnten dadurch verlassen werden, schreibt Buß in der Silvesterausgabe des Westfalen-Blatts (Bielefeld). Er ermutigte zum Gebet: Beten bedeute, Gott alles zu sagen und auch, auf sein Wort zu hören: „Unter den vielen Worten zum Jahreswechsel sein Wort heraushören.“ Das bezog er besonders auf die alttestamentliche Zusage Gottes: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“, das Leitwort (Jahreslosung) für 2006.


Bischof Axel Noack
Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

„Von Fußball-Fans lernen, das Leben trotz aller Probleme zu feiern“

Mit Blick auf das kommende Jahr bezeichnet der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack, die Fußballweltmeisterschaft als eine besondere Chance für Deutschland. „Es wäre schön, wenn wir von den Fußball-Fans beispielsweise aus Afrika oder Lateinamerika lernen könnten, das Leben trotz aller Probleme zu feiern.“ Es sei ein Phänomen, so Axel Noack, dass vor allem die Menschen aus den ärmeren Regionen der Erde, die WM-Spiele zu einem fröhlichen Fest machten. „Ich wünsche mir, dass die Frauen und Männer in Deutschland sich von der Lebensfreude während der WM anstecken lassen und mit mehr Zuversicht in die Zukunft gehen. Auch wenn es möglicherweise am 9. Juli nicht heißt, Deutschland ist Weltmeister.“

Bei der individuellen Zukunftsgestaltung könne die Botschaft Jesu helfen, so der Magdeburger Bischof. „Als Christen glauben wir, dass kein Mensch tiefer fallen kann als in die Arme Gottes. Die Jahreslosung 2006 bringt das treffend zum Ausdruck: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht (Josua 1,5). Der Vers stammt aus dem Josuabuch, einem Abschnitt im Alten Testament der Bibel, in dem es viel um Mut und Vertrauen geht,“ sagt Axel Noack. „Der Text erzählt die Geschichte einer langen Wanderung, die schließlich – nach einer Menge Strapazen – an ihrem Ziel endet. Es sind Kapitel, die von Mut und Vertrauen sprechen, sich auf neue Wege einzulassen, wenn man eine bessere Zukunft gewinnen will. Solchen Mut und solches Vertrauen wünsche ich den Menschen in unserem Land.“

Das Jahr 2005 charakterisiert Axel Noack als ein Jahr, in dem das Interesse der Menschen an religiösen Fragen unter anderem durch die breite Berichterstattung in Presse und Rundfunk zur Weihe der Dresdner Frauenkirche oder zum Evangelischen Kirchentag wieder deutlicher zum Ausdruck gekommen sei. „Die Sehnsucht nach einer himmlischen Heimat hat die Leute immer umgetrieben. Eine religionslose Zeit gibt es nicht“, so der Magdeburger Bischof. Das, worin sich die Zeiten allerdings unterschieden, sei die Intensität wie öffentlich über das Thema Religion gesprochen werde. „Das ist in diesem Jahr besonders intensiv gewesen. Ob wir in 2006 wieder so eine breite Berichterstattung in Presse und Rundfunk über Glaube und Kirche erleben, muss sich zeigen.“


Landesbischof Jochen Bohl
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens

„Der Vater Jesu Christi wird uns keinesfalls fallen lassen oder uns verlassen,“ erklärte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl im Gottesdienst am Neujahrstag in der Kreuzkirche Dresden. Er verwies auf die Jahreslosung 2006: „Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ Dies hat Gott Josua zugesagt, als er das Amt des Anführers Israels von Mose übernommen hatte, und das Volk nach 40 Jahren Wanderschaft durch die Wüste ins gelobte Land führen sollte.

