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Anerkennen - Ermutigen - Befähigen

Zur Lebenssituation von Langzeitarbeitslosen

Ausgangssituation:
Seit den Arbeitsmarktreformen 2004  (Hartz IV:  Arbeitslosen- und Sozialhilfe werden zusammengelegt und im SGB geregelt) zeigt sich eine zunehmende Auseinanderentwicklung der Zielgruppen. Vielen der SGB II-Bezieher_innen, die eine Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Hilfebedürftige bekommen, fehlt eine abgeschlossene Berufsausbildung oder aber berufliche Erfahrungen und Kompetenzen, so dass für diese Zielgruppe zumeist nur der prekäre Arbeitsmarkt offen steht. Somit ist eine wichtige Chance für gesellschaftliche Integration nicht gegeben. Ein Teil der Männer und Frauen leidet an physischen oder psychischen  Erkrankungen. Für viele ist der Ausstieg aus dem Leistungsbezug schwer. Die Reduzierung der Verpflichtigungsermächtigungen für Beschäftigungszuschüsse in der Zusammenarbeit mit Unternehmen erschwert zudem eine längerfristige Zusammenarbeit mit Arbeitslosen. Die Reduzierung der Mittel bei den Arbeitsagenturen für Qualifizierung und sozialpädagogische Betreuung verschärft die Lage, so dass Langzeitarbeitslose letztlich kaum eine Chance haben, Kompetenzen, Selbstbewusstsein und arbeitsmarktgerechtes, integrationsförderndes Verhalten kontinuierlich aufzubauen. Es braucht ein Umsteuern, um einen Weg aus der komplexen Problemlage der Grundsicherung heraus zu finden.

Ziel des Projektes:
Ziel des Projektes ist, Ansätze zu beschreiben, um Menschen, die von mehrfacher Exklusion betroffen sind, wieder Wege der Stabilisierung bis hin zur Integration in Erwerbsarbeit zu ermöglichen. Um dies Ziel zu erreichen, wird im Rahmen der Studie exemplarisch die Lebenssituation von Menschen, die mehrere Jahre lang arbeitslos waren und kaum Chancen auf Beschäftigung haben, untersucht. Ausgehend von der Annahme, dass von längerer Arbeitslosigkeit und Armut betroffene Menschen spezifische Verhaltensweisen entwickeln, in der "ersten" Arbeitswelt nicht anerkannt und folglich nicht genutzt werden können, soll genauer nach den Potenzialen und Möglichkeiten der Menschen geschaut werden. Auch Langzeitarbeitslose erbringen eine Art von gesellschaftlicher Wertschöpfung. Normalerweise wird sie nicht gesehen, die Fähigkeiten der Langzeitarbeitslosen entsprechen vielfach nicht den vorgegebenen Standards. Das Projekt hat zum Ziel, diese "verkannte Wertschöpfung" zu analysieren, sie zu beschreiben und somit öffentlich zu machen. Untersucht werden soll, wie elementar befähigt werden kann, bevor eine Förderung mit dem Ziel der Arbeitsaufnahme einsetzen kann. Es geht um Fragen einer unmittelbaren Befähigung und Kompetenzsteigerung, die an den alltagsweltlichen Potenziale dieser Menschen ansetzt und sie behutsam weiter zu entwickeln versucht. Wie kann stabilisierende Ermutigung gelingen? Ein Sicheinrichten in der Armut soll unterbunden, ein Teufelskreis durchbrochen werden.  

Methode: 
Gearbeitet wird mit ressourcenorientierten Forschungsmethoden. In einer Art Potenzialanalyse soll das vorhandene "Arbeitsvermögen" sowie lebensweltliche Kompetenzen von längerfristigen Arbeitslosen erfasst werden.  Hierzu werden rekonstruktive und biografische Methoden eingesetzt, die auf qualitativen Analysen von Einzelinterviews beruhen. Exemplarisch werden Kompetenzbiografien einzelner längerfristiger Arbeitsloser erfasst. Mit im Blick sind sowohl die äußeren Rahmenbedingungen sowie sozialstrukturelle Blockaden als auch die subjektive Verarbeitung. Ein zweiter theoretischer Bezugspunkt sind die Diskussionen über Wege zu einem Kompetenzmanagement als Weg zur Integration Arbeitsloser in die Gesellschaft.  Ein weiterer pragmatischer Bezugspunkt sind die Diskussionen über ein "Social Return on Investment". 

Projektpartner_in:
Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD führt die Studie in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Fachverband für Arbeit und soziale Integration (EFAS) durch. 

Laufzeit des Projekts: Juli 2013 - Juni 2015

Die Studienergebnisse liegen gedruckt vor: "Fragiler Alltag - Lebensbewältigung in der Langzeitarbeitslosigkeit", Reihe SI aktuell, Oktober 2015, creo-media, ISBN 978-3-9814883-6-4.

Kontakt:
Antje Bednarek-Gilland
Gerhard Wegner
Gerhard.wegner@si-ekd.de
0511 / 554741-11

 


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 20. April 2016 13:38