„Gesundheit – höchstes Gut?“

Erzbischof Robert Zollitsch und Bischof Wolfgang Huber stellen in Berlin die Woche für das Leben 2008 vor

07. März 2008

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Eingangsstatement Wolfgang Huber (mp3-Format, Länge: 14.15 min)

Menschen müssten wieder lernen, zwischen Heil und Wohl zu unterscheiden, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Huber, in seinem Eingangstatement bei der Pressekonferenz zur Woche für das Leben 2008.


Um die Frage „Gesundheit – höchstes Gut?“ dreht sich in diesem Jahr alles bei der bundesweiten Woche für das Leben vom 5. bis 12. April. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, haben heute in Berlin bei einer Pressekonferenz das Jahresthema 2008 vorgestellt.

Die Gesundheitsvorsorge in Deutschland geschehe auf hohem Niveau und verdiene Anerkennung, so Erzbischof Zollitsch. Jedoch „bei aller Hochschätzung des Gesundheitssystems warnen wir vor einer verengten Perspektive, in der nur der Gesunde der allein gesellschaftlich akzeptierte Mensch ist, in der Kranke, Behinderte und Gebrechliche Gefahr laufen, sich rechtfertigen zu müssen.“ Zum Menschsein gehörten auch „Gebrechlichkeit, die stete Gefährdung der körperlichen und geistigen Stabilität, die Abhängigkeit von den Mitmenschen und der sozialen Umwelt in Situationen der Hilfsbedürftigkeit.“ Während der Woche für das Leben solle kritisch hinterfragt werden, wer Definitionen von Gesundheit vorgibt und warum. Mit der Woche für das Leben setzten sich die Kirchen gemeinsam ein „für die Würde und den Schutz des menschlichen Lebens in all seinen Phasen und für alle Menschen – gleich welchen Alters und welcher physischer und psychischer Verfassung.“

Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, wies auf die heute häufig erfolgende Gleichsetzung von Lebensqualität und körperlicher Gesundheit hin. Die Sorge um die eigene Gesundheit sei heute ähnlich stark ausgeprägt wie in früheren Jahrhunderten die Sorge um das Seelenheil. „Zugespitzt formuliert: Der früheren Hoffnung auf die Erlösung über den Tod hinaus entspricht heute die Hoffnung auf die Erhaltung der Gesundheit und die Heilung von Krankheiten.“ Leid und Vergänglichkeit gehören allerdings zur Natur des Menschen und könnten „nur um den Preis der Unmenschlichkeit abgeschüttelt“ werden. Der Wunsch nach Gesundheit und das Recht auf eine Heilbehandlung sei nur dann in einer guten Balance zu halten, „wenn wir Krankheit nicht als etwas Fremdes, als Abweichung von der Norm verstehen.“

Die Woche für das Leben wird am 5. April in Würzburg mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung eröffnet. Vom 5. bis 12. April 2008 finden in zahlreichen Kirchengemeinden, Verbänden und kirchlichen Einrichtungen in ganz Deutschland Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie Gottesdienste zur Frage „Gesundheit – höchstes Gut?“ statt. Die gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD ausgerichtete Woche für das Leben steht in den Jahren 2008 bis 2011 unter dem Leitmotiv „Gesund oder krank – von Gott geliebt“.

Hannover / Berlin, 07. März 2008

Pressestelle der EKD
Christof Vetter

Statement des EKD-Ratsvorsitzenden

Statement des DBK-Vorsitzenden

Woche für das Leben 2008