30 Jahre Theologisches Studienjahr Jerusalem

Jubiläumsveranstaltung an der Universität Bonn

22. Mai 2004

„Freue dich, dein Tröster kommt, Jerusalem.“ Mit besonderer Andacht sangen die Teilnehmenden am ökumenischen Festgottesdienst im Bonner Münster am Freitag abend, dem 21. Mai, diesen Vers. Vielen von ihnen haben im Rahmen des „Theologischen Studienjahres Jerusalem“ zwei Semester lang an der sogenannten grünen Grenze zwischen Israel und den Palästinensergebieten am Rande der Jerusalemer Altstadt gelebt. Mit einer dreitägigen Konferenz bis zum Samstag, dem 22. Mai, wurde an der Universität Bonn das 30jährige Jubiläum des Studienjahres gefeiert.

Die Himmelfahrt Christi habe die Perspektive der Jünger über Jerusalem hinaus auf die ganze Welt erweitert, erklärte der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Christoph Kähler, in seiner Predigt. Das Heil Gottes gelte „nicht nur, sondern auch für Jerusalem“. Jerusalem bleibe dennoch bis heute „Lernort“ für die Christen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann. „Denn Jerusalem ist und bleibt der Ort, wo Gottes Kirche ihren Anfang genommen hat.“ Er sei daher besonders dankbar, dass dieser Lernort durch das Programm des Studienjahres seit 30 Jahren deutschsprachigen Studierenden „durch alles Drunter und Drüber im Heiligen Land“ erhalten geblieben sei.

"Was für Studierende der Forstwirtschaft ein Praktikum im Wald ist, das sei für Theologiestudierende ein Aufenthalt im Heiligen Land", so Pater Laurentius Klein (1928-2002), der 1973 das Studienjahr begründete. Im gemeinsamen Studienhaus Beth Josef auf dem Zionsberg erleben die Studierenden Ökumene hautnah. Die andere Konfession besser kennen zu lernen und dabei die eigene Identität wahrzunehmen, prägt den Studienalltag.

Neben den innerchristlichen Akzenten bilden der Dialog mit dem Judentum und mit dem Islam weitere Schwerpunkte des Studienprogramms, das vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst gefördert wird. In Gastvorträgen lernen die Studierenden die politische Situation im Land besser einzuschätzen. Exkursionen laden ein zur Begegnung mit den Stätten der biblischen Erzählungen. Die vertiefte Kenntnis der religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Facetten des Nahen Ostens prägt die Arbeit der 750 Studierenden nach ihrer Rückkehr aus Jerusalem.  Der "Lernort Jerusalem" entfaltet damit auf Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft eine bleibende Wirkung für Respekt im ökumenischen Miteinander und Toleranz im Dialog der Religionen.

Dass das ökumenische Studienjahr für die Begegnung der Religionen und den interreligiösen Dialog sensibilisiert, verdeutlichte der Vortrag von Pfarrer Hans-Martin Gloel, Absolvent des Studienjahres 1990/91. Er berichtete von seiner Arbeit in der christlich-muslimischen Begegnungsstätte „Brücke-Köprü“ in Nürnberg. Die Einrichtung, die unter anderem vom Missionswerk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern getragen wird, gilt als Wegweiser für die Begegnung der Religionen in Deutschland. Das Bundesinnenministerium will bundesweit ähnliche Projekte anregen.

Hannover/Bonn, 22. Mai 2004

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi


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