15. Dialogbegegnung von EKD und Ökumenischem Patriarchat auf Kreta

22. März 2011

Logo der EKD Mit der feierlichen Unterzeichnung des gemeinsamen Kommuniqués durch Metropolit Augoustinos und Auslandsbischof Martin Schindehütte  ist am Sonntag, 20. März 2011 auf Kreta die 15. Begegnung im bilateralen theologischen Dialog zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel zu Ende gegangen.

Thema der Begegnung war „Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat unter historischem und ekklesiologischem Aspekt“. Beide Kirchen bekräftigten die in der Charta Oecumenica festgehaltenen  Selbstverpflichtungen als zukunftsweisend auf dem Weg zur Einheit im Glauben.

Gemeinsam wurde festgehalten, dass Kirche und Staat sich nicht gegen¬seitig instrumentalisieren, bevormunden, idealisieren oder marginalisieren dürfen. Auch national-kirchliche Organisationsstrukturen, wie sie sich im Laufe der Geschichte herausgebildet haben, sind als solche theologisch nicht normativ. Die euro¬päischen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts, die unter totalitären Regimen, aber auch mit freiheitlichen Regierungen gemacht wurden, haben gezeigt, dass eine Entflechtung der Beziehungen von Kirche und Staat sowohl zum Wohle der Kirche als auch des Staates sein kann. Beide können dadurch ihrer Bestimmung, Staat bzw. Kirche zu sein, besser gerecht werden.

Beide Kirchen formulierten ihre Überlegungen zum Verhältnis von Staat und Kirche auf der Grundlage der Heiligen Schrift und ihrer theologischen Traditionen sowie auf dem Hintergrund ihrer reichen geschichtlichen Erfahrungen, die sie in unter¬schiedlichen politischen Systemen gemacht haben und bis heute nicht nur in Europa, sondern auf allen Kontinenten machen.

Gemeinsam bewerten wir die religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates positiv, die jedoch nicht im Sinne eines Laizismus missverstanden werden darf. Unsere Kirchen verstehen sowohl den Staat als auch die Kirche als Größen, die in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit aufeinander bezogen und zu einer positiven Zusam¬menarbeit verpflichtet sind. Weder legen unsere Kirchen ihren Gläubigen eine apolitische Haltung nahe noch darf der Staat den Glauben der Christen in die Privat¬sphäre abdrängen. Vielmehr fordern die Kirchen ihre Gläubigen zur Über¬nahme von Verantwortung in Gesellschaft und Staat auf. Zugleich ist der Staat auf dieses Engage¬ment angewiesen. Ein Beispiel hierfür ist die gelungene Integration der Gläubigen der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland in die bundes¬republikanische Gesellschaft durch den Dienst ihrer Kirche.

Hannover, 22. März 2011

Pressestelle der EKD
Silke Römhild