„Heilsame Besinnung auf Christus“

Landesbischof Ralf Meister präsentiert der EKD-Synode in Magdeburg den Kundgebungsentwurf zum Schwerpunktthema „Mission“

07. November 2011

Logo der EKD Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat am heutigen Montag vor der Synode in Magdeburg den Kundgebungsentwurf für das diesjährige Schwerpunktthema eingebracht. Der Entwurf der Kundgebung trägt den Titel: „‘Was hindert’s, dass ich Christ werde‘ – Missionarische Impulse“.

Meister, der als Vorsitzender des Vorbereitungsausschusses sprach, machte deutlich, dass es beim Thema Mission nicht um eine „christliche Motivationsstrategie“ gehe, noch um die „Rekrutierung neuer Kirchenmitglieder“. Mission sei vielmehr eine „heilsame Besinnung auf Christus als Grund und Gegenstand des Glaubens“, sei. Christliche Mission spüre sowohl „ihrem eigenen Herzschlag“ nach, aber nehme gleichzeitig auch „offen“ wahr, was Menschen ihr zu sagen haben und was die Gesellschaft heute bewege.

Im Blick auf aktuelle gesellschaftliche Themen wie Ökologie und Ökonomie, aber auch im Blick auf das Individuum habe sich heute ein „Gefühl von Selbstüberforderung und Erschöpfung“ breit gemacht, diagnostizierte Meister. Die europäische Finanzmarkt- und Schuldenkrise, das „Dauerthema der vergangenen Monate“, stehe für eine „Grunddimension kritisch wahrgenommener Gegenwart“, die der Landesbischof so zusammenfasste: „Wir leben in vielerlei Hinsicht über unsere Verhältnisse.“

Die christliche Botschaft sei inmitten dieses Grundgefühls ein „Ruf zur Umkehr und zum Sinneswandel“. Das Evangelium sei ein Krisen-Ruf. Aber im Evangelium sei in „grundlegend anderer Weise“ von Krise die Rede, nämlich: „wahrhaftig, befreiend, zum Leben bestärkend“. Die christliche Botschaft, so Meister weiter, verliere sich nicht in einem „apokalyptischen Szenario“ und leiste sich nicht den Luxus „feuilletonistischer Hoffnungslosigkeit“, in dem sie sich der Erschöpfung hingebe, sondern probe „den christlichen Aufstand gegen innere und äußere Leerstände.“

Dabei sei entscheidend, dass das Evangelium bewusst im Blick auf die „prägenden Erfahrungen der Menschen in unserem Land“ zur Sprache gebracht werde. Die Verkündigung solle, so Meister, weder „dramatisieren“, noch „mit guten Ratschlägen verharmlosen“, sondern vielmehr vom „Grund unserer Glaubenshoffnung“ zeugen. Meister nannte in diesem Zusammenhang den Satz Jesu aus dem Johannesevangelium:„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16, 33)

Wer das Evangelium gerade auch als Gegenüber der Kirche ernst nehme, so Meister weiter, müsse zugeben, dass „Angst vor Veränderung, Flucht in Geschäftigkeit und Konzentrationsverlust“ nicht nur Phänomene der Gesellschaft seien, sondern auch die Kirchen prägten. So eine Haltung verstelle Menschen den Zugang zum Evangelium. Die einzugestehen, sei „eine befreiende Wahrheit“, die helfe, Kirche zu verändern, denn, so der Landesbischof: „In unserer Kirche ist oft viel von emsiger Angestrengtheit zu spüren. Viel von den Mühen, institutionelle Strukturen zu reformieren.“

Die geistliche Herausforderung der Kirche am Anfang des 21. Jahrhunderts sei jedoch laut Meister eine andere, nämlich  „geistliche Konzentration und eine konsequente Ausrichtung auf das Zentrum, auf Gott und Christus selbst.“ Mission müsse die Kirche verstehen als „Aufbruch, um Zeit und Raum für das Eigentliche, das Wesentliche zu schaffen, für die Begegnung mit dem auferstandenen Christus.“

Gleichzeitig sei es wichtig, eine aktionistische Engführung in Sachen Mission zu vermeiden, denn, so der Landesbischof: „Man kann nicht jemanden missionieren. Missionieren ist kein transitives Verb, Mission macht nicht Menschen zum Objekt, sondern zum Subjekt.“ Bei Mission gehe es immer um die Freiheit des Gegenübers. Insofern sei eine Mission, die sich am Evangelium von Jesus Christus orientiere, „fröhlich, zugewandt und kommunikativ freie Mission.“ Sie bringe sich kritisch in die allgemeine Diskussion von Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Lebensstil ein. Mission solle exemplarisch die „Kultur heilsamer Unterbrechung, einen bewussten Lebensstil“ sowie „das Engagement für andere“, befördern, so der Vorsitzende des Vorbereitungsausschusses abschließend.

Magdeburg, 07. November 2011

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick