60 Jahre nach dem Krieg - Das Ende der Schuld?

„Tacheles“ am 5. April 2005, 19.00 Uhr, Marktkirche Hannover

29. März 2005

Mit Klaus von Dohnanyi, Sohn des Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi, Stephan Fritz, Pfarrer der Dresdner Frauenkirche, Niklas Frank, Sohn von Hitlers Generalgouverneur in Polen, dem Historiker Hubertus Knabe, der international bekannten Mode-Designerin Eva Gronbach und anderen.

So sehr sich Deutschland um Unbefangenheit und Normalität bemühen mag: Auch 60 Jahre nach dem Kriegsende stehen die Deutschen in Hitlers Schatten. Eine Gedenkveranstaltung jagt die nächste. 2005 werden alle Rekorde des historischen Gedenkens und Erinnerns gebrochen. Die Einen fordern ein Ende des deutschen Schuldkomplexes, die Anderen sagen, die offizielle Schamkultur habe zu keiner wirklichen Auseinandersetzung mit den Taten der Eltern und Großeltern geführt. Auch über das Gedenken an deutsche Opfer von Vertreibung und Bombenkrieg ist ein Streit entbrannt. Darf man des Holocausts und Bombenkriegs gleichermaßen gedenken? Wie wollen wir in Zukunft an Nationalsozialismus und Holocaust erinnern?

„Der Holocaust ist Teil unserer deutschen Identität“, sagt der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi. Der Staatsminister unter der Regierung von Helmut Schmidt meint: “Wohin wir auch blicken: Wir werden erinnert. Es gibt kein Ausweichen. Diese Unausweichlichkeit, der deutschen Schuld zu erinnern, ist deutsches Schicksal.“

„Es gibt keine Kollektivschuld, Schuld ist individuell“, meint der Pfarrer der Dresdner Frauenkirche, Stephan Fritz. Er fordert aber: „Jeder, der in diesem Land geboren ist, muss sich der Verantwortung der Geschichte stellen.“

„Es regt mich auf, wenn es heißt, das waren die Nazis! Nein, das waren die Deutschen! Ein Ende der Schuld wird es niemals geben“, kontert Niklas Frank. Er ist der Sohn von Hans Frank, der als „Polenschlächter“ gilt. Niklas Frank hat mehrere Bücher über die Nazi-Vergangenheit seines Vaters geschrieben: „Das ist meine verdammte Verbindung zu diesem Mann und das wird mich bis an mein Lebensende beschäftigen.“

Der Historiker Hubertus Knabe spricht sich gegen eine Opferkonkurrenz aus. „Es ist wichtig, alle Opfer des Krieges – im Zuge einer objektiven und wertfreien Betrachtung - zu berücksichtigen. Für ihn war das Ende des Nazi-Regimes nur teilweise eine Befreiung. „In Ostdeutschland wurde die Nazi-Diktatur von der nächsten menschenverachtenden Diktatur, dem Stasi-Regime, abgelöst.“

Die international bekannte Modedesignerin Eva Gronbach steht für ein neues deutsches Selbstbewusstsein. Sie entwirft Mode mit nationalen Symbolen. „Das Zusammenleben mit jungen Menschen ohne historische Last, hilft uns, neu mit dem Deutschsein umzugehen. Wir haben eine Verantwortung der Vergangenheit, aber auch uns selbst gegenüber und der eigenen Identität.“

Es moderieren Hanna Legatis (NDR) und Pastor Jan Dieckmann (Ev. Radio- und Fernsehkirche)

TV-Hinweis: Phoenix, der Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF, überträgt die Debatte am Mittwoch, 6. April, 17.00 Uhr, Samstag, 9. April, 23.15 Uhr.

Hörfunk: NDR Info, das Informationsprogramm des Norddeutschen Rundfunks, strahlt eine Zusammenfassung der Debatte am Mittwoch, 6. April, um 19.35 Uhr aus.

Internet: Hintergrundinformationen zur Sendung sind im Internet zu lesen unter www.tacheles.net, dort wird auch bereits im Vorfeld der Sendung diskutiert und die Debatte im Anschluss dokumentiert.


Hannover, 29. März 2005

Pressestelle der EKD



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