Zur Zeit Josuas wie auch in moderner Zeit seien die Menschen darauf angewiesen, „dass es gut ist und unser Leben in Gottes Hand geborgen, dass er es wohl machen wird“. Das habe sich nicht geändert, weiß Jochen Bohl. Menschen brauchten Gottvertrauen, damit sich in der Welt mit ihrer offenen Zukunft nicht ins Schwanken geraten, sondern bestehen können: „Gottvertrauen ist eine Gabe, die durch nichts anderes zu ersetzen ist und die uns zu einem besonderen Segen wird, wenn wir unsicher und zweifelnd auf das Morgen sehen; und dennoch sagen können: Gott wird mich nicht fallen lassen.“ Das Wort der Jahreslosung 2006 sei Josua persönlich in bewegter Zeit zugesagt  worden. Esgelete jedem, der sein Leben in Gottes Hand geborgen wisse und mit ganzem Herzen und voller Vertrauen auf ihn baue.


Kirchepräsident Peter Steinacker
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ Dieses wundervolle Verspechen aus dem Josua-Buch der Bibel ist die Jahreslosung für 2006. Bibelverse werden seit 275 Jahren tatsächlich zu diesem Zweck ausgelost, deshalb heißen sie so. Damit gibt die Kirche den Abschnitten des Lebens einen Gedanken mit, eine Art Überschrift.

Das Versprechen der Jahreslosung 2006 berührt das Innerste. Kann es jemanden geben, der nicht die elementare Angst hat fallen gelassen und verlassen zu werden? Es sind die Urängste der Kinder, den Eltern von der Hand zu gleiten und dann einsam und verlassen da zu stehen. Ganz selten hören wir, dass Kinder ihre Eltern fallen lassen. Wenn dann erst spät, wenn sie alt und lästig werden. Aber immer wieder hört man die bitteren Worte: „Du bist nicht mehr mein Sohn“ oder einzelne Fälle von muslimischen Familien, in denen es heißt: „Du bist nicht mehr unsere Tochter“.

Verlassen werden. Viele – vielleicht alle? – machen im Verlauf ihres Lebens eine solche bittere Erfahrung. Dann stehen Eheleute, die verlassen werden, oft nach vielen Ehejahren vor dem Scherbenhaufen ihres bisherigen Lebens. Firmen lassen ihre Mitarbeiter nach Jahrzehnten einfach fallen.

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ Wenn das Menschen zueinander sagen – und das Versprechen auch in Krisenzeiten einlösen – wie gut geht es ihnen da! Um so eindringlicher werden solche Worte, wenn sie von Gott, der alles bestimmenden Wirklichkeit, den Menschen gesagt werden.

In der Bibel wird dieses Versprechen mit Gottes Geboten verknüpft. Dieses Modell eines Gottesverhältnisses hat sich tief in die Menschenseele eingegraben. Wie oft meinen wir, ob Gott uns hält oder fallen lässt, hänge von unserem Verhalten ab! Richtig daran ist, dass Gott nicht der große Überseher unserer Schuld und unseres Versagens ist. Was wir tun, verbindet sich mit uns, wird ein Teil von uns, für den wir Verantwortung tragen müssen. Anders wären wir ja auch keine freien Menschen.

Gottes Versprechen ist also nicht als Rundumsorglospaket gemeint. Auch steht dahinter nicht der ins unendliche gesteigerte Alles-Beruhiger, eine Art Super-Super-Nanny, deren Beistand eine Art umfassender Lebensversicherungsvertrag wäre. Auch zum Leben, das auf Gott vertraut, gehören Risiken und gehört das Scheitern.

Diesem gebrochenen Leben in der Welt hat sich Gott selbst ausgesetzt, um die Menschen zu versöhnen. Damit will er uns zeigen, dass Gottes Liebe immer noch größer ist als unsere Schuld und unser Versäumnis. Gott dreht den Zusammenhang um: Nicht weil wir seinem Willen entsprechen, hält er uns. Sondern weil er uns hält, entsprechen wir dem, was er will. So gut, wir das können. Jedoch will er auch, dass wir in seine Güte zurückkehren, wenn wir unser Leben falsch leben. Gott lässt seine turbulente Welt nicht fallen und verlässt sie nicht. Das kann uns eine große Daseinsgewissheit schenken. Aus ihr heraus können wir mit viel Gelassenheit, Zuwendung, und Humor das neue Jahr 2006 leben.

Hannover, 30. Dezember 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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