Armut fordert Kirche und Diakonie in besonderer Weise zur Parteinahme heraus

Fachgespräch zur Armutsbekämpfung in Brüssel

08. Dezember 2010

Logo der EKD Kirche und Diakonie sehen ihre Aufgabe in der Armutsprävention und Armutslinderung vor allem darin, die Ursachen für Armut zu benennen, Politik und Öffentlichkeit wachzurütteln und die Solidarität mit der Gesellschaft einzufordern. „Armut fordert uns in besonderer Weise zur Parteinahme heraus“, sagt Kerstin Griese, sozialpolitischer Vorstand des Diakonischen Werkes der EKD am Mittwoch in Brüssel.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung der europäischen Ebene haben das Büro des Bevollmächtigten des Rates der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie zu einem Fachgespräch in Brüssel eingeladen. Sie diskutieren mit Vertretern des Parlaments, der Kommission, der Länder und Kommunen sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren über notwendige europaweite sozialpolitische Standards. Kirche und Diakonie stellen Best-Practice-Beispiele der Armutsbekämpfung vor.

Das Diakonische Werk der EKD habe das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung aufgegriffen und zum Schwerpunkt seiner Arbeit 2010 gemacht. „Mit unseren Aktivitäten und unseren Partnern in den Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und befreundeten Initiativen ist es uns dabei gelungen, das Thema Armut neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Dabei bezeichnet Griese Kirche und  Diakonie als „geborene Partner“ im gemeinsamen Kampf gegen Armut.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Umsetzung der Europa 2020-Strategie für innovatives, nachhaltiges und integratives Wachstum setzen sich Kirche und Diakonie dafür ein, dass Deutschland seinen Beitrag dazu leistet, Armutsbekämpfung umfassend zu betreiben. „Auch Menschen, die aufgrund sozialer Risiken, Alter, Behinderung, Krankheit oder ihrer Herkunft am Arbeitsmarkt nur eingeschränkte Chancen haben, sollen tragfähige Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet werden“, betonte die Leiterin des EKD-Büros in Brüssel, Oberkirchenrätin Katrin Hatzinger.

„Immer wieder haben wir in diesem Jahr darauf hingewiesen, dass es insbesondere die Kinder sind, welche die Konsequenzen wachsender Armut zu tragen haben. Kinder brauchen ausreichende Möglichkeiten zur Teilhabe und Bildungschancen durch gute Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten und pädagogische Angebote von Anfang an, damit sie gar nicht erst in den Kreislauf von Armut und Ausgrenzung geraten“, betont Griese. Um dies zu verhindern brauchten Familien ein Einkommen, von dem sie leben können. Für Erwachsene sei daher die Integration in existenzsichernde Arbeit notwendig. Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit dürften nicht gekürzt werden. Soziale Hilfen müssten durch Regelungen flankiert werden, die Lohndumping verhindern.

Kirche und Diakonie setzen sich vor dem Hintergrund ihrer christlichen Verantwortung und Tradition für die Gestaltung einer gerechten Gesellschaft ein, in der Menschen solidarisch zusammenleben. Ziel ist die Überwindung der Gegensätze von Arm und Reich. Beide verstehen sich – nicht nur im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung – als Partner aller, die eine gerechte Gesellschaft gestalten wollen.

Hannover / Brüssel, 08. Dezember 2010

Pressestelle der EKD
Silke Römhild