Warum ich als Pfarrer in die Politik gegangen bin

Pascal Kober

Nehmen wir die Sorge um unseren Nächsten ernst, so sind wir als Christen alle zur Politik berufen. Denn die Politik entscheidet über die Regeln, die weite Bereiche unseres Zusammenlebens bestimmen und damit tief in das Leben jedes Einzelnen, auch unseres Nächsten, eingreifen. Deshalb sind wir alle zur Achtsamkeit und Verantwortung gerufen und müssen immer wieder fragen, ob die Regeln unseres Zusammenlebens auch den anderen, unseren Nächsten, gerecht werden. Und wenn nicht, dann müssen wir sie ändern. Alleingelassen sind wir mit dieser Aufgabe nicht. Wie der Bauer im Markusevangelium, der morgens aufsteht, den Samen auf das Feld aussät und sich abends in der Gewissheit niederlegt, dass der Samen aufgehen und zur Ernte heranreifen wird, so haben wir die Zusage, dass Gott mit uns zusammen am Werk ist. Aber der Bauer ist nicht untätig. Er tut das in seiner Macht Stehende, das, was seine Aufgabe ist, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Als junger Mensch habe ich das Evangelium stürmisch und drängerisch verstanden. Machtvolle, strenge und die ungerechten Zustände anklagende und richtende Prophetenworte motivierten und orientierten mich. Martin Luther Kings Rede "I Have a Dream - Ich habe einen Traum", habe ich als Schüler so oft angehört, bis ich sie fast auswendig konnte. Im Laufe der Jahre aber habe ich mich gefragt, ob es nicht auch Zeiten gibt, in denen Christen statt nur zur Kritik auch zur Mitverantwortung im Sinne von tätiger Mitgestaltung aufgerufen sind. Und ist es denn nicht auch ein ganzes Stück wohlfeil, sich darauf zu beschränken, nur von der Kanzel herab in wenigen Worten die Ungerechtigkeiten in der Welt beim Namen zu nennen und die Welt mit Worten neu zu ordnen? Ist es für Christen eine Option, bei einem "Man müsste" zu verharren? Als Christen wissen wir allerdings, dass wir als Gemeinde gemeinsam ein Leib mit vielen Gliedern sind, ein Geist und viele Gaben. Nicht jeder muss deshalb Partei- oder Berufspolitiker werden.

Aber wir dürfen die Verantwortung für die Politik auch nicht einfach nur anderen übertragen. Zumindest müssen wir an Wahlen teilnehmen, Menschen zu Kandidaturen und Parlamentsarbeit ermutigen und uns deshalb vielleicht auch einmal selbst zur Wahlstellen. Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, in eine Partei einzutreten und mich politisch zu engagieren. Dass es in den Bundestag führen könnte, war mir da noch nicht klar und war auch nicht beabsichtigt. Als es dann aber so gekommen ist, habe ich es als Aufgabe und Geschenk zugleich angenommen.

Pascal Kober
Pascal Kober

arbeitete nach dem Vikariat als Pfarrer im Schuldienst und sitzt seit 2009 für die FDP im Deutschen Bundestag.

Meine Rede

2016 Evangelische Kirche in Deutschland | Datenschutz | Impressum | Sitemap
Publikationsdatum dieser Seite: 2016-06-14