„Gott befreit uns zu hoffnungsvoller Gestaltung unserer Welt“

Katrin Göring-Eckardt hält Präsidiumsbericht vor der EKD-Synode

06. November 2011

Logo der EKD Christen sind frei zu hoffnungsvoller und zuversichtlicher Gestaltung der Welt, erklärte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, am Sonntag, 6. November, in Magdeburg. „Gott befreit uns aus Angst, Verzagtheit, falschen Abhängigkeiten und kräftezehrendem Aktionismus. Er macht uns frei zu hoffnungsvoller und zuversichtlicher Gestaltung unserer Welt“, sagte sie in ihrem Bericht vor der heute eröffneten 4. Tagung der 11. Synode der EKD. „Auch im Blick auf die komplexen Zusammenhänge an den Finanzmärkten sind wir überzeugt, dass der Mensch seine Welt gestalten kann und soll.“

Das europäische Projekt sei nach dem Zweiten Weltkrieg gerade von Christinnen und Christen gegründet worden gegen Nationalchauvinismus und als Bollwerk des Friedens. „Heute droht Europa zu einer Wenn-Dann-Gemeinschaft von Fordern und Überfordern, von Antagonismen und Antipathien zu werden.“ Europa vibriere, so Katrin Göring-Eckardt und die Frage sei: „Bewahren wir ein Europa der Offenheit, der Solidarität und des Friedens? Und haben wir als Christinnen und Christen darin einen Auftrag und eine Möglichkeit, die über Appelle gegen die Gier und für Zusammenhalt hinaus gehen?“

Im Rückblick auf die Begegnung der EKD mit Papst Benedikt XVI. im September im Erfurter Augustinerkloster betonte die Synoden-Präses: „Die Ökumene ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben für uns. Aufeinander zu hören und zuzugehen, miteinander zu reden und auch miteinander zu feiern - das ist unser Auftrag.“ Sie hoffe, dass beide Konfessionen gemeinsam auf das Reformationsjubiläum 2017 zugehen, um gemeinsam theologisch über die Reformation und ihre Bedeutung für alle Kirchen nachzudenken. „Denn wir feiern nicht die Trennungen der Kirche, sondern die Wiederentdeckung des Evangeliums, die den Menschen die Angst nahm, wir feiern die Einkehr bei Gott, der in Christus Mensch wurde. Und wir feiern den Aufbruch in eine Welt, die freie, selbstbewusste und verantwortliche Menschen braucht.“

2017 solle ein unvergessliches Jahr werden: „Wir wollen groß feiern.“ Das Reformationsjubiläum könne zu einem besonderen Zeugnis der Gemeinsamkeit im Protestantismus werden, und wer die Planungen als „pures Event“ diffamiere, der übersehe: „Größe, Vielzahl, Gemeinschaft, das sind keine Gegensätze zur Innerlichkeit und Inbrunst, zu Ernsthaftigkeit und Gottessehnsucht.“ Die Erfahrung christlicher Freiheit erschüttere nicht nur Mauern. „Es ist die Freiheit, die uns sagen lässt: Wir wissen von Umbrüchen und auch von Rückschritten. Aber wir sind nicht ohnmächtig ausgeliefert, wir müssen nicht in Angst und Trauer ertrinken. Sondern wir wissen immer wieder von der Hoffnung und können zuversichtlich sprechen: Die Reformation hat uns frei gemacht zu zweifeln und zu glauben.“

In allen Vorbereitungen müsse erkennbar bleiben: „Wir sind eine überfließende Kirche, die Gottes Güte als Quelle kennt. Nicht nur, aber gerade auf dem Weg zum Jahr 2017 braucht es mehr von diesem Inneren, Erfüllenden, vom Theologischen, von dem, was vom Himmel kommt. Wir wollen aussprechen und bezeugen, was wir geschenkt bekamen und was wir weiter geben können.“

Die Synoden-Präses ging in ihrem Bericht auch auf den Reformprozess der evangelischen Kirche ein. „Reformen bleiben nötig und wir sind überzeugt, trotz mancher Reformmüdigkeit und auch einmal Verdruss, sie werden uns stärker und freier machen.“ Die Reformzentren zur Qualität im Gottesdienst, zur Mission in der Region und zur evangelischen Predigtkultur „entfalten Wirkung in Bereichen, über die zu sprechen uns lange schwer gefallen ist: Wie steht es um die Qualität unserer Arbeit? Machen unsere Predigten neugierig auf mehr? Und wie viel Gemeinschaft mit den Nachbargemeinden in der Region gelingt?“ Die in diesem Jahr erstmals veranstaltete „Landkirchenkonferenz“ bezeichnete die Präses als „Kleinod des Reformprozesses“. In fröhlicher Aufbruchsstimmung seien die Herausforderungen der so genannten ausgedünnten Räume diskutiert worden. „Ein Fazit der Tagung ist: Vieles wird sich ändern und ändern müssen, Aufbrüche müssen gewagt werden. Von manchem Liebgewonnenen werden wir uns auch schmerzlich verabschieden müssen, damit die Kirche wirklich im Dorf bleiben kann. Wandernde Prediger, große Regionalfeiern, verlässliche Erreichbarkeit und engagierte Ehrenamtliche wurden fröhlich zusammengedacht.“

Es brauche langen Atem bei allen Reformanstrengungen. „Strukturveränderungen, Zusammenlegungen, Kürzungen, Leuchttürme. All das ist notwendig, unverkennbar, unumgehbar. Aber: Wir sind eben nicht irgendeine Organisation, wir sind Kirche, evangelisch.“

Magdeburg, 6. November 2011

Pressestelle der EKD
Silke Römhild