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Wie geht's der Kirchengemeinde?

Repräsentative Befragung von Kirchenvorständen (Kirchengemeindebarometer)

Ausgangslage
Kirchengemeinden bilden die Basis kirchlichen Lebens. Ende 2012 gab es in den 20 Landeskirchen, so die EKD-Statistik, knapp 14.800 selbstständige Gemeinden. Hier werden Menschen getauft, konfirmiert, vermählt, getraut, bestattet. Gemeinden sind die Orte, in denen religiöses Leben stattfindet, reproduziert und auch gewandelt wird. Dafür, dass die Gemeinden derart zentral für das kirchliche Leben sind, ist erstaunlich wenig bekannt über ihre Organisationsformen, ihr Selbstverständnis, die Art ihrer Selbststeuerung und über die tagtägliche Arbeit vor Ort. Mit welcher Sozialform haben wir es bei Kirchengemeinden überhaupt zu tun? Was sollen, können und wollen sie leisten?
Im Zuge der Reformdiskussion wird eine Vielzahl normativer Erwartungen an Kirchengemeinden herangetragen: sie sollen ihre organisatorische Effizienz steigern und in der Öffentlichkeit und auf dem Markt in Konkurrenz mit anderen bestehen. Zugleich sollen sie aber auch die Erfahrung spezifischen Gemeinschaftslebens bieten. In eklatantem Widerspruch zu dieser Erwartungshaltung steht das Defizit in der Erforschung der realen Prozesse kirchengemeindlicher Steuerung. Seit Anfang der 1960er Jahre hat es dazu keine ernst zunehmende empirische Forschung mehr gegeben. Was sich also jenseits der Diskurse über Kirchengemeinden tatsächlich in den Kirchengemeinden abspielt, entzieht sich weitgehend der genauen Beobachtung.

Ziel des Projektes
Zunächst sollen Annäherungen an die Beantwortung grundlegender Fragen gefunden werden:
- Was passiert an der Basis der evangelischen Kirche?
- Wie verstehen sich Kirchengemeinden selbst und welches Bild haben sie von sich?
- Wie haben sie die Entwicklung der letzten Jahre erlebt und wie schätzen sie die Zukunft ein?   
Erleben sie die anstehenden Reformen als eher förderlich oder als hinderlich?

Darüber hinaus geht es darum, Entscheidungs- und Koordinationsmechanismen zu identifizieren, die sich im Spannungs- oder auch Ergänzungsverhältnis von Kirchengemeinde als Organisation, als Gemeinschaft und als Wettbewerberin auf dem religiösen, sozialen und kulturellen Markt herausbilden. Hierbei wird das in der Organisationssoziologie verwendete Reglersystem von M(arkt)-O(rganisation)-G(emeinschaft) zum Ausgangspunkt genommen, um zu eruieren, in welchem Verhältnis diese in der Arbeit der Kirchengemeinden zueinander stehen.
Und natürlich sollen die Ergebnisse auch den Kirchengemeinden selbst zur Verfügung gestellt werden, für ihre eigenen Entwicklungsplanungsprozesse.
Die grundlegende Frage ist somit die, wie sich die Funktionsweisen von Kirchengemeinden überhaupt beschreiben lassen: sind sie Organisationen im klassischen Sinne oder Gemeinschaften, oder nicht viel eher Hybride? Wie steuern sie sich selbst, welche Koordinationsmechanismen kommen zum Tragen?
Sowohl der Gedanke von Gemeinschaft als auch die Vorstellungen von Markt und Organisation verweisen auf die Wechselbeziehung von Kirche(ngemeinde) und Umwelt.

Methode
Um der faktischen Diversität von Erscheinungsformen und Handlungsvariationen kirchengemeindlichen Lebens in der EKD gerecht werden zu können, soll eine repräsentative Stichprobe von Kirchengemeinden der EKD-Gliedkirchen untersucht werden. Die Befragung wird sich auf die Kirchenleitungen, also die Mitglieder der Kirchenvorstände, Ältestenräte, Presbyterien, Kirchengemeinde- und Gemeindekirchenräte, konzentrieren. Beabsichtigt ist, die Befragung bei diesen Kirchengemeinden in regelmäßigen Abständen zu wiederholen (Panel-Befragung), um Entwicklungen nachzeichnen und beschreiben zu können.

Projektverlauf
Von Mai bis September 2010 wurde bereits eine Vorstudie in ländlichen Regionen Ost- und Westdeutschlands durchgeführt, die Ergebnisse wurden Anfang 2012 in einer Broschüre veröffentlicht ("Wie geht's der Kirchengemeinde?"; http://www.ekd.de/si/21058.html). Ein zentrales Ergebnis dieser Vorstudie bestand darin, dass das organisationssoziologische M-G-O-Modell zur Handlungskoordination auch für die Arbeit in Kirchengemeinden verwendet werden kann.
Der Fragebogen wurde überarbeitet, im Februar 2013 startete die EKD-weite Befragung der Mitglieder der Gemeindeleitungen in einer repräsentativen Stichprobe. Es wurden 1.508 Kirchengemeinden aus 19 Gliedkirchen der EKD angeschrieben und um Teilnahme gebeten (Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe beteiligte sich nicht an der Studie).
Rücklauf: 803 Mantelbögen und 3.980 Personalbögen. Die Beteiligungsquote der Kirchengemeinden liegt damit bei 53 Prozent. Ab Herbst 2013 wurden die Daten ausgewertet. Eine erste Präsentation der Ergebnisse erfolgte bereits auf der SI-Jahres-Tagung in Loccum im Herbst 2014. Am 18. Mai 2015 ist bei EVA Leipzig das Buch zur Studie erschienen, Titel: "Potenziale vor Ort - Erstes Kirchengemeindebarometer", ISBN 978-3-374-04106-0.

Kontakt
Hilke Rebenstorf / Petra-Angela Ahrens
hilke.rebenstorf@si-ekd.de
petra-angela.ahrens@si-ekd.de

 

 

 


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 17. August 2016 13:17