Darum setze ich mich für verfolgte Christen ein

Volker Kauder

Auch wenn der eine oder andere die konkreten Zahlen für zu hoch hält, ist unbestritten, dass die Christen die am meisten verfolgte Religionsgruppe in der Welt sind. Das hat zunächst damit zu tun, dass das Christentum eine universale Religion ist, die es auf der ganzen Welt gibt. Ich beobachte allerdings auch, dass Christen vor allem dort mehr und mehr unter Druck geraten, wo der Islam an Einfluss gewinnt. Als Christen, die in unserem Land ihre Religion frei leben können, dürfen wir nicht einfach nur dankbar für dieses Geschenk sein. Nein, wir müssen uns auch für unsere Glaubensgeschwister in der ganzen Welt einsetzen, damit sie ebenfalls in den Genuss dieses Grundrechts kommen.

Ich habe mich schon vor vielen Jahren darüber etwas gewundert, dass zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zu Recht öffentlich kritisiert werden, dass aber fehlende Religionsfreiheit selten zu einem großen Thema wurde. Für verfolgte Christen fing ich mich besonders an zu interessieren, seit ich in meiner Funktion als Fraktionsvorsitzender auf meinen Reisen ins Ausland auch immer Vertreter der christlichen Kirchen treffe. Da wurde schnell deutlich, in welchen Ländern dies problemlos geht und wo jede Menge Probleme bestehen.

Dabei wurde mir auch klar, welche unterschiedlichen Formen der Verfolgung, Bedrängung und Diskriminierung es gibt. Dort, wo die Christen nicht staatlich bedrängt, sondern gesellschaftlich diskriminiert werden, muss eben der Staat sie davor schützen. Angemessenen Polizeischutz für Christen anzumahnen, war beispielsweise in Indien durchaus erfolgreich.

Selbstverständlich ist Religionsfreiheit nicht nur ein Thema der Christen. Jeder Mensch hat nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen einen Anspruch darauf, seine Religion frei leben zu dürfen. Fast alle Länder dieser Erde haben diese Konvention anerkannt, und trotzdem halten sich viele nicht daran. Es ist beklemmend zu erleben, wie ein solch großartiges Dokument der UNO in der Praxis immer wieder nicht durchgesetzt werden kann. Freiheit ist etwas Gigantisches, wonach die Menschen sich sehnen, vor allem natürlich dann, wenn sie es nicht haben. Aber es gibt nirgendwo auf der Welt wirkliche Freiheit, wenn es keine Religionsfreiheit gibt.

Deshalb setze ich mich für Religionsfreiheit in der Welt ein. Mein besonderes Augenmerk gilt dabei den verfolgten und bedrängten Christen, die als unsere Glaubensbrüder und -schwestern unserer Solidarität, unserer Unterstützung und unseres Gebets besonders bedürfen.

Volker Kauder
Volker Kauder

ist Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und war von Januar bis Dezember 2005 Generalsekretär der CDU.

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Publikationsdatum dieser Seite: 2016-01-20