Leitender Bischof der VELKD für mehr ökumenische Zusammenarbeit

Verständigung über Zielvorstellungen angeregt

17. März 2010

Logo der EKD Für mehr Zusammenarbeit zwischen den Kirchen hat sich der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), ausgesprochen. In einem Vortrag auf Einladung der römisch-katholischen Hauptpfarrkirche in Mönchengladbach sagte Friedrich am 17. März: „Wenn sie zerstritten sind, geben Christen und Kirchen vor der Öffentlichkeit ein jämmerliches, ein nicht überzeugendes Bild ab.“ Wichtiger als spektakuläre Aktionen sei aber, dass man den normalen Alltag der anderen Konfession mit seinen Freuden und Sorgen kenne und teile. Zu den unspektakulären, aber oft zu wenig in den Blick genommenen Aktivitäten rechnet der Leitende Bischof u. a. ökumenische Tauferinnerungsgottesdienste, regelmäßige gegenseitige gottesdienstliche Fürbitte, gemeinsame Fortbildung für Haupt- und Ehrenamtliche, regelmäßigen Kontakt der Pfarrkapitel sowie gemeinsame Projekte in der Diakonie.

Friedrich regte auch eine Verständigung über die ökumenischen Zielvorstellungen an. „Unbestreitbar ist, dass es nicht um eine simple Rückkehrökumene gehen kann.“ Dies habe auch Papst Benedikt XVI. in seinen Schriften immer wieder betont. Derzeitiger Favorit unter den Ökumene-Modellen ist nach Einschätzung des Leitenden Bischofs das Konzept der „Kirchengemeinschaft in versöhnter Verschiedenheit“, das der Lutherische Weltbund (LWB) vorgelegt habe. Hier gehe es darum, „dass wir uns gegenseitig bei aller Verschiedenheit in Amts- und Strukturfragen gegenseitig als Zeugen des gekreuzigten und auferstandenen Herrn anerkennen und uns aufeinander zu entwickeln“. Kontrovers sei, ob erst alle entscheidenden Lehrfragen geklärt sein müssten – so die römische Auffassung –, oder im Vorgriff auf die Lösung schon jetzt Kirchengemeinschaft erklärt werden könne. „Für uns Lutheraner ist hier bereits der Weg das Ziel, nämlich der Wille zur Entwicklung unserer Lehre und unserer Strukturen auf Einheit hin.“

Neben der Verständigung mit der römisch-katholischen Kirche, etwa im Rahmen der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, würdigte Friedrich „erfreuliche Entwicklungen“ auch im Dialog etwa mit Mennoniten, Baptisten und der Alt-Katholischen Kirche. „Ökumene lebt allerdings nicht davon, dass wir immer nur erwarten, dass der andere sich ändert.“ Die entscheidende Frage an beide Seiten sei, ob es tatsächlich eine Bereitschaft gebe, zugunsten einer größeren Einheit von manchem Abschied zu nehmen, so Friedrich.

Hannover, 17. März 2010

Udo Hahn
Pressesprecher