Rom muss lutherische Kirchen anerkennen

Catholica-Beauftragter der VELKD würdigt lutherisch-katholisches Studienprojekt

10. Februar 2011

Logo der EKD Als ein „überzeugt ökumenisch verantwortetes Bemühen, dem Respekt und aufrichtiger Dank gebührt“, hat der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel), das Studienprojekt der lutherisch-katholischen Gruppe von Farfa Sabina zum Thema „Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt“ gewürdigt. In einer vom Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und dem Institut für Ökumenische Forschung in Straßburg veranstalteten Tagung sagte Weber: „Das größte ökumenische Dilemma ist doch: Die Konfessionen sind im Wesentlichen im Glauben an Christus eins, aber sie denken in grundverschiedenen Systemen von Kirche und Kircheneinheit.“ Darum setze aus seiner Sicht ein gemeinsames Konzept eines universalen Leitungsdienstes zunächst ein gemeinsames Verständnis von universaler Kirchengemeinschaft voraus. „Sinnvollerweise kann aus meiner Sicht von einem wie auch immer konzipierten gemeinsamen Amt der Einheit erst dann gesprochen werden, wenn die Kirchen einander als Kirchen anerkennen und sich als communio ecclesiarum verstehen. Deshalb ist auch die Forderung an die römisch-katholische Kirche zwangsläufig, dass die lutherischen Kirchen zunächst als Kirchen im eigentlichen Sinn anerkannt werden müssen“, so der Catholica-Beauftragte. Dass offizielle römische Dokumente in den letzten Jahren einen anderen Weg eingeschlagen haben, werde in der Studie der Gruppe von Farfa Sabina nicht verschwiegen und als Problem benannt. Dass hier Klärungsbedarf bestehe, werde in der Ökumene immer wieder deutlich. In diesen Klärungsprozess gehöre die Frage nach der Bedeutung von Ämtern allgemein und die Frage, ob Ämter eine bestimmte Gestalt haben müssten beziehungsweise ob eine bestimmte Gestaltung von Ämtern es notwendig mache, anderen Gruppen das Kirchesein abzusprechen. In den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen habe sich die „Leuenberger Konkordie“ als erfolgreich erwiesen.

Wenn die Behauptung der Gruppe von Farfa Sabina richtig sei, dass die Hoffnungen einer „Rückkehr-Ökumene“, bei der eine Kirche sich in die andere integrieren würde, erledigt seien, gebe es keine Alternative zu einer konziliaren communio ecclesiarum. „Deshalb begrüße ich auch die Forderung nach einem – wirklich ökumenischen – Konzil, das diese Fragen klären könnte.“ Aber auch hier stellten sich wieder neue Probleme. Zunächst die praktischen Fragen, wer ein solches Konzil einberufe, welche Verbindlichkeit es habe, wer daran teilnehme.

Hinweis: Der von der Gruppe von Farfa Sabina erarbeitete Band „Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt. Lutherisch-katholische Annäherungen“ (18 Euro) ist im Verlag Otto Lembeck (Frankfurt am Main) erschienen.

Hannover, 10. Februar 2011

Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD