Reformationsjubiläum in globaler Weite und ökumenischer Offenheit feiern

LWB-Generalsekretär Martin Junge warb um Beteiligung an Strategieprozess

02. Dezember 2010

Logo der EKD „Das Reformationsjubiläum 2017 darf nicht einfach eine Erinnerung an eine bedeutende Vergangenheit sein. Es muss uns erinnern an Gottes Zukunft für die Welt.“ Darauf hat der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrer Martin Junge (Genf), aufmerksam gemacht. In seinem Grußwort vor dem Deutschen Nationalkomitee des LWB, das am 2. Dezember zu seiner Sitzung in Hannover zusammengekommen war, sagte Junge, er erwarte von diesem Jubiläum „eine Feier aus Dank über die gnädige Zuwendung unseres Gottes, aber auch das Eingeständnis unser Fehler“. Es solle ein Jubiläum „in globaler Weite und ökumenischer Offenheit“ werden, „in dem wir nicht die Macht von Institutionen in das Zentrum stellen, sondern die Zuwendung Gottes zu uns Menschen – gerade zu denen, die es am meisten brauchen“. Die vergangenen Jahrzehnte hätten global ein nie gekanntes Maß an Ungleichheit gebracht. Junge wörtlich: „Das aktuelle Weltwirtschaftssystem macht immer noch Menschen zu Verlierern und zerstört die Lebensgrundlagen der nächsten Generationen. Grundsätzlich scheint eines der Grundübel heute darin zu bestehen, dass wir von Ressourcen leben wollen, die es in dieser Form gar nicht gibt. Das gilt für die Finanzkrise, das gilt aber auch für die ökologische Krise. Beide sind Ausdruck einer ähnlichen Maßlosigkeit. Religionen – nicht nur die christliche – gehören nach meiner Auffassung zu einer ungeahnten Ressource, um dieser Maßlosigkeit zu begegnen.“ Die Kirchen müssten für die Schwächsten einstehen und neue Ideen entwickeln, wie sie dieser Verantwortung gerecht werden könnten.

Nach Junges Worten befinde sich der LWB aktuell in einem Strategieprozess. Er warb dafür, dass sich alle Mitgliedskirchen an ihm beteiligten. Er verstehe den LWB als eine „Weggemeinschaft im Dialog“. Dies sei seit jeher eines seiner Markenzeichen. „Wir müssen Prioritäten setzen und unsere Aufgaben so benennen und in Programme umsetzen, dass sie sowohl relevant sind für unseren gemeinsamen Weg als LWB-Gemeinschaft als auch nachhaltig im Hinblick auf die anzuwendenden Ressourcen.“ Ziel sei es, weltweite Diakonie zu betreiben.

Im Blick auf 2017 führte Junge aus, dass die Reformation in Deutschland ihren Anfang genommen habe, aber heute der Welt gehöre. „Wenn wir auf 500 Jahre Reformation zurückblicken, dann darf diese globale Bedeutung nicht einfach nur benannt werden. Kirchen aus der ganzen Welt müssen das gemeinsame Reflektieren und Feiern gestalten. Sie müssen sich in ihrem theologischen Denken und praktischen Handeln gegenseitig herausfordern.“ Martin Luther sei ein zentrales Instrument der Reformation, dennoch gehöre die Reformation nicht allein den Lutheranern. In den Vorbereitungen auf das Jubiläum spiele deshalb die ökumenische Dimension eine „wichtige Rolle“.

Hannover, 02. Dezember 2010

Udo Hahn
Pressesprecher des DNK/LWB