Kock: Bubis bleibt Vorbild im Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz

"Juden haben engagierten Fürsprecher und Streiter für ihre Belange verloren"

16. August 1999

Als Vorbild an Entschiedenheit im Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz hat der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, den gestern in Tel Aviv (Israel) beigesetzten Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, gewürdigt. Präses Kock wandte sich heute (16. August) mit Kondolenzschreiben an die Witwe des Verstorbenen, Frau Ida Bubis, und an den Zentralrat der Juden.

An den Zentralrat der Juden schrieb der EKD-Ratsvorsitzende unter anderem: "Unser Mitgefühl gilt in diesen schweren Tagen allen Juden in unserem Land, die einen engagierten Fürsprecher und Streiter für ihre Belange verloren haben. Als Jude in Deutschland zu leben, das sollte nach dem Willen von Ignatz Bubis wieder zu einer Selbstverständlichkeit werden, die keine Rechtfertigung braucht und keine Anfeindung erleidet", hob Kock hervor. Bubis sei rastlos unterwegs gewesen, um insbesondere die junge Generation für dieses Ziel zu gewinnen. "Seine mahnende und warnende Stimme war stets zu hören, wenn es galt, Worte und Taten zurückzuweisen, die die historische Verantwortung der Deutschen für die in der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Verbrechen gegen die Juden zu leugnen versuchten." Der Ratsvorsitzende würdigte Bubis zugleich als herausragenden Mitstreiter "für die Rechte von Behinderten und Flüchtlingen und für die demokratische Kultur in unserem Land".

Kock stellte auch das große Engagement des Verstorbenen für das Zusammenleben von Juden und Christen heraus. Er erinnerte an die bei den Begegnungen des Rates der EKD mit dem von Ignatz Bubis geleiteten Zentralrat der Juden in Deutschland besprochenen Fragen: "Das Benennen der Mitschuld von Christen am Holocaust und deren Konsequenzen, die Aussöhnung zwischen Juden und Christenheute, aber auch das gemeinsame Eintreten für die öffentliche Bedeutung von Religion in unserer Gesellschaft waren und bleiben wichtige ernste Themen, die wir weiterbehandeln müssen." Die Evangelische Kirche in Deutschland trauere um einen bedeutenden Deutschen jüdischen Glaubens und werde Ignatz Bubis stets ein ehrendes Gedenken bewahren.

Hannover, den 16. August 1999
Pressestelle der EKD



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