Logo der EKD

Themenheft zum Reformationstag 2011: Raus mit der Sprache!

Ratsvorsitzender der EKD, Präses Nikolaus Schneider

Liebe Leserinnen und Leser,

"Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich mit meinem Patenkind über Gott sprechen soll. Ich finde keinen Anknüpfungspunkt. Und ich denke, ein Pate sollte doch mehr sein als nur ein Geschenkeonkel." Fast nebenbei war der Mann mittleren Alters, der mir gegenübersaß, auf dieses Thema gekommen. Aber dann wurde es ein langes, nachdenkliches Gespräch.

Wie kann ein Reden, mein Reden vom Glauben gelingen? Wie kann ich eine Sprache finden, die glaubhaft und vertrauenswürdig ist? Fragen, die Christen umtreiben, wenn sie etwas von dem weitergeben wollen, was sie im Glauben erfahren und erlebt haben. Sie fühlen diese Spannung, reden zu wollen und nicht zu wissen, wann, wo und wie. Der Predigttext, der für den Reformationstag 2011 vorgeschlagen ist, stellt uns in diese Spannung hinein, in die Spannung zwischen Gegensätzen (Mt 10,26b-33): verborgen - offenbar, geheim - gewusst, Finsternis - Licht. Da ist das Flüstern ins Ohr und das Predigen von den Dächern.

Die Spannung soll in diesem Heft nicht aufgelöst werden. Es nimmt beides auf: das Offene und das Verborgene, das Dunkle und das Licht. Es geht darum, dort Neues zu entdecken, wo es uns durch Gewöhnung alltäglich geworden ist. Es zeigt Beispiele und gibt Anregungen. Es macht Mut zum Nachdenken und Innehalten. Wie kommen wir zu Sprache? Und liegen wir richtig bei manchen Versuchen, den Menschen "auf 's Maul zu schauen"? Die Sprache verrät uns. Manchmal verrät sie mehr von uns, als uns lieb ist. Sie ist ein wichtiges Werkzeug, vielleicht das wichtigste. Und dieses Werkzeug ist pfleglich zu behandeln.

In diesem Heft äußern sich Menschen über ihren Glauben. Wie schwierig es ist, darüber zu reden. Darüber können wir nicht hinweggehen. Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 sollte dies ein wichtiger Teil unserer Arbeit sein: Menschen ermutigen, Menschen befähigen, über ihren Glauben zu reden. Und Raum und
Ruhe bieten, das Evangelium flüstern zu hören, den Geheimnissen zu lauschen. Die Spannung löst sich nicht auf. Es ist schwer, es wird schwer bleiben, sich zu seinem Glauben, sich zu Christus zu bekennen. Die Erinnerung an die Reformation jedoch stärkt uns. Es ist die Erinnerung daran, dass Menschen nicht schweigen konnten,
dass sie laut geworden sind und sich angreifbar gemacht haben. Aber dies war nötig, damit sich etwas ändern konnte. Und das ist heute nötig, damit sich etwas ändern kann. Das Verborgene suchen, das Geheime finden, Licht ins Dunkel bringen, das Zugeflüsterte laut verkünden - dazu ermutigt die Erinnerung an die Reformation:
Redet, erzählt, stammelt, dichtet, singt das Evangelium.

Präses Nikolaus Schneider
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche
in Deutschland

Quelle: Themenheft zum Reformationstag: http://www.ekd.de/download/themenheft_jugendarbeit_2009.pdf


EKMD EKD
EKD / EKM
Copyright © 2012 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) | Impressum | Datenschutz
Publikationsdatum dieser Seite: 16.10.2012 16:15