Hosea

Zeichnung des Hosea

Ohne Fruchtbarkeit gibt es kein Leben auf der Erde. Sie spielt deshalb in allen Kulturen und Religionen zu allen Zeiten eine wesentliche Rolle. Daß der Fruchtbarkeitskult bei Völkern, die mit ihrer Landwirtschaft sehr vom Wetter abhängig sind, besonders ausgeprägt ist, leuchtet ein. Für die Israeliten wird er zu einer ständigen Versuchung. So ein Kult schreibt durch das Jahr mit seiner wechselnden Vegetation viele Riten vor, verbunden mit wilden Festen. Im Orient ist im Zusammenhang mit der Götterverehrung die Prostitution weit verbreitet. Tempeldirnen kennt auch das alte Israel.

In der Vorstellung der Bewohner des Landes Kanaan (Palästina) ist das ertragreiche Ackerland eine Muttergottheit, die durch den Himmels- oder Wettergott Baal befruchtet wird. Die Götter selbst sind Mächte der Fruchtbarkeit. Menschen glauben, daß sie sich durch magische Praktiken beeinflussen lassen.

Das trifft auf den Gott Israels nun freilich nicht zu. Der ist Schöpfer der Welt. Er steht ihr als Herr gegenüber, der sich nichts abtrotzen läßt. Wenn er Fruchtbarkeit schenkt, geschieht es aus freiem Willen. Er erwartet, daß die Menschen ihm dies mit Gehorsam und Liebe danken. Aber das Volk bleibt oft genug beides schuldig.

Von einigen Königen und von allen Propheten wird der heidnische Fruchtbarkeitskult bekämpft. Gegen ihn zieht vor allem Hosea vom Leder, einer der Propheten des Alten Testaments, der in der turbulenten letzten Phase des Nordreichs um die Stadt Samaria Mitte des achten Jahrhunderts vor Christus lebt. Ein Mann voller düsterer Vorhersagen. Es gibt viel zu wettern: gegen Götzendienst und Luxusleben, gegen Ausschweifungen und das mangelnde Pflichtgefühl der Herrschenden. Weil die Israeliten ihrem Gott untreu wurden und sein Gesetz mißachteten, weil sie seine Gaben genommen und dem kanaanitischen Gott Baal dargebracht haben, wird ihr Land in Anarchie versinken. Für diese Abkehr benutzt der Prophet das Bild des Ehebruchs.

 Sein Auftrag selbst fängt mit seiner Ehe an. Er soll ein Hurenweib heiraten. Nicht einfach eine Frau, die durch ihr ausschweifendes Leben verrucht ist, sondern eine Tempeldirne, deren Leben ein Symbol für die Sünde Israels darstellt. Eine gar seltsame Weisung, die den Bibelkundlern zu allen Zeiten schwer zu schaffen machte. Der gehorsame Prophet heiratet Gomer. Die gebärt ihm drei Kinder. Später rettet er noch einmal eine Prostituierte, wobei nicht ganz eindeutig ist, ob es sich um die weggelaufene Gomer handelt. Sie ist in eine Abhängigkeit geraten, aus der sie mit Geld und Gerste freigekauft werden muß. Hosea löst sie aus, aber er schläft lange Zeit nicht mit ihr. Vielleicht um ein Exempel zu statuieren oder doch als Zeichen der Liebe, die das Verlorene nicht preisgibt, aber auf Reue und Gegenliebe wartet.

Hans-Albrecht Plästerer

Für die Abdruckgenehmigung danken wir dem "JS - Magazin für junge Soldaten", seiner Chefredakteurin Barbara Kamprad und dem Autor Hans-Albrecht Pflästerer.


 



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