Christlich-islamischer Dialog der EKD

04. Oktober 1999

Am 1. Oktober 1999 ging in Berlin ein christlich-islamischer Dialog zu Ende, den eine Delegation der EKD mit der jordanischen Al Albait-Stiftung durchgeführt hat. Vom 28. September an nahmen 34 Fachleute, Theologen und Wissenschaftler aus acht Ländern daran teil, darunter der Religionsminister Jordaniens. Als Thema wurden "gemeinsame Aufgaben beim Aufbau einer sich entwickelnden Welt" behandelt.

Bundespräsident Dr. Johannes Rau gab den Gästen gleich nach ihrer Ankunft einen Empfang im Schloß Bellevue und unterstrich dabei die Wichtigkeit des Dialogs der Kulturen und Religionen. Er ermunterte die beiden Delegationen, mit ihrem Dialog diese Bemühungen zu unterstützen.

Die Diskussionen beschäftigten sich mit den veränderten Bedingungen in einer von widersprüchlichen Strömungen geprägten Welt. Vor allem die Felder von Wirtschafts- und Sozialpolitik, Entwicklungsarbeit und Kultur wurden dabei behandelt. Als gemeinsame Grundlagen für Christen und Muslime wurden dabei herausgestellt, daß Gerechtigkeit die Grundlage aller Beziehungen sowohl im individuellen als auch im gemeinschaftlichen Austausch, aber auch im zwischenstaatlichen Bereich sein müsse. Dabei verlangt die Anerkennung der pluralistischen Entwicklungen nach differenzierter Sichtweise und Berücksichtigung der jeweiligen Kulturen und Werte. Christen und Muslime haben die Aufgabe, von ihren Glaubensgrundlagen her der Übermacht wirtschaftlichen Denkens entgegenzutreten.

Konkrete gemeinsame Aufgaben müssen noch erarbeitet werden. Als Ausgangspunkt dafür wurden vier gemeinsame Grundvoraussetzungen formuliert:

a) das Prinzip der Gleichheit in den gegenseitigen Beziehungen trotz unterschiedlicher Lebenssituationen

b) den Respekt anderer einschließlich ihrer religiösen Überzeugungen sowie sozialen und moralischen Werte und Traditionen

c) die Einhaltung und Verteidigung der Menschenrechte

d) das Prinzip der Fairneß, um allen gleiche Chancen sowie Zugang zu Wissen und Know-how zu geben, wobei die Entwicklungsarbeit eine wichtige Rolle im Kampf gegen Armut spielt.

Es ist beabsichtigt, Modalitäten und Verfahren für eine Kooperation zwischen Christen und Muslimen zu erarbeiten. Bischof Dr. Rolf Koppe, der Leiter der EKD-Delegation in diesem Dialog, sprach die Hoffnung aus, daß diese allgemeinen Prinzipien, auf die man sich verständigt hat, umgesetzt werden. "Wir brauchten jetzt direkte Kontakte besonders für die junge Generation, um zusammen mit dem gegenseitigen Kennenlernen aus unserem jeweiligen Glauben heraus diese Ziele in die Praxis umzusetzen."

Der Dialog ist 1995 in Loccum mit dem Thema "Frieden" begonnen und 1997 in Amman mit dem Thema "Religion und Säkularisierung" fortgesetzt worden.

Hannover, 4. Oktober 1999
Pressestelle der EKD



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