Gute Beziehung zwischen kirchlichen Partnern in Jerusalem

Friedrich: Besorgnis über politische Entwicklung

10. März 2006

Dem scheidenden Propst von Jerusalem, Martin Reyer, sei es gelungen, die ökumenische Zusammenarbeit mit den protestantischen und orthodoxen Kirchen, die in der Jerusalemer Altstadt ihren Sitz haben, deutlich zu verbessern. Dies hebt der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland, Rolf Koppe, zum Abschied von Martin Reyer aus Jerusalem hervor. Der württembergische Theologe wird am kommenden Sonntag, 12. März, in der Erlöserkirche in Jerusalem verabschiedet. Er war knapp fünf Jahre Propst in Jerusalem und kehrt nun in den Dienst seiner Landeskirche zurück. Sein Nachfolger wird der Oldenburger Theologe Uwe Gräbe, der am 14. Mai in sein Amt eingeführt wird.

Martin Reyer hat auch den Konsultationsprozess zwischen der EKD, der Evangelischen Jerusalemsstiftung und der Deutschsprachigen Gemeinde in Jerusalem mit der Evangelisch Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELJCHL) begleitet. Diese selbstständige lutherische Kirche im Heiligen Land ist aus der Arbeit des Jerusalemvereins und der Jerusalemstiftung hervorgegangen. Der Konsultationsprozess wird nun voraussichtlich mit einem Vertrag über die Kirchengemeinschaft zwischen EKD und ELJCHL beendet werden.

Die Propstei in Jerusalem ist eine wichtige Anlaufstelle für alle, die nach Jerusalem kommen. Im Blick auf die vergangenen fünf Jahre stellte der Auslandsbischof deshalb fest:„In den schwierigen Zeiten der Intifada ist es Martin Reyer gelungen, die Gratwanderung zwischen Palästinensern und Israelis zu bewältigen. Er und seine Frau waren allen, die sich auch in Zeiten kritischer politischer Lage in Jerusalem einfanden, aufopferungsbereite Gastgeber."

Der Vorsitzende der Evangelischen Mittel-Ost Kommission (EMOK) und der EKD-Stiftungen im Heiligen Land, Landesbischof Johannes Friedrich hob anlässlich der Verabschiedung von Martin Reyer hervor, dass die guten Beziehungen zwischen den kirchlichen Partnern gerade in der derzeitigen Phase politischer Unsicherheit von entscheidender Bedeutung seien. In den Wochen vor den Wahlen in Israel und einer endgültigen Regierungsbildung in Palästina sehe er mit Sorge auf die Zukunft des Friedensprozesses und das Zusammenleben in Jerusalem als einer Stadt der verschiedenen Kulturen und Religionen.

Die Bereitschaft, Verschiedenheit zu ertragen und gewaltfrei mit Spannungen umzugehen sei gerade für die Propstei in der Altstadt von Jerusalem entscheidend, meinte der bayerische Landesbischof, der selbst schon Propst in Jerusalem gewesen ist. Auch das Auguste-Victoria-Krankenhaus auf dem Ölberg, mit dem sich die EKD über die Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung verbunden sei, sei abhängig davon, dass sowohl Israel als auch die Palästinensische Autonomiebehörde und die internationale Gemeinschaft den Betrieb des Krankenhauses finanziell und rechtlich sicherten. So sei das Krankenhaus immer wieder neuen Verunsicherungen ausgesetzt. Als Beispiele nannte Johannes Friedrich, der Mitglied des Rates der EKD ist, sowohl den Bau der Sperranlage, der den freien Zugang von Patienten und Mitarbeitern aus der Westbank erschwert habe, wie auch die Wahl der Hamas und die damit verbundene Diskussion um die Finanzierung der palästinensischen Regierung. In diesem Zusammenhang machte Bischof Friedrich deutlich, dass die EKD die unbestritten demokratisch verlaufene  Wahl der Palästinenser respektiere. Die EKD erwarte aber von jeder palästinensischen Regierung die Anerkennung Israels, den Schutz von Minderheiten sowie die weitere Unterstützung christlicher Institutionen wie Krankenhäuser und Schulen. Gerade diese Rechtssicherheit gehöre nach westlichem Verständnis zu einem demokratischen Staat.

Hannover/Berlin, 10. März 2006
Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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