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Reformationstag, Halloween und Gespenster

Ein Kommentar

"Gespenster":   Nein, hier geht es nicht um Ibsens berühmtes Drama, dessen zentrales Thema die Lebenslügen sind und in dem ein Pastor eine Hauptrolle spielt. Man sollte es übrigens mal wieder lesen, oder besser noch, aufführen. Es geht darum, was Halloween und der Reformationstag gemeinsam haben: Es ist der Kampf gegen Gespenster. Gruselig beleuchtete Kürbisse und den Thesenanschlag von Wittenberg miteinander in Verbindung zu bringen mag recht gewagt erscheinen. Aber beide wollen ja am Vorabend des Allerheiligentages Gespenster bannen. Hier die Gespenster der umherirrenden Verstorbenen, dort die Gespenster einer in ihren Irrtümern alt und unbelehrbar gewordenen Kirche. Ob die Kürbisfratzen ihren Zweck erfüllen? Da der christliche Glaube nichts von Toten weiß, die sich dann und wann zu einer Erscheinungstournee aufmachen, um den Lebenden einen gehörigen Schrecken einzujagen, können wir die Frage auf sich beruhen lassen. Auch wenn Halloween, wie viele meinen, prima zum rheinischen Brauchtum passt.

Ganz und gar nicht überflüssig ist hingegen der Reformationstag. An die Reformation dankbar zu erinnern und sie fröhlich zu feiern ist vor allem immer wieder notwendig, damit die Kirche nicht zum Opfer ihrer eigenen Lebenslügen und damit selber zum Gespenst wird. Zum Gespenst abgelebter Tradition, zum Gespenst verknöcherter Verkündigung, aber auch zum Gespenst trendiger Zeitgeistigkeit. Wie kann man dagegen angehen? Gespenster, das weiß jedes Kind, bannt man am besten mit Gesang. Auch da kann Martin Luther helfen. Ihm verdanken wir eine herrlich mitreißende Melodie und einen wunderschönen mutmachenden Text. Der Düsseldorfer Heinrich Heine nannte das Lied von der festen Burg begeistert die "Marseillaise der Reformation". Heute, wie damals gilt:
"Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten."


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Publikationsdatum dieser Seite: 20.03.2010 02:06