Auch in spannungsreichen Zeiten im Gespräch bleiben

Grußwort des EKD-Ratsvorsitzenden zum Ende des Ramadan

03. Dezember 2002

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, hat in einem Grußwort zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan die Bedeutung des Dialoges zwischen den Religionen betont. "Gerade in Zeiten von Spannungen und Misstrauen ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben", so Kock.

Er dankte den muslimischen Mitbürgern in Deutschland für die in vielen Veranstaltungen während des Ramadan erwiesene Offenheit und Gastfreundschaft. Dies habe Nicht-Muslimen ermöglicht, "etwas von der spirituellen Dimension" des Islam kennen zu lernen.

Christen und Muslime seien miteinander verpflichtet, "die Friedenskräfte in der je eigenen Tradition zu stärken". Dem politischen Missbrauch religiöser Überzeugungen müsse entgegengetreten werden.

Hannover, 29. November 2002
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Im Wortlaut:

Grußwort des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan 2002

Sehr geehrte Muslime und Musliminnen in Deutschland!

Sie begehen in diesen Tagen das Fest des Fastenbrechens, mit dem der Fastenmonat Ramadan einen feierlichen Abschluss findet. Ich sende Ihnen dazu im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland dazu meine herzlichen Grüße und Glückwünsche.

Der Monat Ramadan erinnert an den Ursprung Ihres Glaubens. Die Fastenzeit bietet Ihnen die Gelegenheit, sich mit Körper, Seele und Geist intensiver als zu anderen Zeiten des Jahres auf Gott auszurichten und ihn zu ehren. Wir wissen: Diese Zeit ist für Sie auch Anlass, in besonderer Weise an bedürftige Menschen zu denken und ihnen Gutes zu tun, und es ist eine Zeit der Versöhnung und des Friedens.

Das Fastenbrechen ist in Ihrer Tradition eng verbunden mit Einladungen und Besuchen von Familien, Verwandten, Freunden und Nachbarn. Viele von Ihnen haben darum zum Fastenbrechen Christen und Gläubige anderer Religionen in Moscheen oder Versammlungsräume eingeladen. Zahlreiche Gäste, die Ihren Einladungen gefolgt sind, haben dabei etwas von der spirituellen Dimension Ihrer Religion kennengelernt. Sie haben auch Ihre Offenheit und Gastfreundschaft erfahren. Dafür möchte ich Ihnen sehr herzlich danken.

Das Ende Ihres Fastenmonats fällt in diesem Jahr in den Beginn der Adventszeit, die nach der christlichen Tradition der Besinnung und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest dient. Advent, das Warten auf Gottes Offenbarwerden in Jesus Christus, wird in manchen Kirchen mit Fasten begangen. Die Adventswochen wird von vielen Menschen genutzt, um Geschenke auszuwählen denn die Tradition des Schenkens hat ihren Ursprung in dem Gedanken, dass Gott allen Menschen mit Jesus von Nazareth das große Geschenk seiner Liebe gemacht hat. Darum gehören auch Geschenke und Spenden an bedürftige Menschen in Deutschland und an Notleidende in anderen Ländern zur guten christlichen Weihnachtstradition.

Nicht allein wirtschaftlicher Erfolg, sondern Offenheit gegenüber den anderen, Versöhnung, Mitleid mit den Schwachen und Solidarität mit den Armen halten unsere Gesellschaft zusammen. Religiöse Intoleranz und Gewalt dagegen zerstören die Grundlagen des Zusammenlebens. Weder Christen noch Muslime können dies hinnehmen. Wir sind miteinander verpflichtet, die Friedenskräfte in unseren je eigenen Traditionen zu stärken und dem politischen Missbrauch religiöser Überzeugungen entgegenzutreten. Ein friedvolles Miteinander wird dauerhaft nur dort möglich sein, wo Freiheit und Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenwürde und der Respekt vor den jeweiligen religiösen Überzeugungen gewährleistet sind.

Gerade in Zeiten von Spannungen und Misstrauen ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben. So kann jeder von uns etwas dazutun, um Vorurteile zu überwinden und Konflikte zu entschärfen. Wechselseitiges Kennenlernen und persönliche Kontakte sind unentbehrlich, damit Vertrauen aufgebaut und erhalten werden kann.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Gemeinden ein frohes Fest zum Ende des Fastenmonats."

Hinweis: In Deutschland leben rund 3,3 Millionen Musliminnen und Muslime. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender, der sich nach dem Mondjahr richtet. So verschiebt sich der Monat Ramadan jedes Jahr um 10 oder 11 Tage nach vorn. In diesem Jahr endet der Fastenmonat voraussichtlich am 5. Dezember.



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