Elischa

Elischa im Streit mit den Knaben

Klar, eine Glatze provoziert den Spott. Aber Spott tut weh. Er verletzt und macht auch zornig. Wer wird schon gern Kahlkopf gescholten, selbst wenn die Schur künstlich und Zeichen des Propheten ist? Elischa jedenfalls nicht. Wer einen Diener Gottes anmacht, greift damit auch dessen Ehre und Heiligkeit an. Also straft er die Horde Knaben, die ihn eines Tages auf seinem Weg hinauf nach Bethel verhöhnt, indem er sie verflucht. Mit argen Folgen: Zwei Bären kommen aus dem Wald und zerreißen 42 der Frechdachse. Die Zahl kehrt öfter wieder in der Bibel. Sie ist wohl ein Sinnbild für Unheil und Tod.

Keine schöne Geschichte. Und auch ziemlich untypisch für den Mann, der viel lieber segnet als flucht und dessen Wirken viele Spuren geschenkten Lebens hinterläßt. Wie in Jericho, wo die Bewohner Probleme mit dem Wasser haben, weil der Genuß bei Mensch und Tier zu Unfruchtbarkeit und Todesfällen führt. Die Stadt ist auf eine einzige Quelle angewiesen, die noch heute fließt. Epischa erbittet Salz und schüttet es in das Wasser. Salz reinigt, schützt vor Verwesung und Zerstörung. Die Quelle taugt wieder. Und der Prophet beweist seine Macht.

Elischa ist Sohn eines wohlhabenden Bauern und stammt aus einem Dorf im fruchtbaren Jordantal. Er pflügt mit einem Dutzend Rindern gerade das Land, als der mächtige, in die Jahre gekommene Elija vorüberkommt, seinen Mantel über ihn wirft und ihn damit als Jünger beschlagnahmt: Du machst jetzt meinen Job. Elischa schlachtet Rinder, trennt sich von seinem bisherigen Leben und zieht mit Elischa durchs Land. Er ist der Kopf einer ordensähnlichen Gemeinschaft und wird zu einer herausragenden religiösen Gestalt Israels in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts vor Christus.

Die meisten Begebenheiten charakterisieren den Propheten als Wuntertäter und mitfühlenden Zeitgenossen. Er salbt die künftigen Könige von Syrien und Israel, heilt einen Heerführer von einer lästigen Hautkrankheit, vermehrt auf wundersame Weise das Öl einer Witwe,  die mit dem Erlös aus dem Verkauf ihre Schulden begleichen kann. Er sagt einer Frau, die ihn gastfrei beherbergt, die Geburt eines Sohnes voraus, obwohl ihr Mann schon sehr betagt ist, und als der Knabe stirbt, weckt der Prophet ihn wieder auf.

Elischa mischt sich als Kriegsberater und Königsmacher immer wieder in politische und militärische Angelegenheiten ein. Als König Joasch von Israel den todkranken Propheten besucht, sagt der ihm noch voraus, wie der künftige Konflikt mit Syrien verlaufen wird. Als ein Leichenzug sein Grab passiert und von Straßenräubern überfallen wird, werfen die Angehörigen den Toten in Elischas Gruft und bringen sich selbst in Sicherheit. Der Verstorbene berührt die Gebeine des Propheten - und kehrt ins Leben zurück. Eine wunderbare Begebenheit als Symbol dafür, daß Gottes Kraft in Elischa über dessen Tod hinaus wirksam ist.

Hans-Albrecht Plästerer

Für die Abdruckgenehmigung danken wir dem "JS - Magazin für junge Soldaten", seiner Chefredakteurin Barbara Kamprad und dem Autor Hans-Albrecht Pflästerer.


 



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