...und Halloween?

Kann ich als Christ Halloween feiern?

Ein Kommentar von Pfarrer Andrew Schäfer (Evangelische Kirche im Rheinland)

"It's Halloween again!" Am 31. Oktober nämlich. Manche von Ihnen werden sich noch erinnern, das war doch der Gedenktag der Reformation. Ein fast schon vergessener Feiertag auch in der Kirche selbst inzwischen, leider!

Inzwischen hat sich dieses andere Fest in den Vordergrund geschoben an diesem Tag: "It's Halloween again!" Die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gehört den Hexen, Geistern und Gruselmonstern. Die Zeit der Kürbisse, der Vampir-Partys und der bettelnden Gespenster an der Haustür. Die Zeit der Vorbereitung, vor allem für die Eltern hat längst begonnen, ein Glück nur, dass es das Internet gibt: Ein Buchversand dort bietet Ihnen rechtzeitig die entsprechende Ratgeber-Literatur für Eltern und Kinder. Fest-Ideen mit Schminkvorbildern, Deko-Variationen, der ultimative Halloween-Bastelblock oder der Band "Teddy feiert Halloween". Tipps für Geisterspiele, Vampirsuppen, Frankensteins Pizza, Zauberrezepte für ein Hexenbüffet mit "Spinnenspieß und Krötenschaschlik".

Woher kommt das eigentlich? Halloween hat seine Wurzeln in der religiösen Vorstellungswelt der Kelten. Der 1. November markierte dort den Winteranfang und den Beginn des neuen Jahres. Er wurde auch als Erntefest begangen. Sein keltischer Name war "Samhain". Die Jahreszeit wurde als eine Art "Zwischenzeit" für Magie und Schutzrituale genutzt, mit großen Leuchtfeuern auf den Hügeln, um böse Geister zu vertreiben.

Zum Teil wird vermutet, dass es in dieser Zeit auch Opferrituale gegeben habe. bei denen die Erstgeborenen geopfert wurden. Ganz archaischem Denken gemäß sah man einen engen Zusammenhang zwischen Geburt und Tod und hatte die Vorstellung, dass diese Mächte Fruchtbarkeit schenken und vorenthalten würden. So sollten die Opfer sie entsprechend beschwichtigen.

Von Irland aus schließlich wurde der 1. November als keltischer Jahresanfang mit dem Gedenken der Heiligen verbunden. Allmählich entwickelte sich das Allerheiligen-Fest in der ganzen Kirche daraus und wurde 835 durch Papst Gregor IV. für die Gesamtkirche angeordnet. In England wurde dann aus dem "All Saints' Day" oder auch "All Hallows' Day" in Verbindung mit dem ursprünglich keltischen "Samhain"-Fest, das am Vorabend des Allerheiligentages stattfand, also an "All Hallows' Evening" oder kurz "Hallows E'en" schließlich Halloween. Irische Auswanderer nahmen das Fest mit in die "neue Welt". In diesem traditionsarmen Raum wurde es zum populären Fest mit Kindermasken und Partys. Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts kam das Fest, vor allem durch die Medien und die Werbeindustrie auch nach Deutschland.

Heute kann man sagen, dass der ursprünglich keltisch-religiöse Hintergrund Halloweens verloren gegangen ist wie auch der Bezug zum kirchlichen Fest Allerheiligen. Im Zuge wachsender Säkularisierung und Kommerzialisierung hat sich Halloween als ein neues Fest etabliert. Es wurde über die Medien eingeführt, d.h. es handelt sich dabei nicht um ein gewachsenen Brauchtum, sondern eher um ein "Import-Brauchtum". Es ist ein Event, ein Fest mit stark karnevalistischer Ausrichtung, dessen Popularität zum einen auf der Lust am Verkleiden beruht, zum anderen auf geschickte Vermarktungsstrategien zurückzuführen ist. Vor allem jüngere Menschen können im Zuge fortschreitender Säkularisierung mit traditionell-christlich-konfessionell geprägten Feiertagen nicht mehr viel anfangen. Halloween hat eigentlich keinen religiösen Sinn mehr.

Der Unterschied zum Karneval liegt im Gruseln. Der Alltag wird dabei durchbrochen durch die Möglichkeit Verdrängtes, Unheimliches und Unberechenbares, das zum Leben dazu gehört, spielerisch auszuleben. Es ist ein Spiel mit dem angenehmen Gruseln, das Dunkelheit und Tod auslösen, solange sie uns nicht zu nahe kommen. Etwas provozierend ließe sich sagen: Halloween ist heute in der Tat ein heidnisches Fest, aber eines der neuen Heiden, die vielleicht die Mehrheit unserer Bevölkerung bilden, und die weder an heidnische Götter noch an den Gott der Bibel glauben, sondern an sich selbst und an ihren Spaß.

Die Frage, ob Halloween von Christen gefeiert werden kann oder nicht, ist eher eine Frage der Art, wie Paulus sie stellt (Röm 14): Kann ich als Christ Fleisch essen, das aus den Tempelopfern stammt, wenn es mir von meinem Gastgeber angeboten wird oder wenn ich es auf dem Markt einkaufe? Paulus beantwortet bekanntlich, dass man als Christ alle Freiheiten habe, solches Fleisch zu essen, dass diese Freiheit nur durch die Liebe eingeschränkt sei - z. B. durch die Liebe zu den Mitchristen, die Bedenken haben.

Ob ich Halloween also feiere, ist eine Frage der Verantwortung gegenüber den beteiligten Menschen, Kindern wie Erwachsenen. Ist es ein fantasievolles Spiel oder ist es ein Anlass, dümmliche Gruseleffekte zu inszenieren, die den Kindern Angst machen? Ist es nur wieder neuer Kommerz oder ist es ein fröhliches, kreatives Fest? Entscheiden Sie selbst! Das ist gute protestantische Tradition und wird der Tatsache gerecht, dass Halloween erst in seinem jeweiligen situativen Kontext sein wenn überhaupt religiöses Gepräge bekommt.