Huber: „Es muss Schluss sein mit der Multi-Kulti-Schummelei“

EKD-Ratsvorsitzender spricht in Brüssel beim Jahresempfang

01. Dezember 2004

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hielt bei dem Jahresempfang des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union (EU), Prälat Stephan Reimers, und des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten, am 30. November in Brüssel einen Vortrag zu dem Thema „Religionsfreiheit und offene Gesellschaft- ein Prüfstein aktueller Dialoge in Europa.“ Ein offener und ehrlicher Dialog der Religionen über das jeweilige Verständnis von Menschenrechten und Religionsfreiheit sei angesichts der erschütternden religiös motivierten Gewaltakte der letzten Zeit notwendiger denn je. Das klare Bekenntnis zu den Grund- und Menschenrechten ohne Wenn und Aber bilde die gemeinsame Basis für die Zukunft Europas. Huber forderte ein Gegenmodell zur „Multi-Kulti-Schummelei“. Interreligiöser Dialog könne durchaus bedeuten, in Fairness und Respekt miteinander zu streiten.

Zuvor hatte Bischof Huber an einer Podiumsdiskussion zu dem Thema „Die Bedeutung des Menschen in der wissensbasierten Gesellschaft“ teilgenommen und mit dem neuen EU-Kommissar für Bildung und Kultur, Jan Figel, und dem Vize-Präsidenten des Europäischen Parlaments, Ingo Friedrich diskutiert. Anknüpfungspunkt der Diskussion war das erklärte Ziel der im Jahr 2000 von den europäischen Staats- und Regierungschefs beschlossenen Lissabon-Strategie, Europa bis zum Jahr 2010 zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Huber kritisierte den zu engen Bildungsbegriff der Lissabon-Strategie, der lediglich an ökonomischen und funktionalen Interessen ausgerichtet sei. „Ich bejahe ökonomischen Fortschritt, nicht aber eine Ökonomisierung unsere gesamten Lebens und Denkens“. Um die anstehenden wirtschaftlichen und sozialen Reformen zu bewältigen, müsse Europa seine Stärken hervorheben. Dabei müsse die kulturelle Dimension Europas stärker betont werden. Huber plädierte für ein neues Gleichgewicht zwischen Wirtschaft und Kultur, Ökonomie und Ethik sowie Verfügungs- und Orientie-rungswissen.

Daneben traf der Ratsvorsitzende zum Gedankenaustausch mit den Fraktionsvorsitzenden der beiden großen Parteien des Europäischen Parlaments, Martin Schulz und Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, zusammen.

Brüssel, 01. Dezember 2004

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi / Katrin Hatzinger

Hinweis:
Der Vortrag im Wortlaut



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