Ermutigendes Zeichen

Ratsvorsitzender Huber schreibt wg. Degussa-Beteiligung an Vorsitzenden der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

12. November 2003

Es wäre ein ermutigendes Zeichen, so schreibt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, wenn das Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sich entschließen könnte, dass die Zusammenarbeit mit der Firma Degussa unter bestimmten Voraussetzungen fortgesetzt werde. Bundestagspräsident Thierse ist Vorsitzender dieser Stiftung. Beim Bau des Mahnmals ist die Diskussion aufgekommen, ob die Firma Degussa, deren ehemalige Tochterfirma Degesch an der Ermordung der Juden in Europa beteiligt war, weiter mitwirken könne.

Huber verweist in seinem Schreiben darauf, dass sich gerade Degussa mit ihrer Geschichte während des Nationalsozialismus nachhaltig auseinander gesetzt habe. Die so bekundete gewandelte Einstellung habe Degussa auch durch ihr Verhalten in der Frage der Entschädigung für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen unter Beweis gestellt. „Es wäre vor diesem Hintergrund ein ermutigendes Zeichen, wenn sich das Kuratorium der Stiftung entschließen könnte, die Zusammenarbeit mit der Degussa unter bestimmten Voraussetzungen fortzusetzen,“ schreibt Huber wörtlich. Möglich schiene dies, wenn der gesamte Vorgang – vielleicht im Zusammenhang mit einer Darlegung der konfliktvollen Entstehungsgeschichte des Denkmals überhaupt – auf einer Tafel im Eingangsbereich oder an anderer herausgehobener Stelle festgehalten werde, schlägt der Ratsvorsitzende vor: „Die Stiftung könnte auf diese Weise mit dem Beispiel Degussa ein orientierendes Zeichen setzen, wie man als Institution in Deutschland mit der Vergangenheit umgehen kann und umgehen sollte, und zugleich ein Signal geben, dass ein Neuanfang, wie ihn die Degussa unternommen hat, nicht ohne Echo bleibt.“

Huber erinnert an die jüdische Tradition, in der es einen aus biblischer Weisheit geschöpften Leitsatz gebe: „Die Tore der Umkehr stehen ständig offen.“ Vielleicht sei eine zeichenhafte Tafel, wie er sie vorschlage, ein Rahmen, in dem alle Mitglieder des Kuratoriums mit einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der gewandelten Firma Degussa einverstanden sein könnten. Es erschiene ihm dies als eine außerordentliche Ermutigung für alle, die das Denkmal als einen Ort in die Zukunft mitnehmen möchten, „an dem Menschen über alles Grauen hinweg hoffnungsvoll zusammengeführt werden“. Huber weist zum Ende des Schreibens ausdrücklich darauf hin, dass er auch eine anders geartete Entscheidung des Kuratoriums respektieren werde.

Hannover/Berlin, 12. November 2003
Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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