Christen in Jerusalem und im Westjordanland brauchen Hilfe

EKD-Auslandsbischof Koppe tief beunruhigt über die Situation der Christen

22. Januar 2001

Nach der Rückkehr von einer mehrtägigen Reise nach Jerusalem und ins Westjordanland ist der Auslandsbischof der EKD, Rolf Koppe, tief beunruhigt über die Situation der Christen seit dem Ausbruch von Gewalttätigkeiten zwischen Israelis und Palästinensern Ende Oktober letzten Jahres: "In der Altstadt von Jerusalem und in Bethlehem sind die Hotels geschlossen, alle Gruppenreisen sind abgesagt." Bei einem Besuch in Beit Jala, einem überwiegend von Christen bewohnten Dorf bei Bethlehem konnte er die im November zerstörten oder stark beschädigten Häuser in Augenschein nehmen und mit den betroffenen Menschen sprechen, die in Beit Jala zwischen die Fronten von islamischen Fundamentalisten und dem israelischen Militär geraten sind. Es sei dringend nötig, humanitär zu helfen und Zeichen der Solidarität zu setzen, damit die wenigen Christen im Heiligen Land Mut zum Bleiben bekommen. Der Zusammenbruch des Tourismus habe verheerende Folgen für alle, besonders betroffen seien jedoch die Kirchen, die mit keiner Hilfe von außen rechnen können wie z.B. die äthiopische orthodoxe Kirche. "Jerusalem geht uns alle an", sagte der Auslandsbischof und ruft dazu auf zu helfen.

Beeindruckend sei der Wille der kleinen Evangelisch-lutherischen Kirche, die Christen, Juden und Muslime verbindende Begegnungsstätte "Abrahamsherberge" in Beit Jala weiterzuführen, um eine Insel der Vertrauensbildung auch für die Zukunft zu schaffen. Im übrigen sei es zutiefst bedauerlich, dass die große Politik die christlichen Minderheiten vergessen habe. Bei den Teilungsplänen der Altstadt Jerusalems würden die Kirchenführer in die Überlegungen nicht einbezogen und im Verfassungsentwurf für einen palästinensischen Staat seien die Rechte der christlichen Kirchen bislang völlig unzureichend verankert. Koppe richtet die Bitte an die christlichen Weltbünde, die Entwicklungswerke sowie an die politisch Verantwortlichen und die Medien, die Christen, die nur zwei Prozent der Bevölkerung in Israel und im Westjordanland ausmachen, international kräftig zu unterstützen. "Es darf nicht so werden, dass die Heiligen Stätten zu Museen werden und die einheimischen Christen das Land verlassen, weil sie keine Zukunft vor sich sehen", sagte Koppe.

Hannover, 22. Januar 2001
Pressestelle der EKD



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