Generation 60plus - glaubensstark und kirchennah?

Neue Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD

09. Mai 2011

Logo der EKD Die Generation 60plus wächst – nicht nur zahlenmäßig. Auch ihre Bedeutung für Gesellschaft und Kirche nimmt zu. Dabei spielt die Einsicht, dass die aktive soziale Teilhabe der Älteren unverzichtbar ist, eine wichtige Rolle: Ältere Menschen haben wichtige Erfahrungen und Kompetenzen einzubringen – und sie werden gebraucht für die vielfältigsten Aufgaben. Bislang galten sie als besonders glaubensstark und kirchennah. Doch angesichts der gestiegenen Lebenserwartung und des gesellschaftlichen Wandels bekommt dieses Bild der Älteren als sichere Basis der Kirche Risse.

Das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI der EKD) hat eine bundesweite Repräsentativbefragung bei 2.022 Evangelischen und Konfessionslosen durchgeführt. Sie liefert jetzt erstmals genauere Informationen zu Religiosität und kirchlichen Bindungen der Generation 60plus. Darüber hinaus gibt die Studie Aufschluss über das Lebensgefühl, die Vorstellungen der Befragten über das eigene Älterwerden und über ältere Menschen im Allgemeinen.

„Die Gesamtergebnisse zeigen, dass das Lebensgefühl der Generation 60plus überwiegend positiv gefärbt ist: Sie fühlt sich im Durchschnitt fünfeinhalb Jahre jünger, als es ihr kalendarisches Alter ausweist – und sie ist überwiegend recht zufrieden mit ihrem Leben“, sagt Soziologin Petra-Angela Ahrens, die die Untersuchung leitete und jetzt die Ergebnisse in Buchform herausgebracht hat. „Uns geht’s gut“, lautet der Titel des Bandes 11 der Reihe „Protestantische Impulse für Gesellschaft und Kirche“. Das Buch erscheint am 13. Mai im LIT Verlag Münster.

Mit dem eigenen Älterwerden verbindet die Generation 60plus in erster Linie eine wachsende innere Stärke. „In diesem Zusammenhang kommt auch die Religiosität ins Spiel. Religiöse Menschen strahlen in ihrem Lebensgefühl und in ihrer Perspektive auf das eigene Altern besondere Zuversicht aus“, betont Petra-Angela Ahrens. Christlicher Glaube und kirchliche Bindung sind in der Generation 60plus jedoch keine Selbstverständlichkeit. Zwar stufen sich jeweils 37 Prozent der Evangelischen ab 60 Jahren als ziemlich oder sehr religiös beziehungsweise kirchlich verbunden ein, aber nur 20 Prozent folgen der Überzeugung, dass „Gott sich mit jedem Menschen persönlich befasst“. Die Einbindung in das kirchliche Leben bleibt hinter den Erwartungen aus den früheren Erhebungen der Evangelischen Kirche in Deutschland über Kirchenmitgliedschaft zurück: Im Durchschnitt beteiligen sich 39 Prozent der Evangelischen ab 60 Jahren auf die eine oder andere Weise an den verschiedenen Gemeindeangeboten, ein Viertel besucht regelmäßig den Gottesdienst.

Im Unterschied zu anderen Bereichen zivilgesellschaftlicher Aktivitäten steigt die Teilnahme an kirchengemeindlichen Angeboten bei den 65-69-Jährigen – also mit dem Übergang in den Ruhestand – erstmals an. Dabei belegen Gemeindefeste in der Beliebtheitsskala mit Abstand den ersten Platz. Unter den 70-74-Jährigen erreicht die Teilnahme einen Spitzenwert von 47 Prozent; hier stehen erstmals auch die klassischen Seniorenangebote hoch im Kurs. Sie sind das einzige Angebot, dem es gelingt, in gleichem Maß den Hochbetagten ab 80 Jahren und formal geringer wie höher Gebildeten eine attraktive Kontaktmöglichkeit zu bieten.

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass es ein beachtliches Potenzial für ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde gibt: 37 Prozent der Evangelischen in der Generation 60plus äußern ihre Bereitschaft dafür. Allerdings darf dies nicht im Sinne einer generellen Verfügbarkeit verstanden werden. Besonders attraktive Bereiche sind Gemeindefeste, Angebote für Senioren und Freizeiten/Ausflüge. Der Einsatz im diakonischen Bereich, den sich viele von den vitalen Älteren erhoffen, kommt jedoch nur für sieben Prozent in Betracht, vier Prozent sind hier bereits tätig.

Ob Teilnahme am Gemeindeleben, Nutzung neuerer Aktivitäten oder ehrenamtliches Engagement: Voraussetzung für eine Aktivität in der Kirche ist eine enge religiös-kirchliche Nähe. Darin unterscheidet sich die Generation 60plus nicht von den Jüngeren.

„Uns geht's gut. Generation 60plus: Religiosität und kirchliche Bindung“ von Petra-Angela Ahrens erscheint als Band 11 der Reihe Protestantische Impulse für Gesellschaft und Kirche im LIT-Verlag und kann für 19.90 Euro im Buchhandel bestellt werden (ISBN 978-3-643-11200-2).

Hannover, 09. Mai 2011

Pressestelle der EKD
Silke Römhild