Religionsfreiheit im Kontext von Christentum und Islam

Tagung zum interreligiösen Dialog in Berlin

03. September 2004

Durch die Terroranschläge von New York und Madrid sei die Zeit der interreligiösen Unverbindlichkeit zu Ende gegangen, so der Leiter der Rechtsabteilung im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Burkhard Guntau. Eines der Themen, die im Dialog der Religionen mit neuem Ernst besprochen werden müssten, sei das Recht auf Religionsfreiheit. Eine Tagung des Islamisch-Christlichen Arbeitskreises in Kooperation mit der Evangelischen Akademie zu Berlin beschäftigt sich vom 5. bis 7. September mit der "Religionsfreiheit im Kontext von Christentum und Islam". Sie findet statt im Haus Morgenland in Berlin-Lichterfelde.

Die Religionsfreiheit sei auch für die christlichen Kirchen "eine Gretchenfrage", so Guntau in seinem Vortrag "Religionsfreiheit - Anliegen oder Anfrage" am Montag, den 6. September. Denn diese Freiheit schließe das Recht ein, keiner Religion anzugehören oder aus einer Glaubensgemeinschaft auszutreten. Es räume aber auch anderen Religionen das Recht ein, für ihre Überzeugung zu werben. Guntau erklärt, dass Religionsfreiheit heute "eine unaufgebbare Forderung und ein Anliegen der beiden großen Kirchen in Deutschland" sei - er erläutert aber auch, wie sich diese Einstellung im Laufe der Geschichte erst entwickeln musste. Heute sei es an den anderen Religionen - wie insbesondere dem Islam - sich in das freiheitliche System des Religionsverfassungsrechts des Grundgesetzes einzubringen.

Dass Religionsfreiheit von Christen und Muslimen unterschiedlich verstanden und bewertet wird, weiß auch Martin Affolderbach, Referent für den Islam im Kirchenamt der EKD und einer der Organisatoren der Tagung. "Wir freuen uns besonders, dass es gelungen ist, mit Professor Ali Bardakoglu, dem Präsidenten des Präsidiums für Religionsfragen der Türkei einen so hochrangigen Vertreter der muslimischen Seite zu gewinnen." So wird sich die Tagung nicht nur mit Grundsatzfragen zur Religionsfreiheit beschäftigen, sondern auch mit Muslimen in Deutschland, aber auch mit der Situation der christlichen Minderheit in der Türkei. Affolderbach erwartet spannende Diskussionen. Und auch Burkhard Guntau betont in seinem Vortrag, dass Toleranz nicht zu verwechseln sei mit Gleichgültigkeit. "Religiöse Toleranz meint das Aushalten und Austragen von Differenzen."

Hannover, 03. September 2004

Pressestelle der EKD 
Silke Fauzi



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