Aus dem Themenheft zum Reformationstag: 15 16 17... selig
Ratsvorsitzender der EKD, Bischof Wolfgang Huber

Gerade zum Reformationstag stellt sich die Frage des Verhältnisses zwischen katholischer Kirche und den Kirchen der Reformation. Besonders für Kinder und Jugendliche bildet sich ein Bewusstsein der eigenen evangelischen Identität oft über solche direkten Vergleiche: Warum haben wir weniger Feiertage?
Pauls Ausgangsbeobachtung ist ja wirklich zutreffend: Die Reformation führte zu einer Verminderung der Zahl der Feiertage. Das hing mit ihrer Konzentration auf die Grundpfeiler der christlichen Lehre zusammen, die für einen separaten Heiligenkalender keinen Raum ließ. Das drückt sich in dem viermaligen "Allein" der lutherischen Reformation aus:
- Die Heilige Schrift, Altes und Neues Testament, ist das eine Wort Gottes, nach welchem alle Lehre und alle Lehrer zu beurteilen sind ("allein die Schrift").
- Jesus Christus ist der eine Mittler zwischen Gott und den Menschen und deshalb der alleinige Mittelpunkt der Kirche ("allein Christus").
- Die Rechtfertigung des Sünders geschieht "allein aus Gnade" und kommt in der biblischen Verkündigung von Gesetz und Evangelium zum Ausdruck.
- Die Rechtfertigung wird "allein durch den Glauben" ergriffen.
Diese Konzentration war eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Sie war ein Ruf zurück zu den Quellen. Der Einzelne trat in den Blick: Sein Glaube, seine Seelennot, sein Gewissen, seine Bildung und seine Mündigkeit. Um des Glaubens der Einzelnen willen wurde die Bibel übersetzt und der Buchdruck eingesetzt, es wurden aufklärerische Flugblätter und Schriften über den Glauben in breiter Form unter das Volk gebracht, Schulen gegründet und neue Lieder gesungen.
Als evangelische Kirche haben wir uns diesen innovativen Geist bewahrt und müssen ihn doch immer wieder neu hören und ihn uns schenken lassen. In allen Gemeinden gibt es eine hohe Kontinuität an gelingender Gemeindearbeit und innovativen Projekten. Kirche ist in Bewegung.
Ich erlebe in der evangelischen Kirche Fülle, Vielfalt und Kraft. Mit einem Wort: Die evangelische Kirche ist reich gesegnet.
So kennzeichnet die evangelische Kirche eine große Beweglichkeit und Aufgeschlossenheit. Sie ist Kirche im Aufbruch.
Ganz besonders denken wir an die Kinder und Jugendlichen in unseren Gemeinden - Kinder wie Paul, die mit ihren Fragen und ihrer Hartnäckigkeit uns die evangelische Kirche mit neuen Augen sehen lassen. Lassen wir uns von ihnen begeistern und inspirieren!
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Vorsitzender des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland
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15 16 17 ... selig
Das Themenheft zum Reformationstag mit dem Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarbeit
Quelle: Themenheft zum Reformationstag: http://www.ekd.de/download/themenheft_jugendarbeit_2009.pdf

