Dialog in der Woche der Brüderlichkeit

Juden und Christen sprechen über gesellschaftliche Verantwortung

14. März 2011

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Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz haben sich am 14. März 2011 in Minden im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit getroffen. Thema der diesjährigen Begegnung war „Die öffentliche Verantwortung von Juden und Christen angesichts gesellschaftspolitischer Veränderungen in Deutschland“. Die Teilnehmer erklärten im Anschluss an das zweieinhalbstündige Gespräch, dass die Säkularisierung und die Präsenz des Islam zu den wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen gehörten. In der häufig kontrovers geführten Debatte zu diesen Themen würden grundsätzliche Fragen thematisiert, die nicht nur die Integrationspolitik, sondern auch das Verständnis von Religionsfreiheit, die Rolle der Religionsgemeinschaften in der Öffentlichkeit und das kulturelle Selbstverständnis der Bundesrepublik betreffen. Diese Fragen beschäftigen auch die beiden Kirchen und die jüdische Gemeinschaft. Wichtig sei dabei vor allem das Gespräch miteinander: Es genüge nicht, sich übereinander zu informieren, vielmehr sei geboten, immer wieder den Dialog zu suchen.

Erleichtert werde das Gespräch dadurch, dass in vielen Bereichen grundlegender Überzeugungen im Blick auf die Gesellschaft eine hohe Übereinstimmung bestehe. Dies gelte besonders im Blick auf die Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit und auf den Wert demokratischer Verfahrensweisen für die Gestaltung eines friedlichen und freiheitlichen Zusammenlebens. Nicht zuletzt spiele die freie Wahl der Religion und auch die Freiheit zum Wechsel der Religion eine große Rolle.

Angesichts der hohen Bedeutung, die in einer Gesellschaft die Konsensbildung hat, haben die Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland sowie die Allgemeine und die Orthodoxe Rabbinerkonferenz vereinbart, als Grundlage im Zusammenleben der Religionen insbesondere mit dem Islam auch weiterhin einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen. Zusätzlich sollten die Anstrengungen, gegen jede Art von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit anzugehen, verstärkt werden. Die Chancen, die eine demokratische Gesellschaft einem fruchtbaren Austausch zwischen den Religionen im Rahmen einer positiven Religionsfreiheit biete, sollten bewusst genutzt werden, um zu einem friedlichen Miteinander der Menschen beizutragen.

Hannover, 14. März 2011

Pressestelle der EKD
Silke Römhild