Luther - der Film
Martin Luther im Film
Mal heroisch, mal naiv - Übersicht über bisherige Luther-Verfilmungen
Von Rudolf Worschech (epd)
Frankfurt a.M. (epd). Der «Luther»-Film von Eric Till ist nicht die erste filmische Annäherung an Leben und Werk des Reformators. Das Kino hat sich seit Stummfilmtagen mit Martin Luther beschäftigt. Der erste Luther-Film datiert aus dem Jahr 1913. Das turbulente Leben des Reformators - an der Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne, getragen von der Geste der Rebellion gegen die Obrigkeit - bietet sich an als Filmstoff.
Jeder historische Film steht dabei vor der Aufgabe, die Vielfalt der Ereignisse zu reduzieren, zu raffen, zu konzentrieren und ein Persönlichkeitsbild zu rekonstruieren, über das es Widersprüchliches zu vermelden gibt. Eric Till hat sich in seinem «Luther» für einen historischen Bilderbogen entschieden und Luther als einen zögerlichen Mann porträtiert, der mit seinem Gewissen ringt.
Aber die Filmgeschichte hält auch andere Sichtweisen bereit:
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«Luther - Ein Film der deutschen Reformation», Regie: Hans Kyser, Deutschland 1927. In dem noch erhaltenen Stummfilm (Kopie im Deutschen Filminstitut in Wiesbaden) ist der Reformator ein Kämpfer, der versucht, die Lehre des Evangeliums in einer neuen Kirche zu verwirklichen. Der aus aus Spenden finanzierte Film zeigt Luther, gespielt von dem damals bekannten Schauspieler Eugen Klöpfer, als Studenten der Rechtswissenschaft und bricht mit der Beendigung seiner Bibelübersetzung ab. Gezeigt wird die heroische Phase Luthers, was damals auch als Selbstverständigung des deutschen Protestantismus verstanden wurde.
Die Uraufführung in Nürnberg gab laut Zensurunterlagen «Anlass zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Vertretern des katholischen und des protestantischen Religionsbekenntnisses» - erst nach Zensurauflagen wurde der Film freigegeben.
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«Der gehorsame Rebell», Regie: Curt Oertel, BRD 1952. Der Dokumentarfilmer Oertel hatte sich seit längerem mit einem Reformations-Projekt getragen. Finanziert von der New Yorker Lutheran Productions Inc., begannen im Herbst 1951 die Dreharbeiten an den Stätten von Luthers Wirken in beiden Teilen Deutschlands. Auch die ostdeutsche DEFA unterstützte das Filmvorhaben - ein völlig ungewöhnlicher Vorgang. Am Drehbuch wirkte der damalige Filmbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Werner Hess mit. Oertel perfektionierte in «Der gehorsame Rebell» sein bereits früher verwendetes ästhetische Konzept: Er ließ die Bilder wirken und sparte mit dem Kommentar. Heraus kam ein für die damalige Zeit ungewöhnlicher Dokumentarfilm, der seine Premiere im Juli auf der Jahrestagung des Lutherischen Weltbunds in Hannover hatte.
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«Martin Luther», Regie: Irving Pichel, USA 1953. Kurz nach der Uraufführung von Oertels Film fiel die erste Klappe für «Martin Luther» am 4. August 1952 in der Nähe von Wiesbaden. Wieder finanziert von US-amerikanischen Lutheranern, war der Film die erste amerikanisch-deutsche Koproduktion nach dem Krieg, inszeniert von einem Hollywood-Routinier, der nicht gerade als Spezialist für religiöse Stoffe galt, sondern sich mit Horrorfilmen und B-Western einen Namen gemacht hatte. Dennoch bemühte sich Pichel um eine einfühlsame, unheroische Behandlung, und wurde darin von Hauptdarsteller Niall McGinnis unterstützt. Auch dieser Film schlägt den Bogen vom Eintritt Luthers ins Kloster bis zum Reichstag in Augsburg 1530. Der Film endet mit «Eine feste Burg ist unser Gott».
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«Luther», Regie: Guy Green, USA 1973. Nach dem Stück des Dramatikers John Osborne entstand ein Film, der seine Herkunft vom Theater nie verleugnete: Das gehörte zum Konzept der «American Film Theatre Series», die als verfilmte Theaterstücke in den Kinos eingesetzt wurden. Stacy Keach spielte den Reformator in dieser minimalistischen Charakterstudie, die sich vor allem auf das Wort verlässt.
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«Martin Luther», Regie: Rainer Wolffhardt, BRD 1983. Zum 500. Geburtstag Martin Luthers produzierte die Eikon im Auftrag des ZDF den TV-Zweiteiler. Der Autor des Drehbuchs, Theodor Schübel, wollte «kein Abbild, sondern eine Abstraktion» der Realität und überzeugte den Regisseur Wolffhardt, einen Fernseh-Allrounder, fast ausschließlich in der Nürnberger Lorenzkirche zu drehen. Der TV-Film setzt, wenn auch durch seinen Drehort begrenzt, auf den Wiedererkennungswert der nicht immer verbürgten geschichtlichen Ereignisse: Tetzels Ablasshandel, der Anschlag der Thesen, die Unterredung mit Cajetan, der Reichstag in Worms, die Verbrennung der Bannbulle. Der Schauspieler Lambert Hamel porträtiert Luther als einen mitunter naiven Geist, vor allem gegenüber der politischen Wirklichkeit. In einem - fiktiven - Rededuell trifft Luther auf den Bauernführer Thomas Müntzer.
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«Martin Luther», Regie: Kurt Veth, DDR 1981-83. Ebenfalls zum Luther-Jahre entstand die fünfteilige Fernsehserie des DDR-Fernsehens. 1982 hatte das DEFA-Dokumentarfilmstudio schon den Dokumentarfilm «Bürger Luther» hergestellt. Ulrich Thein spielte den Luther. Seitens des Zentralkomitees der SED gab es die Vorgaben, auf das «stimmige Verhältnis» zwischen Martin Luther und Thomas Müntzer zu achten.
