Warum ich mich taufen liess

Manuela Schwesig

Der wichtigste Grund für die Entscheidung, mich taufen zu lassen, war die Geburt meines Sohnes. Als er zur Welt kam, war das für mich ein kleines Wunder und mir war klar: Als Mutter trage ich die Verantwortung für ihn. Aber es ist auch gut, die schützenden Hände Gottes über meinem Sohn, meinem Mann und mir zu wissen. Doch woher kam dieses Gottvertrauen? Ich bin überhaupt nicht religiös erzogen worden. Meine Kindheit und Jugend habe ich in der DDR erlebt. Meine Eltern, meine Familie, meine Freunde hatten keinerlei Bezug zur Kirche.

Erst nach der Wende lernte ich Menschen kennen, für die die Kirche und ihr Glauben von essenzieller Bedeutung waren. Die Kraft , die sie aus ihrem Gottvertrauen gezogen haben, hat mich geprägt. Viele von ihnen hatten sich in der Bürgerrechtsbewegung engagiert. Unter dem schützenden Dach der Kirche träumten sie von einer anderen Gesellschaft. Sie verkörpern Werte, für die auch ich stehe: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Es ist kein Zufall, dass sich viele von Ihnen der SPD zuwandten. Und auch für mich passen mein Glaube und mein Engagement in dieser Partei sehr gut zusammen. Das Thema Gerechtigkeit zieht sich durch die Bibel wie ein roter Faden. Er stärkt meinen Gerechtigkeitswillen. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Er liebt uns mit all unseren Fehlern und Schwächen, Stärken und Talenten.

Christin sein bedeutet für mich, bewusst "Ja" zum Leben zu sagen. Nicht alles hinnehmen und geschehen lassen, sondern Verantwortung übernehmen - für mich selbst, meine Familie und für die Gesellschaft . Das ist es auch, was mich als Politikerin antreibt. Ich möchte helfen, diese Welt ein Stück weit gerechter und lebenswerter zu machen. Ich will dabei helfen, die Lasten der Schwächeren zu tragen und diejenigen mahnen, die es besser haben und andere nicht daran teilhaben lassen.

Meine Taufe liegt nun schon ein paar Jahre zurück. Es war ein wunderbarer Tag im Kreise meiner Lieben. Ich ziehe sehr viel Kraft aus meinem Glauben, genieße das gemeinsame Beten und Singen im Gottesdienst. Dort sammle ich meine Energie und gehe gestärkt in den Alltag. Um meine Arbeit gut zu machen, aber vor allem, um für meine Familie und Freunde da zu sein. Mit dem Glauben ist es wie mit der Liebe, niemand kann ihn verordnen, er wächst im Herzen.

Manuela Schwesig
Manuela Schwesig

ist Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales des Landes Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende SPDLandesvorsitzende.

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Publikationsdatum dieser Seite: 2016-06-14