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Gelebte Unternehmensethik (2009)

Eine empirische Studie über ethische Reflexion in Großunternehmen und ihre institutionellen und personellen Voraussetzungen

Ob Korruption, Kinderarbeit, Massenentlassungen oder heimliche Video-überwachung von Mitarbeitenden - "unethisches" Verhalten von Unternehmen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Wie aber sieht im Kontrast dazu "gelebte Unternehmensethik" aus? Was sind ihre Themen, wer sind die Träger und Katalysatoren? In einem praxisnahen Forschungsprojekt untersuchte Veronika Drews, wie komplexe Großunternehmen ethische Fragen bearbeiten und wodurch sich gute Praxis auszeichnet.

Ziel des Projektes

Beispiele für eine aus Unternehmenssicht erfolgreiche Bearbeitung ethischer Fragen im wirtschaftlichen Alltag zu finden. Funktionsweise und Rahmenbedingungen dieser Lösungen werden mit Expertinnen und Experten aus der Praxis diskutiert. Das Projekt hat insbesondere das Verhältnis von Personen und Organisation, individueller Ethik und ökonomischer Zielsetzungen in den Blick genommen. Ziel war ein Dialog von Kirche und Unternehmen über deren Verantwortung im sozialen, ökologischen und volkswirtschaftlichen Bereich beitragen.

Herangehensweise

In fünf großen Unternehmen führte das SI Leitfadeninterviews und Gruppendiskussionen mit Mitarbeitenden und Führungskräften durch. Anhand des gewonnenen Materials wurde untersucht, unter welchen Bedingungen Ethik auch im Alltag komplexer Organisations- und Entscheidungsstrukturen erfolgreich mit Leben gefüllt werden kann.

Warum Großunternehmen?

Weltweit spielen große, transnational agierende Unternehmen immer mehr eine Rolle, gleichzeitig sinkt die Bedeutung staatlicher und korporatistischer Akteure (Kirchen, Gewerkschaften, Verbände). Die christliche Sozialethik hat Unternehmen als Verantwortungssubjekten bislang kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei sind es gerade die großen Unternehmen, die sich immer häufiger offensiv als "gute Bürger" (Corporate Citizen) präsentieren und für sich in Anspruch nehmen, als kollektive Akteure gesellschaftliche Verantwortung (Corporate Responsibility) zu übernehmen. Kirchlicherseits muss auf diese Entwicklung auch jenseits individualethischer Kategorien reagiert werden. Das SI hat versucht mit diesem Projekt Rahmenbedingungen individuellen Handelns kritisch zu reflektieren und nach Strukturen gesucht, die ethisch verantwortungsvolles Handeln im ökonomischen Kontext befördern.

Projektverlauf

Drei Projektphasen: Empirische Vorstudie (Phase I), Dialog- und Forschungsphase in den Unternehmen (Phase II), wissenschaftliche Aufbereitung der Ergebnisse (Phase III). Präsentation der Ergebnisse während der Fachtagung in der Evangelischen Akademie im Rheinland (20. bis 21. November 2009), Buchveröffentlichung Anfang Oktober 2010 (SI konkret 3: "Das Gute im Geschäft - Wie Unternehmen Ethik treiben").

Kooperationen

Das Projekt wurde unterstützt von Prof. Dr. Joachim Fetzer, Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, Prof. Dr. habil. Josef Wieland, Hochschule Konstanz, der Abteilung Planung | Koordination | Grundsatzfragen der BDA | Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Evangelischen Akademie im Rheinland.

Die Veröffentlichung der Projetkergebnisse erfolgte im Oktober 2010, SI konkret 3, LIT-Verlag, ISBN 978-3-643-10930-9.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 20. April 2016 13:38