22. Robert Geisendörfer Preis für Hörfunk- und Fernsehproduktionen

19. Mai 2005

Mit dem Robert Geisendörfer Preis, dem Medienpreis der evangelischen Kirche, werden im Jahr 2005 insgesamt sechs Hörfunk- und Fernsehproduktionen ausgezeichnet. Die Jury „Allgemeine Programme“ des Robert Geisendörfer Preises hat unter Leitung des Vorsitzenden, Landesbischof Ulrich Fischer, Karlsruhe, am 10. Mai folgende Preise zuerkannt:


Hörfunk

Vergitterte Welt. Katrin L.: Die Geschichte einer Magersucht
NDR Info 2004
an die Autorin: Helga Dierichs
an den Regisseur: Nikolai von Koslowski
Redaktion: Das Feature, verantwortl. Redakteurin: Dr. Ursula Voß

Begründung der Jury:
Das Leiden und Sterben einer jungen Frau an ihrer Magersucht, die Vergeblichkeit aller Hilfsbereitschaft und das Scheitern ärztlicher Kunst angesichts der von der Patientin als ausweglos empfundenen Gefangenschaft in ihrer Krankheit werden in diesem Feature, das Verständnis und Mitgefühl hervorruft, sensibel dokumentiert.

„Und ich sah aus dem Meer ein Tier heraufsteigen“. Apokalyptische Visionen in den Weltbildern der Gegenwart
Bayerischer Rundfunk 2004
an den Autor: Hans-Eckehard Bahr
an den Regisseur: Antonio Pellegrino
Redaktion: Nachtstudio, verantwortl. Redakteur: Peter Laemmle

Begründung der Jury:
Ein gelungenes und sorgfältig inszeniertes Erklärstück: es entlarvt die religiös-endzeitlichen Argumentationen des US-Präsidenten wie auch des islamischen Fundamentalismus. Den Endzeitvisionen werden die Originaltexte mit ihrem Hoffnungs- und Versöhnungspotenzial gegenübergestellt. So wird ein oft missbrauchtes Denkmodell theologisch entkräftet.


Fernsehen

7 Brüder
ZDF 2004
an den Autor und Regisseur Sebastian Winkels
Redaktion: Das kleine Fernsehspiel, verantwortl. Redakteur: Lucas Schmidt
Produktion: credofilm/HFF Konrad Wolf

Begründung der Jury:
Diesem herausragenden Dokumentarfilm gelingt es in strenger Form, konsequenter Ästhetik, gekonnter Lichtsetzung und einem sensiblen Rhythmus, sieben Varianten der gleichen Familiengeschichte zu erzählen. Ein spannendes und spannungsreiches Porträt der Kriegs- und Nachkriegszeit, das sich ganz auf seine Protagonisten verlässt und damit ein Zeugnis wird, wie Menschen miteinander das Leben mit Herzenswärme überleben können.


die story: Rache an einem Fluglotsen. Die zweite Tragödie am Bodensee
Westdeutscher Rundfunk 2004
an die Autorin und Regisseurin: Caterina Woj
Redaktion: die story, verantwortl. Redakteur: Joachim Angerer
Produktion: Caterina Woj

Begründung der Jury:
Die Reportage geht einem Fall von Selbstjustiz nach. Statt dabei allein der menschlichen Tragödie zu folgen, analysiert die Autorin auch kühl und präzise die Unzulänglichkeiten unseres Justizapparates. So ist ihr erschütternder Film auch ein Essay über unser modernes Wertesystem.


Kinderfernsehpreis

Die Jury „Kinderprogramme“ des Robert Geisendörfer Preises hat unter Leitung des Vorsitzenden, Pfarrer Bernd Merz, Rundfunkbeauftragter des Rates der EKD und VEF, am 12. April folgendes Kinderprogramm ausgezeichnet:

Meine schönsten Jahre
Folge: Erste Liebe
RTL 2004
an die Autoren Johann A. Bunners und Michael Petrowitz
Redaktion: Strategische Programmentwicklung, verantwortl. Redakteure: Sylke Poensgen und Jochen Mast
Produktion: Phoenix Film

Begründung der Jury:
Die Serie beschreibt das Leben eines dreizehnjährigen Ost-Berliner Jungen im Jahr 1983. Den Autoren gelingt es, sehr amüsant und unterhaltend, dennoch liebevoll und einfühlsam von den Nöten der Pubertät, der Übermacht der ersten Liebe zu erzählen. Ein gelungenes Programm für die ganze Familie, das auch einen unsentimentalen Blick zurück in die DDR-Zeit wirft.


Eine „Lobende Erwähnung“ geht an die Autoren Melanie Kuss und Götz Bolten für die Folgen Wer-Wie-Was/blinder Junge & taubstummer Junge aus der Sendung Sesamstraße
NDR 2004
Redaktion: Kultur/Kinder &Familie, verantwortl. Redakteurinnen:
Dr. Ira Neukirchen und Dr. Birgit Ponten
Produktion: Studio Hamburg und Kuss/Bolten

Begründung der Jury:
Den Autoren gelingt in drei Minuten, was viele lange Beiträge über behinderte Kinder nicht vermögen: Sie gehen einfühlsam auf ihre jungen Protagonisten ein und zeigen, wie sie ihren Alltag erleben - ob sie nun blind oder taub sind. Dem Vorschulpublikum wird so auf erfreulich unprätentiöse Weise die Normalität des Andersseins nahe gebracht.


Preisverleihung 2005

Die Preisverleihung findet statt in Berlin am 5. September in Kooperation mit Deutschlandradio Kultur, Berlin, dabei begründen die beiden Jurys ihre Entscheidungen. Die ausgezeichneten Programme werden in Ausschnitten vorgeführt.

Mit dem Robert Geisendörfer Preis werden jährlich in der Kategorie „Allgemeine Programme“ zwei Fernseh- und zwei Hörfunkproduktionen ausgezeichnet. Die öffentlich-rechtlichen sowie private Rundfunkveranstalter haben sich an dem Wettbewerb beteiligt. Darüber hinaus vergibt die Jury „Allgemeine Programme“ einen Sonderpreis der Jury.

Seit 2004 werden auch Kinderprogramme mit dem Robert Geisendörfer Preis ausgezeichnet. Die Jury „Kinderprogramme“ vergibt einen Preis für die beste Kinderfernsehsendung. Gestiftet wird dieser Preis von der Gerda und Wolfgang Mann Stiftung – Medien für Kinder.

Die Preise sind insgesamt mit 25.000 Euro dotiert, der Sonderpreis ist undotiert.

Der Robert Geisendörfer Preis wird im Gedenken an den christlichen Publizisten Robert Geisendörfer (1910-1976) vergeben, der als Gründungsdirektor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik und Fernsehbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland Maßstäbe journalistischer Profession und Passion gesetzt und sich in vielfältiger Weise um den Rundfunk verdient gemacht hat.

Hannover/Berlin, 19. Mai 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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