"Wird der Islam zur Bedrohung?"

Tacheles-Debatte zum Verhältnis von Religion und Gewalt

17. August 2004

Das Thema Islam sei in Deutschland vielfach angstbesetzt, so der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Braunschweig, Friedrich Weber. Es gelte das Gemeinsame stärker wahrzunehmen als das Trennende. Dagegen warnt der Publizist Udo Ulfkotte vor weitreichenden Verflechtungen einer gewaltbereiten Islamistenszene in Deutschland. Wer diese ignoriere, werde bald "sein blaues Wunder erleben". Bischof Weber, Udo Ulfkotte sowie der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, der Grünen-Politiker Cem Özdemir und der CSU-Generalsekretär Markus Söder diskutieren am Dienstag, den 24. August, ab 19 Uhr in der hannoverschen Marktkirche bei der Kirchentalkshow "Tacheles" über die Frage "Wird der Islam zur Bedrohung?"

Immer wieder erschüttern Gewalttaten von Terroristen im Namen Allahs die Welt.  Muslimische Verbände in Deutschland haben sich von Gewalt distanziert – doch das Misstrauen wächst. Schon sehen sich Muslime unter Generalverdacht. Die Innenminister der Länder beschlossen eine zentrale Islamistendatei, denken laut über Kameraüberwachung von Moscheen nach. Es dürfe nicht zu einem Kampf der Kulturen kommen, warnt der Braunschweiger Bischof Weber, der Anfang August im Nahen Osten war und auch mit dem Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat zusammen traf. Die Muslime hätten die Pflicht, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, sagt Nadeem Elyas – und fordert zugleich Zugeständnisse etwa beim islamischen Religionsunterricht oder dem Wunsch islamischer Frauen, auch im Staatsdienst Kopftuch zu tragen.

Der CSU-Politiker Markus Söder meint, für den Kampf gegen den Terror brauche es „deutlich mehr Gesetze, um die Freiheit der Menschen sichern.“ Gewaltbereite Islamisten hätten in Deutschland nichts zu suchen. Eine „Peinlichkeit“ wie den Fall des islamischen Hasspredigers Metin Kaplan hätte es in Bayern niemals gegeben. „Der Islam ist bunt und hat viele Schattierungen“, sagt Cem Özdemir, Grünen-Abgeordneter im Europaparlament und Muslim. „Wer Selbstmordattentate und Anschläge verübt, darf sich auf keine Religion berufen.“ Ebenfalls zu Gast bei Tacheles wird Muhammad Sven Kalisch sein. Er ist Deutschlands erster Professor für islamische Religion, der künftige Lehrkräfte ausbildet.

Es moderieren Hanna Legatis (NDR) und Pastor Jan Dieckmann (Evangelische Radio- und Fernsehkirche im NDR). Die Debatte wird übertragen auf Phoenix, dem Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF, am Mittwoch, 25. August um 16.30 Uhr, am Samstag, 28.8., 22.15 Uhr, und am Sonntag, 29.8., 17.00 Uhr. NDR Info, das Informationsprogramm des Norddeutschen Rundfunks, strahlt eine Zusammenfassung der Debatte am Mittwoch, 25. August, um 19.37 Uhr aus.

Hannover, 17.  August 2004

Pressestelle der EKD   
Silke Fauzi

Weitere Informationen unter www.tacheles.net



erweiterte Suche

 

Themenliste



Das könnte Sie auch interessieren...