Glaube braucht Bildung

Grußwort des Leitenden Bischofs der VELKD vor der mecklenburgischen Landessynode

19. März 2010

Logo der EKD  „Glaube braucht Wissen und Information, vor allem aber Bildung.“ Darauf hat der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), aufmerksam gemacht. In seinem Grußwort vor der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Plau am See sagte er, es reiche heute nicht aus, den christlichen Glauben einfach unreflektiert weiter zu tragen. Ein solcher Glaube stehe in der Gefahr, in einem kindlichen Stadium stecken zu bleiben und irgendwann zu ersticken. Es reiche aber ebenso wenig aus, in einer – vielleicht seit Generationen zur Gewohnheit gewordenen – Ablehnung des Glaubens zu verharren. „Bildung hat etwas damit zu tun, dass ein Mensch geistigen Werten gegenüber aufgeschlossen ist“, so Friedrich, „ein Gespür dafür entwickelt, durch Vordergründiges hindurch zu schauen und zum Vergeben und Verzeihen bereit wird.“ Martin Luther habe in verschiedenen Hinsichten Bildungsprozesse initiiert: Etwa durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, so dass viele Menschen unmittelbar dem göttlichen Wort begegnen können. Mit dem Singen von Chorälen würden Gemeindeglieder selbst an der Verkündigung beteiligt. Und in den Schulen sei die Vermittlung von Wissen und Kenntnissen demokratisiert worden. Die Folgen dieser groß angelegten reformatorischen Bildungsinitiative spürten wir bis heute auch in Gesellschaft und Politik. Viele, die diese Entwicklungen für sich in Anspruch nehmen, ahnten jedoch nicht, wo deren Wurzeln liegen.

Die Kirchen befänden sich derzeit in Ost und West in einem tiefgehenden Veränderungsprozess und vor strukturellen Herausforderungen, wie etwa die gemeinsame Arbeit der drei evangelischen Kirchen in Norddeutschland an der Entstehung einer Nordkirche zeige. Es bleibe jedoch auch dabei die zentrale Aufgabe, das befreiende Evangelium von Jesus Christus weiter zu sagen – und zwar so, dass es die Herzen und Gewissen der Menschen erreiche und ihnen Orientierung in ihrem Leben gebe. Der entscheidende Ort sei hierfür nach wie vor die Ortsgemeinde. Speziell der Gottesdienst biete Gelegenheit zu diesem Vermittlungsprozess. Das kirchliche Leben habe bildende Wirkung. Die sorgsame Pflege und Weiterentwicklung der gottesdienstlichen und liturgischen Formen sei eine Aufgabe, die seit Jahrzehnten von der VELKD qualifiziert betrieben werde. Für den Gottesdienst sowie für die gemeindliche Bildungsarbeit biete sie hilfreiches Material an.

Hannover, 19. März 2010
Gundolf Holfert
stellv. Pressesprecher der VELKD