Ratsvorsitzender predigt am Israelsonntag

Wolfgang Huber: Eintreten für die Menschen im Nahen Osten

18. August 2006

Im Nahen Osten sei eine „Parteinahme für die Menschen“ nötig, sagte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seiner Predigt zum Israelsonntag am 20. August im Berliner Dom. Wahrhaftig werde ein solches Eintreten durch die Umkehr zu Gott, „nicht aus der Parteinahme für die eine oder die andere Seite“, sondern für die Menschen. Es gehe darum, den Ruf des Evangeliums laut werden zu lassen. „Unsere Aufgabe besteht nicht darin, den derzeitigen Konfliktparteien die richtigen Maßnahmen vorzuschreiben“, so Wolfgang Huber. Er hoffe, „dass der Waffenstillstand hält und dass er dazu genutzt wird, das Misstrauen zu überwinden und dem Frieden Raum zu schaffen.“

„Der Atem stockt, wenn man im Jahr 2006 den Namen dieses Sonntags ausspricht: Israelsonntag“, so der Ratsvorsitzende. In diesem Jahr werde der Israelsonntag, der 10. Sonntag nach Trinitatis, vor „einem düsteren Hintergrund“ begangen. „Angesichts der beunruhigenden Nachrichten aus dem Nahen Osten fällt es schwer, das Wort des Propheten nachzusprechen: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!“. Auch in den Worten des Propheten Jesaja könne man die Spannung zwischen der von ihm verkündeten großen Friedensvision und „den eigenen unfriedlichen Erfahrungen“ spüren, sagte der Ratsvorsitzende mit Bezug auf den Predigttext in Jesaja 62,6-12. Jesaja spreche von Wächtern auf den Zinnen Jerusalems, die darüber wachen sollen, dass Gott sich an seine Verheißungen und Zusagen erinnert. In den vergangenen Wochen „waren wir alle aufgefordert, Wächter zu sein. Deshalb mussten wir Gott und die Menschen darauf aufmerksam machen, wie sehr sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Zugleich aber spüren wir den tief sitzenden Hass der radikalisierten Muslime auf Israel und die westliche Welt.“ Wachsame Menschen spürten das auch in Israel.

Der Bischof berichtete vom israelischen Schriftsteller David Großmann, dessen Sohn als Soldat 14 Tage vor seinem 21. Geburtstag im Südlibanon gestorben ist. Gemeinsam mit Amos Oz und anderen Schriftstellerkollegen habe Großmann in den letzten Wochen Verständnis für die militärische Reaktion Israels gezeigt. Er „forderte aber zugleich, dass Israel die Bemühungen um einen Waffenstillstand aufnehmen und die geplante Bodenoffensive unterlassen solle.“ Andere Formen, „rastlos zu sein und auch Gott keine Ruhe zu lassen um des Friedens willen“ sei das Engagement der evangelischen Gemeinden. Die Sorge um die Menschen, deren Leben bedroht war, habe das Leben in der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Beirut in den letzten Wochen bestimmt, berichte Pfarrerin Friederike Weltzien. In der evangelischen „Abrahams Herberge“ in Beit Jala im Westjordanland seien rund 20 arabische Israelis aus Nordisrael aufgenommen worden. „Die Mitarbeiter des Gästehauses brachen ihre Ferien ab, um den traumatisierten Flüchtlingen, vor allem den Kindern unter ihnen, beizustehen.“ Deutsche Kirchen unterstützten diese Hilfe.

„Das Heil, auf das wir hoffen, steht noch aus.“ Die Menschen sehnten sich nach Frieden für Israelis, Libanesen und Palästinenser. Eine Umkehr zu Gott könne dem Dialog der Religionen neue Kraft geben, wie dem Dialog zwischen Juden und Muslimen, „auch wenn das Verhältnis zwischen ihnen heute zum Zerreißen gespannt ist.“ Der Nahe Osten brauche Feindesliebe, so Bischof Wolfgang Huber. Anders könne Hass und Unversöhnlichkeit kein Ende finden.

Hannover, 18. August 2006

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Der Israelsonntag wird seit dem frühen Mittelalter im Christentum am 10. Sonntag nach Trinitatis gefeiert. Er ist dem Gedenken an die Zerstörung des jüdischen Tempels gewidmet, zugleich seit den sechziger Jahren mit einem Gedenken an die Judenverfolgung des Dritten Reiches verbunden sowie mit der Reflexion des Verhältnisses von Kirche und Israel.

Die Predigt des EKD-Ratsvorsitzenden am Israelsonntag im Berliner Dom



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