Zunehmende Verfolgung christlicher Minderheiten in einigen Ländern

Verletzungen der Religionsfreiheit mehr Aufmerksamkeit schenken

4. September 2003

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen haben das Bewusstsein für die eminente Bedeutung eines friedlichen Miteinanders der Religionen geschärft. Unter dem Titel "Bedrohung der Religionsfreiheit - Erfahrungen von Christen in verschiedenen Ländern" gibt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine Textsammlung heraus, die einen Beitrag zur kirchlichen Positionsbestimmung leisten und den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft beim Einsatz für eine weltweite Verwirklichung der Religionsfreiheit Hilfestellung bieten soll.

Meldungen von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen im Norden Nigerias oder von Anschlägen auf christliche Einrichtungen in Pakistan haben Erschrecken in der internationalen Öffentlichkeit hervorgerufen. Die Hintergründe und Auswirkungen solcher Vorfälle erhalten jedoch oft wenig Aufmerksamkeit. Anliegen der Publikation ist, für die Komplexität des Themas sensibilisieren und die Vielschichtigkeit der Konflikte zwischen Religionsgemeinschaften und Gläubigen zu verdeutlichen. Zugleich will sie die Situation bedrängter Christen ins Blickfeld rücken und Solidarität mit den Menschen zum Ausdruck bringen, die ihren Glauben nicht frei leben können.

In einem Einführungsteil behandelt die Publikation allgemeine Aspekte. Robert Leicht vertieft einige grundsätzliche Überlegungen. Dwain Epps nähert sich dem Thema aus der ökumenischen historischen Perspektive; Hermann Gröhe und Gerhard Robbers beleuchten den politischen und den völkerrechtlichen Kontext. In einem zweiten Teil werden an neun ausgewählten Länderbeispielen Situationen christlicher Minderheiten in unterschiedlichen regionalen, historischen und religiösen Kontexten dargestellt, darunter Texte zur Lage in Ägypten, China, Indonesien, Pakistan und der Türkei. Die Artikel wurden von Personen verfasst, die die jeweiligen Länder aus langjähriger eigener Erfahrung und Arbeit kennen. Sie gehen über eine Symptombeschreibung hinaus und vergegenwärtigen zum Teil Jahrhunderte zurück reichende Konfliktursachen, führen die verschiedenen Sichtweisen der Konfliktparteien vor Augen und zeigen Unterschiede im Verständnis von Religionsfreiheit und Menschenrechten sowie die Verquickung zwischen religiösen, sozialen und politischen Interessen auf. Obgleich sich Ursachen und Auswirkungen vielfach ähneln, verdeutlichen die Länderartikel, wie komplex und unterschiedlich die jeweiligen Rahmenbedingungen sind und wie oberflächlich der Blick von außen oft bleibt. Damit regen die Artikel zum Hinterfragen von Verallgemeinerungen und Feindbildern an. Weiterführende Literaturhinweise geben die Möglichkeit, angeschnittene Problemfelder zu vertiefen.

Die Publikation, die als EKD-Text 78 erscheint, ist in Zusammenarbeit zwischen den Menschenrechtsreferaten im Kirchenamt der EKD und im Diakonischen Werk der EKD, dem Evangelischen Missionswerk Deutschland und der Vereinten Evangelischen Mission erstellt worden. Sie soll engagierten Christinnen und Christen Hilfestellung geben im Umgang mit Hilferufen von kirchlichen Partnern, die ihren Glauben nicht frei ausüben können. Dafür enhält sie Hinweise auf grundlegende kirchliche Stellungnahmen und völkerrechtliche Dokumente, auf weiterführende Literatur und auf nützliche Internetseiten.

Der Text ist ab dem 4. September zum Preis von 1,10 € beim Kirchenamt der EKD, Telefon 0511/2796-460, Fax 0511/2796-457, E-Mail: versand@ekd.de, erhältlich.


Hannover, 3. September 2003
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Der EKD-Text 78 im Wortlaut



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