EKD-Ratsvorsitzender für Selbstbewusstsein im Dialog mit den Muslimen

Bericht von Präses Kock zum Auftakt der EKD-Synode in Amberg

04. November 2001 (6. Tagung der 9. Synode der EKD)

Für mehr christliches Selbstbewusstsein im Dialog mit den Muslimen hat sich der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, zu Beginn der Tagung der EKD-Synode im bayerischen Amberg ausgesprochen. In seinem Bericht vor den 120 Synodalen sagte Kock, dabei müsse auch zur Sprache kommen, "was Christus für uns bedeutet". "Wir gefährden den interreligiösen Dialog nicht dadurch, dass wir zuviel, sondern eher dadurch, dass wir zuwenig von Christus sprechen". Der Ratsvorsitzende stellte seinen Bericht unter das Leitmotiv "Jesus Christus - Das eine Wort Gottes". Achtung vor dem Glauben Anderer erfordere sowohl solides Wissen vom eigenen Glauben als auch die Bereitschaft, die andere Religion kennen zu lernen.

Im Gespräch mit Muslimen "über die öffentliche Dimension des Glaubens" sollten Christen nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden auch die "Grundsätze unserer Verfassung" zur Sprache bringen. Man müsse islamische Gruppierungen, die sich "vom Terrorismus distanzieren und bekunden, dass ihre Treue zum Islam mit der vorbehaltlosen Anerkennung" unseres Grundgesetzes vereinbar ist", beim Wort nehmen und nach Konsequenzen für die Gestaltung des Zusammenlebens fragen. Kock wörtlich: "Dazu gehört die Diskussion um die Akzeptanz des säkularen Staates, dessen Rechtsordnung die Pluralität schützt."

Präses Kock wehrte sich gegen Meinungen, die Religion "unter Generalverdacht" stellen und pauschal mit Fanatismus verwechseln. Zwar könne jede Religion zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden, räumte er ein. Doch könnten auch "so genannte religionslose, vorgeblich auf Vernunft gegründete Systeme maßlos und fanatisch sein".

Der Ratsvorsitzende betonte in Amberg, es werde für das friedliche Zusammenleben der Menschen entscheidend sein, die den Frieden stärkenden Kräfte in den religiösen und weltlichen Bereichen der Gesellschaft zu mobilisieren. Es gelte, dem Fanatismus das Wasser abzugraben. Die säkulare (weltliche) Gesellschaft ist nach den Worten Kocks "trotz ihrer Widersprüche und ihrer Neigung zur Beliebigkeit am besten geeignet", unterschiedliche Weltanschauungen in Frieden nebeneinander leben zu lassen.

Amberg, den 4. November 2001
Pressestelle der EKD

(folgt Ratsbericht 2)



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