Was will Gott?

Beten bringt ins Gespräch - über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg

Grade komme ich vom "Gebetsfrühstückskreis für Abgeordnete des Deutschen Bundestages". Ab und an bin ich eingeladen, gleichwohl ich kein Mitglied des Deutschen Bundestages bin, als Gast dort dabei zu sein. Abgeordnete unterschiedlicher Fraktionen laden gemeinsam alle Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag zu diesem Gebetsfrühstück ein. Diverse Mitglieder des Bundestages - aus allen fünf Fraktionen - sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Veranstaltung. Sie findet regelmäßig in jeder Sitzungswoche am Donnerstag- und Freitagmorgen statt. Die Mehrzahl von ihnen gehört einer christlichen Kirche an. Anhand des Mottos "In Verantwortung vor Gott und den Menschen", unser Grundgesetz beginnt in diesem Sinne, finden sich aber auch Menschen anderen Glaubens wieder und zusammen.

Gänzlich außerhalb des "Protokolls", in einer von Offenheit und Vertrauen geprägten Atmosphäre, wird hier miteinander gesprochen und gebetet. Begonnen wird mit einem persönlichen geistlichen Impuls einer oder eines Abgeordneten. Dem folgen Gedanken und Fragen der anderen am Tisch. Es sind keine politischen Reden, es ist kein Austausch mit Kalkül, sondern es sind persönliche Zeugnisse, die dort ihren Platz haben und Schutz genießen. So gründen tiefe Beziehungen - über Fraktions- und Konfessionsgrenzen hinweg - hier in diesem ganz anderen Plenum des Bundestages, dem Gebetsfrühstückskreis der Abgeordneten. Ganz praktisch und wirksam findet hier der geistliche Austausch und das gemeinsame Gebet statt, Verständnis fördernd, Vertrauen bildend und das gemeinsame politische Arbeiten in der Substanz beeinflussend. Es ist, so lautet das übereinstimmende Zeugnis derer, die hier regelmäßig zusammenkommen, eine große Hilfe im politischen Geschäft, sich in dieser Weise zum Gebet zusammenzufinden, über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg, miteinander nach dem Willen Gottes fragend, gemeinsam betend.

Zu beten bedeutet auch, sich als in der Macht und in den Möglichkeiten begrenzt zu erleben, das aber nicht als Defizit zu empfinden, sondern als Chance zu ergreifen. In der Hinwendung zu Gott, in der Bitte darum, dass sein Reich komme und sein Wille geschehe, in der Bitte um das tägliche Brot und die Vergebung der Schuld, bleibt wach gehalten, was bewusst sein soll: Herr ist er, Gott.

Das Wissen, sich in Versuchungen verstricken zu können, die Anerkennung der Wirklichkeit des Bösen und der Notwendigkeit, davon erlöst zu werden, hilft im politischen Geschäft, wie auch überhaupt im Leben. Darum ist das Gebet so wichtig und Menschen verändernd. Beten ist hilfreich im politischen Geschäft, wie auch sonst im Leben. Denn es rückt zurecht. Es verändert uns, die wir beten, und die Welt, in der wir leben. Gebet hilft in der Not, es kann die Not wenden, auch darum ist es notwendig im politischen Geschäft . Denn so soll Politik sein: die Not der Menschen vor Augen und auf dem Herzen zu haben, um sie zu wenden und Gutes zu bewirken. Dazu braucht es Segen. So bitten wir.

Peter Jörgensen
Peter Jörgensen

Pfarrer einer Berliner Baptistengemeinde, ist "Beauftragter am Sitz der Bundesregierung" der Vereinigung evangelischer Freikirchen (vef).

Alltagsgeschichten

Keiner lebt für sich allein: Fünf Alltagsgeschichten über Zelte in der Kirche, Gemeindefeste und Brokdorf-Heimkehrer. Hier lesen Sie mehr.

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Publikationsdatum dieser Seite: 2016-07-20