ÖRK-Zentralausschuss tagt in Genf

Schwerpunkte: Situation der Christen im Nahen Osten und Vorbereitung der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation

14. Februar 2011

Logo der EKD Die Notlage der Christen im Nahen Osten, ein ökumenischer Aufruf an die Kirchen zum Engagement für gerechten Frieden und Planungen für die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Jahr 2013 werden im Mittelpunkt der Tagung des ÖRK-Zentralausschusses stehen, die vom 16. bis 22. Februar in Genf stattfindet. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist mit fünf Delegierten im Zentralausschuss vertreten.

„Einen besonderen Augenmerk werden wir bei den Beratungen auf die schwierige Situation der Christen im Nahen Osten richten“, so Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und einer der EKD-Delegierten. „Christen werden regelmäßig Opfer von Anschlägen wie im Irak oder wie jüngst in Ägypten. Andere sehen keine Zukunft mehr vor Ort und kehren ihrer Heimat den Rücken. Das sind bedrängende Fragen. Zugleich wollen wir erfahren, wie die Kirchen in Nahost die aktuelle politische Entwicklung in der Region und ihren Ländern einschätzen: Das gilt für den Irak und den Libanon ebenso wie für Ägypten und Tunesien. Durch viele intensive Begegnungen zwischen evangelischen und orthodoxen Christen hat sich hier eine hohe Aufmerksamkeit und Sensibilität für die Fragen der Glaubensgeschwister entwickelt. Der Ökumenische Rat der Kirchen ist ein gutes Forum, um an den Nöten der Brüder und Schwestern in der ganzen Welt teilzuhaben.“

Als weiterer Schwerpunkt ist die Frage nach der Gewaltüberwindung und einem gerechten Frieden zu erwarten. Der Zentralausschuss wird wichtige Akzente für die vom 18. bis 24. Mai auf Jamaika stattfindende Internationale Ökumenische Friedenskonvokation setzen. „Bei seinem ersten Zusammenkommen nach dem Auslaufen der ‚Dekade zur Überwindung von Gewalt‘ wird der Zentralausschuss sich nicht nur mit einem Rückblick zufrieden geben. Es gilt, die ‚Ernte‘ der Dekadearbeit weiter fruchtbar werden zu lassen und Impulse für weitere Prozesse und Aktivitäten aufzunehmen. Die Friedenskonvokation bietet hier reizvolle Möglichkeiten“, legt Oberkirchenrat Jens Nieper dar, der bei der EKD für die Zusammenarbeit mit dem ÖRK zuständig ist.

Martin Schindehütte, Auslandsbischof der EKD und ebenfalls Mitglied im Zentralausschuss, unterstreicht, dass der Zentralausschuss sich auch weiter mit der Verbesserung der internen Strukturen des ÖRK beschäftigen wird: „Trotz einer weiter wachsenden Mitgliederzahl muss der ÖRK mit stetig schrumpfenden Haushaltsmitteln auskommen. Aber in erster Linie ist es weniger der Finanzdruck, der Reformen erfordert, sondern die sich wandelnden Interessen, Möglichkeiten und Bedürfnisse der Mitgliedskirchen.“ So sei weiterhin zu prüfen und zu klären, welche Aufgaben und Kompetenzen an welcher Stelle der ÖRK-Strukturen angesiedelt sind bzw. sein sollten. Diese Entscheidungen können dann auch Konsequenzen für Sitzungsintervalle und Mitgliederstärken der Gremien haben. „Die Kirchen denken dabei nicht nur einfach an eine Optimierung einer Organisation. Vielmehr geht es um die Gestaltung einer lebendigen Gemeinschaft. Wenn der ÖRK in einen weiterführenden Dialog mit den Pfingstkirchen tritt und weiter an einem gemeinsamen Verständnis von Mission arbeitet, sind dafür effektive Formen notwendig.“

Gerade diese Themen werden auch eine gewichtige Rolle auf der 10. ÖRK-Vollversammlung  spielen, die 2013 im südkoreanischen Busan stattfinden wird. Schindehütte und Hein sind sich einig: „Der Zentralausschuss muss auf der anstehenden Sitzung wegweisende Eckpunkte für die Vollversammlung festlegen. Dazu sind kontroverse Debatten zu erwarten. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Diskussionen uns als Glaubensgeschwister näher zusammenführen.“

Der Zentralausschuss des ÖRK tritt alle 18 Monate für eine einwöchige Tagung zusammen und trifft grundlegende Entscheidung hinsichtlich der Finanzen und der inhaltlichen Arbeit der Gemeinschaft von 349 evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen aus aller Welt. Der Zentralausschuss ist damit wichtiges Bindeglied zwischen der Vollversammlung und dem Mitarbeiterstab des ÖRK, der die alltäglichen Aufgaben ausführt. Die EKD ist im Auftrag aller deutschen Landeskirchen Mitglied im ÖRK und mit fünf Delegierten im Zentralausschuss vertreten.

Hannover, 14. Februar 2011

Pressestelle der EKD
Silke Römhild