EKD-Ratsvorsitzender zu Gast in Istanbul

Hoffnung auf rasche Umsetzung des Restitutionsdekrets

04. Dezember 2011

Logo der EKD Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat an die türkische Regierung appelliert, das im Sommer diesen Jahres erlassene Restitutionsdekret zügig umzusetzen. Darin ist die Rückgabe von enteignetem Besitz an christliche und jüdische Gemeinden in der Türkei vorgesehen. „Nach wie vor sind die Besitzrechte an Kirchengebäuden und Grundstücken, auch für unsere deutschsprachige evangelische Gemeinde in Istanbul, rechtlich ungesichert“, erklärte Schneider anlässlich eines Besuches am 4. Dezember in Istanbul. Es habe in den letzten Monaten eine Reihe positiver Entwicklungen gegeben, sagte der Ratsvorsitzende. Er freue sich über die hoffnungsvollen Signale, die er von Vertretern verschiedener Konfessionen in der Türkei gehört habe. „Ich hoffe, dass dieser Weg der Religionsfreiheit und des konstruktiven Miteinanders zum Wohl der türkischen Gesellschaft sich fortsetzt.“

Der Ratsvorsitzende war anlässlich der 150-Jahrfeier der evangelischen Kreuzkirche am 3. und 4. Dezember an den Bosporus gereist. In seinem Grußwort bei der Jubiläumsfeier würdigte Schneider am Sonntag die kulturelle Vermittlungsarbeit und das Engagement für Flüchtlinge und Notleidende, das die Gemeinde vor Ort leiste. Das Territorium der heutigen Türkei sei in der Bibel als Ort frühester christlicher Gemeinden genannt, wichtige Ereignisse der Christenheit haben in diesem Land stattgefunden. „Wir stehen hier sozusagen auf dem Wurzelgrund der Christenheit. Christlicher Glaube und christliche Kirche wollen aber nicht nur Teil einer alten, vergangenen Geschichte sein, sondern  auch – wenn auch fraglos unter sehr veränderten Bedingungen – wichtiger und bereichernder Bestandteil der Gegenwart dieses Landes und dieser Stadt.“  Die Kreuzkirche biete als Gotteshaus Menschen mit deutscher Muttersprache ein Stück Heimat.  „Einer fremden Stadt Bestes zu suchen, wie der Prophet Jeremia es sagte, ohne die eigenen Wurzeln und die eigene Identität zu verleugnen und aufzugeben, dieser Aufgabe stellt sich die deutschsprachige evangelische Gemeinde in Istanbul seit über 160 Jahren.“ Vor 150 Jahren konnte die Kreuzkirche eingeweiht werden. „Wir hoffen, dass es auch in den kommenden Jahrzehnten der Stadt Istanbul und der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in dieser Stadt wohl gehen möge. Für alle dabei sicher nicht immer leichten und unangefochtenen Aufgaben wünsche ich Ihnen im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland Gottes Segen.“

Bereits am Samstag, 3. Dezember, war der Ratsvorsitzende mit dem Ehrenoberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I., zu einem Gespräch zusammengekommen. Schneider würdigte im Anschluss die offene und vertrauensvolle Atmosphäre der Begegnung. Er unterstrich das große Engagement des Patriarchen für die Erhaltung der Schöpfung. Er habe das Grußwort des Patriarchen an die Delegierten der UN-Weltklimakonferenz in Durban „mit großer Zustimmung“ gelesen. „Gemeinsam hoffen und beten Christen in aller Welt, dass die Vertreter der Staaten mit Einsicht und Vernunft für die Zukunft unserer Erde Entscheidungen treffen und die politischen Einzelinteressen überwunden werden“, so Schneider. Er sicherte dem Patriarchen zu, die Entwicklungen im Blick auf das orthodoxe Priesterseminar auf der Halbinsel Chalki aufmerksam zu begleiten. Obwohl in der Vergangenheit bereits mehrfach eine Wieder-Eröffnung in Aussicht gestellt wurde, ist die Ausbildungsstätte für Theologen noch immer geschlossen. Besonders erfreut zeigte sich Schneider über das große Interesse des Patriarchen am Reformationsjubiläum 2017. „Das Patriarchat von Konstantinopel hat bereits zu Luthers Lebzeiten Gelehrte nach Wittenberg geschickt, um die Ideen der Reformatoren zu diskutieren. Es ist eine spannende Aufgabe, zu untersuchen, wie wir dieses Erbe in unserer heutigen Zeit, für unsere heutigen Herausforderungen gemeinsam fruchtbar machen können.“

Istanbul/Hannover, 4. Dezember 2011

Pressestelle der EKD

Silke Römhild